Anders als in katholischen Bundesländern ist der 6. Januar in Frankreich kein Feiertag mehr. An einer schönen Tradition wird dort allerdings an diesem Tag festgehalten: an dem Dreikönigskuchen, einem Gebäck aus Hefe- oder Blätterteig, in dem ein "Königsmacher" aus Porzellan eingebacken ist. Auch die Deutsch-Französische Gesellschaft Obermain (DFG) lässt diesen alten Brauch aufleben und lädt am morgigen Sonntag, ab 16 Uhr, im Gemeindesaal der Kreuzbergkirche zum Dreikönigskuchenessen ein.
Der Dreikönigskuchen wird im westlichen Nachbarland immer am 6. Januar in Erinnerung an die Heiligen Drei Könige serviert, berichtet DFG-Beirätin Katharina von Münchow. Die Geschichte der "Galette des Rois" geht auf zwei Ursprünge zurück: zunächst auf die römische Saturnwoche, ein siebentägiges Fest, bei dem die Kinder mit Kuchen beschenkt werden. Der Termin fiel mit der Zeit der Lehnsabgaben zusammen, daher der Zusatz "König". Der zweite historische Hintergrund liegt im Konkordat von 1801, das als Datum für das "Epiphaniefest" (das "Erscheinungsfest" zu Ehren der Drei Könige) den 6. Januar festlegte.
Diesem Doppelursprung ist die heutige Tradition zu verdanken, eine "Königstags-Galette" untereinander zu teilen. In den Teig wird seit jeher eine dicke Bohne ("Fève") beziehungsweise eine kleine (Porzellan-)Figur eingebacken. Wer Bohne oder Figur in seinem süßen Stück findet, wird von den Anwesenden mit einer Pappkrone gekrönt.
"In Frankreich wird der Brauch vor allem in Familien mit Kindern gepflegt", erklärt Katharina von Münchow. "Aber auch Erwachsene haben großen Spaß dabei." Nachdem von Münchow die Traditionsveranstaltung aus Bayreuth mitbrachte, wo die Deutsch-Französische Gesellschaft ebenfalls jedes Jahr den Dreikönigskuchen verzehrt, freuen sich auch die Altenkunstadter seit dem 6. Januar 2002 auf die alljährliche Suche nach der harten Figur in dem weichen Teig.

Rezept Für die Variante der "Gallette des Rois" a la DFG-Beirätin von Münchow braucht man zwei Blätterteig-Platten, drei Eier, 50 Gramm Butter, 75 Gramm Zucker, ein Päckchen Vanillezucker, 100 Gramm geriebene Mandeln - und eine kleine Porzellanfigur.

Brauch Wer beim Essen auf die Figur beißt, wird König für einen Tag und darf sich seine Königin (oder seinen König) aussuchen, die/der sich ebenfalls krönen darf. Immer wenn der Kuchenkönig beim Mahl sein Glas zum Mund führt, rufen alle Familienmitglieder "Le roi boit" ("Der König trinkt").