Ein Stück Geschichte ist mit der Verabschiedung der Dillinger Franziskanerinnen nicht nur bei Regens Wagner Burgkunstadt, sondern für die ganze Stadt zu Ende gegangen. Mit einem feierlichen Dankgottesdienst hat Erzbischof Ludwig Schick die Schwestern Ermelinde Brandl, Vita Breitsameter, Hildegard Hilkmann, Odilia Rutsch und Oswina Wittmann verabschiedet.

Schick würdigte die langjährige Arbeit der Schwestern für Menschen mit Behinderung: "Wir sind dankbar für den Respekt, das Wohlwollen und die Liebe, die sie jedem einzelnen Kind, Jugendlichen sowie Erwachsenen entgegengebracht haben." Die Dillinger Franziskanerinnen seien die Pioniere der Gründung der Regens-Wagner-Einrichtung in Burgkunstadt gewesen. Sie hätten vieles geleistet in Schule, Küche, Werkstatt und in den Gruppen. Sie hätten den Glauben, dass jeder Mensch mit und ohne Behinderung ein geliebtes Geschöpf Gottes ist, im Reden und Tun praktiziert, sowie die Hoffnung verbreitet, "dass jeder Mensch auch die Ziele erreichen kann, die Gott ihm gesetzt hat". Dass nun die letzten Schwestern Burgkunstadt verließen, mache ihn und viele Menschen traurig. Aber diese Trauer müsse man zulassen und dankbar sein für alles, was die Schwestern gegeben haben. Das jetzige Personal führe die segensreiche Pionierarbeit der Schwestern fort. Als Dank und Anerkennung überreichte er den Schwestern die Hedwigsmedaille des Erzbistums Bamberg. Der Erzbischof wies auch auf die gesellschaftliche Herausforderung des demografischen Wandels in Deutschland hin, der auch die Orden trifft. "Der Nachwuchs bleibt aus, dadurch haben wir überall einen Mangel an Fachkräften, besonders im Sozial- und Pflegebereich."

Im Jahr 1895 wurde die Einrichtung Regens Wagner für Menschen mit Behinderung in Burgkunstadt gegründet. Dillinger Franziskanerinnen übernahmen von Anfang an die Leitung und begleiteten Menschen mit Behinderung. Der Konvent in Burgkunstadt löst sich nun nach 121 Jahren segensreichem Wirken auf, und die Schwestern schließen sich anderen Konventen an.


"Sensible Weiterentwicklung"

Provinzoberin Sr. Gerda Friedel führte aus, dass mit der Verabschiedung der Schwestern auch ein Kapitel in der 775-jährigen Geschichte der Dillinger Franziskanerinnen zu Ende geht: "Die Geschichte von Regens Wagner Burgkunstadt wird weitergehen, ohne uns, aber mit Gottes Schutz und Segen." Sie bedankte sich für die engagierte und sensible Weiterentwicklung des Erbes von Regens Wagner, Magnus Niedermair und der Dillinger Franziskanerinnen.

"Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber leben muss man es vorwärts": Mit diesen Worten wandte sich Gesamtleiterin Sabine Schubert beim Festakt an die Schwestern. "Ihre Mitschwestern hätten im Jahr 1895 bestimmt nicht vermutet, dass aus der damaligen Anstalt in Burgkunstadt ein soziales Unternehmen für mehr als 350 Menschen mit Behinderung sowie fast 500 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter und vielfältigen Angeboten entsteht." Was hier aus kleinen Anfängen geschaffen wurde, sei etwas ganz Besonderes. Hinter allem Tun der Franziskanerinnen habe die Liebe zum Leben und zu den Menschen gestanden. Sie hätten die ehemalige Josefsanstalt durch ihr unerschütterliches Gottvertrauen geprägt und seien damit auch durch die schweren Zeiten im und nach dem Zweiten Weltkrieg getragen worden, die sie mit der Schließung der Einrichtung und dem Euthanasieprogramm vor größte menschliche Herausforderungen stellte. Mit ihrem Glauben und Mut leisteten sie viel Gutes auch für die Bevölkerung und die Flüchtlinge.

Bei Regens Wagner hat die Truhe aus dem Jahr 1895 einen Ehrenplatz, mit der die Schwestern damals in Burgkunstadt einzogen. Zum Abschied überreichten Sabine Schubert, ihr Stellvertreter Christian Behner, Hans Vonbrunn von den Werkstätten St. Josef, die Mitarbeitervertretung und der Heimbeirat Nachbildungen dieser Truhe, deren Inhalt die Schwestern stets an "ihr" Burgkunstadt zurückerinnern soll. Neben vielen anderen Dingen enthielt die Truhe ein Glas mit einem Stück der Stadtmauer und "Heimaterde". Dankesworte für das segensreiche Wirken der Dillinger Franziskanerinnen sprachen auch Burgkunstadts Zweite Bürgermeisterin Sabine Heppner, stellvertretender Landrat Helmut Fischer und Michael Fraunholz für die katholische Pfarrei Burgkunstadt und überreichten Erinnerungsgaben.

Dem Konvent der Dillinger Franziskanerinnen in Burgkunstadt gehörten zuletzt an: Sr. M. Ermelinde Brandl, 77 Jahre, sie war seit 1997 in Burgkunstadt und ab 1998 Konventoberin; Sr. M. Vita Breitsameter, 78 Jahre, seit 2003 in Burgkunstadt, Kursleiterin für biblische Figuren; Sr. M. Hildegard Hilkmann, 67 Jahre, seit 2014 in Burgkunstadt, Sakristei- und Fahrdienst der Gemeinschaft; Sr. M. Odilia Rutsch, 90 Jahre, seit 1955 in Burgkunstadt, ehemals Gruppenleitung im Bereich behinderte erwachsene Frauen und Sr. M. Oswina Wittmann, 74 Jahre, seit 1963 in Burgkunstadt, Erzieherin und Leitung einer Kindergruppe, Bereichsleitungen im Kinder-, Jugend- und Erwachsenenbereich. Die Schwestern wechseln in die Konvente in Zell und Lauterhofen.