Mucksmäuschenstill ist es auf dem Staffelsteiner Badesee. Nur Taktanweisungen, verbunden mit Trommelschlägen des Trommlers, schallen laut. Von eins bis zehn zählt er, damit alle gleichmäßig rudern. Nun stehen die Drachenboote am Start. Ein letztes Mal wird versucht, mit Sprechchören die eigene Moral zu stärken und den Gegner psychisch zu schwächen. Der Startschuss fällt. In lautstarkem Stakkato gibt der Trommler den Rhythmus vor. Je 18 Ruderer und ein Steuermann stimmen ein. 200 Meter legen die 14 Meter langen Boote am Samstag in höchstem Tempo zurück - beim achten Drachenbootrennen auf dem Staffelsteiner Badesee.
Sonnenschein, warme Temperaturen, ruhige See, beinahe Windstille: Es herrscht fast mediterranes Flair, dazu die idyllische Landschaft. Bei optimalen Bedingungen liefern sich elf Teams in wilden Booten ein etwas anderes Kräftemessen.
Verknüpft mit der erstmals ausgetragenen Land-Olympiade mit Team-Spielen aus dem Waldklettergarten Banz hat das Drachenbootrennen abermals unzählige Schaulustige, Badefreunde und Schlachtenbummler angelockt, auch den "Bierdampfer" mit Trommlerin Lin Eichhorn. "Es war schwer, auf den Takt zu achten. Wenn die Paddel ins Wasser eingetaucht sind, habe ich geschlagen", erklärt die Neunjährige. Im Rennen liegt die Schlagfrequenz zwischen 70 und 80 Schlägen pro Minute - beim Start gar bis zu 150 Schlägen. Bis über 25 km/h können Drachenboote erreichen, heißt es. Über 15 jedenfalls maß die Staffelsteiner Wasserwacht, die sich mit der DLRG um die Sicherheit kümmerte, beim Nebenherfahren auf dem Badesee.
Am schnellsten sind die WSC-Snowballs. Der Winter-Sport-Club hat auch die meiste Übung. "Wir waren fast immer dabei", geben Sportwart Dieter Lohneis und Vorsitzender Michael Lieb zu. "Wir suchen auch außerhalb der Wintersaison Veranstaltungen. Skifahren heißt, mit den Knien fahren. Im Boot brauchen wir vor allem die Arme."

Dabei sein ist alles

"Alte Hasen" sind auch der Staffelsteiner Karnevals-Klub. Tipps, wie man sich wacker auf Wasser schlägt? "Geschicklichkeit und Teamgeist sind wichtig", finden die Präsidenten, Matthias Graß und Michael Hess. "Einer muss sich auf den anderen verlassen können. Für uns zählt: Dabei sein ist alles. Immerhin gewinnen wir den Titel für die originellste Verkleidung." Als "Rinderwahn im Drachenkahn" gewandet - genauer: Als Cowboys und Kühe - machen sie auf ihr diesjähriges Motto "Wild Wild West - Showdown in Bad Stone City" aufmerksam.
Schon die Verkleidungen zeigen, welches Konzept hinter dem Drachenbootrennen steckt: Spaß sollen die Mannschaften, neben dem sportlich fairen Wettkampf, haben und das Miteinander in den Vordergrund stellen, betont Organisator Martin Lüders, Geschäftsführer der Freizeit-GmbH. Ein Wettbewerb wie geschaffen für Kneipenbekanntschaften, Vereinsfreunde, oder Arbeitskollegen. "Die Hälfte der Teams waren schon mal dabei, vier sind neu", sagt Lüders, etwa "Das Boot", mit Mitarbeitern der Michelauer Firma Scherer & Trier um Teamchef Matthias Lotz und Trommler Ralf Müller. "Die Idee, beim Drachenbootrennen mitzumachen, entstand im Biergarten. Dann haben wir eine Mannschaft zusammengetrommelt. Wir sind quer durch die Firma vertreten. Unser Antrieb sind Motivation und Zusammenhalt." Letzterer trägt alle Teams. Und als sie für Platz 3 in der Land-Olympiade "So seh'n Sieger aus" anstimmen, wird deutlich, dass alle an diesem Nachmittag Sieger sind.