Der Fränkische Theatersommer begeisterte das Publikum mit der Premiere von "Don Quichotte" im Klosterlangheimer Ökonomiehof. Als Spielstätte dient ein eigens dafür gebauter Thespiskarren, ein Wohnwagen wandernder Schauspieler. Nachdem in den vergangenen Jahren die Aufführungen im historischen Ort die Theaterfreunde erfreuten, hat sich der Verein der Heimatfreunde mit seinem Vorsitzenden Tom Heinze entschlossen, die Zusammenarbeit mit dem Fränkischen Theatersommer weiterzuführen. In Abstimmung mit dem Intendanten Jan Burdinski können nun erneut interessante Stücke präsentiert werden.

Das Schauspiel nach Cervantes Saavedra wurde oft verfilmt und auf den großen Bühnen der Welt aufgeführt. Doch die turbulente Handlung, die im Europa Anfang des 17. Jahrhunderts an verschiedenen Standorten spielt, auf eine Bühne von wenigen Quadratmetern zu bringen, war eine Meisterleistung der Regisseurin Amelie Auer.
Als der Held die vermeintlichen Riesen mit den großen Armen bekämpfte und in die Flügel von Windmühlen geriet, sah man nur die Köpfe der Beobachter, die lautmalerisch den kreisenden Flug für alle verständlich machten. Auch der Ritt Quichottes auf seinem imaginären Pferd ahmte der Held breitbeinig hüpfend bei Hufgeklapper nach, sodass man glaubte, Rosinante trabe über das Pflaster des historischen Gutshofes.

Dabei floss immer wieder Zeitgenössisches in die Handlung, ein Steckenpferd Bursinskis, dass er gern in das "Drehbuch" schmuggelt. Zum Beispiel der Protest gegen Windkraftanlagen oder der Trend zu einer mobilen Informationsgesellschaft.


Temporeiche Inszenierung

Gekonnt jongliert der Regisseur mit den unterschiedlichen Handlungsebenen und macht deutlich, wie die Liebe zu Dulcinea - Muse des Dichters, Angebetete des Ritters - zunächst nur im Spiel thematisiert wird. Frisch und temporeich ist die Inszenierung von Beginn an. Sie verleiht dem Träumer, dem Fabulierer, dem sehnsuchtsvoll liebenden und dramatisch scheiternden "Ritter von der traurigen Gestalt" durch seine virtuose und ausdrucksstarken Bewegungen ein zutiefst anrührendes Profil. Er und sein loyaler, tröstend bis zärtlicher Diener Sancho Panza sind das eigentliche Traumpaar. Immer wieder gelingt es Sancho, seinen Herrn aufzuheitern oder dessen überbordende Träumereien - im Wortsinne - einzufangen, wenn er ihn etwa mitten in einem sehnsuchtsvollen Sprung aus der Luft klaubt.

Am Ende aber gehen auch ihm die Kräfte aus: Don Quichotte, geschwächt durch den Kampf gegen die ganze Welt, verzweifelt an der unerfüllbaren Liebe zu Dulcinea. Doch unser Held scheint der Welt nicht gänzlich entrückt zu sein, wenn er sagt: "Ich bin nicht verrückt genug, um zu wissen, dass ich es von Zeit zu Zeit nicht bin".
Ein großes Kompliment an die ganze Compagnie: Herz, Können und Energie, mit denen die Schauspielerinnen und Schauspieler bei der Sache sind, übertragen sich ohne Reibungsverluste aufs Publikum. Der Zuschauer bleibt getroffen zurück - bezaubert, berührt aber auch nachdenklich.