"Wir spielen traditionelle Volksmusik mit auflockernden modernen Stücken", umschreibt Franz Riedl das Repertoire der Blaskapelle. Bei der Staffelsteiner Blaskapelle, da sind sich Franz Riedl, Dirigent Michael Diller und Peter Zapf einig, stand immer die Freude am Musizieren im Mittelpunkt - und die Absicht, dem Publikum ein abwechslungsreiches Programm mit Märschen, Polkas, Walzern und einer kurzweiligen Moderation zu bieten.
Nun ist damit für immer Schluss. Im vergangenen Jahr löste sich die Formation auf. Das liegt wohl an einem allgemeinen Trend: Immer weniger Vereinsfeste und große Feiern nehmen Blasmusik ins Programm auf, die Engagements der Staffelsteiner Blaskapelle gingen in den vergangenen Jahren stark zurück, allein die Freihand-Schützen blieben dem Ensemble bis zum Schluss treu.
Einst war das anders: Im März 1966 spielte die Staffelsteiner Blaskapelle erstmals Rundfunkaufnahmen ein. Die Stücke wurden vom Bayerischen Rundfunk in der Nürnberger Meistersingerhalle aufgezeichnet. Wert legen die drei Musiker jedoch darauf, dass man sich nie offiziell "Rundfunk-Blaskapelle" genannt habe. Dieser Name kursierte zwar im Volksmund, richtig sei jedoch allein die Bezeichnung "bekannt durch den Bayerischen Rundfunk".


Schallplatten aufgenommen

Die erste Schallplatte wurde dann Anfang der 1970er-Jahre in der Kurklinik in Schwabthal (nicht in einem Studio) eingespielt. Dirigent war zu diesem Zeitpunkt bereits Michael Diller, der die Stabführung im Dezember 1969 von Adolf Gröger übernommen hatte. Die weiteren der insgesamt drei Schallplatten wurden in einem Studio im "Colosseum" am Nürnberger Dutzendteich aufgenommen. Später folgten einige Musikkassetten und CDs, wobei die CDs aus den Aufnahmen der Kassetten gewonnen wurden.


Breites Repertoire

Im Repertoire hatten die Musiker vor allem Polkas, Walzer und Mazurken, mit denen sie ihrem Publikum Freude machen konnten. Bei Kurkonzerten in den Kliniken in Schwabthal und Bad Staffelstein sowie auf der Seebühne boten sie, was zum kulturellen Angebot eines Erholungsortes gehört, aber auch den Zapfenstreich mit Serenade spielten sie einst öfters - vor allem in Verbindung mit der Eberner Bundeswehr-Patenkompanie.
Die Staffelsteiner Blaskapelle gehörte zum festen Programm bei den Staffelsteiner Schützen- und Altstadtfesten. Für die humorvollen Einlagen war Dirigent Michael Diller stets ein Garant. In seiner heiteren Art moderierte er die Auftritte der Blaskapelle, sagte die Stücke an und streute lustige Erzählungen ein. Es kam auch vor, dass er spontan mit seinem Akkordeon einsprang und - bei einem Konzert einst in der TSV-Halle - Stars wie Erni Singerl begleitete.


Musik stets live gespielt

Dass nun das Ende kam, bedauern die drei Musiker sehr. Es sei schade, lassen sie durchklingen, dass es nicht gelungen sei, gemeinsam mit einer städtischen Musikschule Nachwuchs zu gewinnen. "Wir haben auf Qualität Wert gelegt, und bei uns hat das Menschliche immer gepasst", resümiert Franz Riedl. Die große Trommel aus Ziegenfell hat er bereits ans Museum abgegeben.
"Alles, was wir machten, war live", sagt Michael Diller - mit einer Ausnahme: Die Fernsehaufzeichnung zusammen mit den Fischer-Chören auf dem Staffelberg: "Das war das Einzige, was nicht live war."





Die Staffelsteiner Blasmusik

Gründung Im Herbst 1952 entstand die Formation als "Blaskapelle der katholischen Jugend"; Initiator waren Kaplan Josef Güßbacher sowie Hans und Max Stich. Zunächst probten die Musiker in einem der Pfarrei gehörenden Haus hinter der Kirche; später verlegten sie die Proben ins Jugendheim.

Dirigenten Erster Dirigent war Hugo Schreiber; ihm folgten Baptist Hertel, Adolf Gröger und (ab 1969) Michael Diller. Die Kapelle war nie ein Verein, sondern eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), die Dirigenten arbeiteten ehrenamtlich.

Musiker Die Blaskapelle bestand meist aus 16 bis 18 Musikern, auf dem Höhepunkt spielten 20 Musiker mit.

Tonträger Mehrere Schallplatten. Musikkasetten und CDs nahm das Orchester auf. Weil im März 1966 in der Nürnberger Meistersingerhalle und in den Folgejahren in der Kongresshalle Aufnahmen für den Bayerischen Rundfunk entstanden, durfte sich das Ensemble mit dem Zusatz "bekannt durch den Bayerischen Rundfunk" schmücken - im Volksmund wurde das schnell verkürzt zu "Rundfunk-Kapelle". Den Verkauf der Tonträger übernahmen Lina und Erhard Müller, die über all die Jahre hinweg mit dem Bauchladen die Konzerte begleiteten. Die Noten stammten von Jaroslav Novak und Emil Händel.