Der Lichtenfelser Polizeichef Willibert Lankes traf die ersten Gruppen in Seubelsdorf bei McDonalds: "Da standen sie um die Wagen und haben schon kräftig getrunken." Ihr Ziel war am 1. Mai das Dorffest Nedensdorf. Auch diesmal kamen wieder 400 Jugendliche, um dort mitzufeiern,- aber nicht so, wie es sich die Veranstalter der Feier in dem kleinen Ort am Main bei Staffelstein vorstellen. Die Polizei wählte den Begriff "Alkoholwallfahrt" - und der übermäßige Genuss von Bier, Wein und Schnaps sowie Mischgetränken durch Jugendliche, viele davon jünger als 18, beschäftigte auch in diesem Jahr wieder die Polizei und Sanitäter im Übermaß.

"Es war etwa so viel los wie in vergangenen Jahren - aber man muss heuer auch berücksichtigen, dass das Wetter nicht sehr gut war", sagt Lankes. Also Glück gehabt, weil es stellenweise geregnet hatte, möchte man fragen? Diese Sichtweise kann man nachvollziehen, wenn man schaut, was für Probleme es in den vergangenen Jahren mit solchen Maifeiern gab.

Nicht nur die Nedensdorfer kennen das. Auch in anderen Teilen des Landkreises wie etwa im Bärental gab es in den vergangenen Jahren Auswüchse. 2011 ordnete deshalb die Stadt Weismain hier ein ganzes Paket an Maßnahmen an, um Saufgelage junger Menschen zu verhindern: Ein privater Sicherheitsdienst nahm Kontrollen vor und verwehrte alkoholisierten Jugendlichen den Zutritt zum Festgelände, achtete mit der Bergwacht darauf, dass keine Felsen bestiegen wurden. Auch die Polizei war massiv vor Ort. Denn ein Jahr zuvor war die Bilanz verheerend ausgefallen: 150 leere Schnapsflaschen wurden nach dem Fest eingesammelt, eine 13-Jährige war mit 1,94 Promille zusammengebrochen, sechs weitere Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 wurden mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert.

Im Bärental besserte sich die Lage danach - und in diesem Jahr gab es sowieso keine Auffälligkeiten: Wegen der unsicheren Witterung war das Fest abgesagt und nach Neudorf verlegt worden: "Dort lief alles ganz normal ab", sagt Lankes.

Doch in Nedensdorf wurden sogar Beamte aus der Freizeit geholt, um den Gruppen, die mit ihren selbstgebastelten und mit Musikanlagen "getunten Bollerwagen", bis obenhin mit alkoholischen Getränken beladen, aus Lichtenfels, Staffelstein und Ebensfeld anrückten, Einhalt zu gebieten. Wobei es zunächst einmal darum ging, die schlimmsten Auswüchse zu verhindern: Man wollte die Zahl der bis zur Besinnunglosigkeit betrunkenen Personen minimieren - denn kontrollieren lässt sich so eine Erscheinung schon lange nicht mehr: "Wir haben genau gemerkt, wie sich die Jugendlichen über soziale Netzwerke gewarnt haben, wenn die Polizei zu Kontrollen anrückte." Und oft waren die Besucher schon blau, bevor sie in die Nähe des Festgeländes kamen, der Vorglühtreff in Seubelsdorf war sicher nicht der einzige.

Die Polizeistation Bad Staffelstein bekam vor Ort Unterstützung der Polizeiinspektion Lichtenfels und des Einsatzzuges aus Coburg. Schon weit vor Nedensdorf wurden Rucksäcke und Bollerwagen durchsucht. Hochprozentige Alkoholika wurden allesamt unabhängig vom Alter des Besitzers nach dem Polizeiaufgabengesetz zur Abwehr von Gefahren sichergestellt. Dabei ließen die Beamten auch den Einwand "Ich bin doch schon 18" nicht gelten. Denn die Erfahrung zeigte: Oft bekamen die Jugendlichen den Alkohol von über 18-Jährigen.
Auch Bier und Wein wurden sichergestellt, wenn der Besitzer offenbar schon so sehr dem Alkohol zugesprochen hatte. 109 Flaschen kamen so zusammen. Und trotz der Vorkontrollen musste die Polizei vor und während der Veranstaltung sechs Platzverweise erteilen, zwei Personen in Gewahrsam nehmen und eine Körperverletzung aufnehmen. Außerdem wurde noch ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet.

Und auch hier wieder: Ein bis zur Besinnungslosigkeit betrunkenes 14-jähriges Mädchen und ein 19-jähriger Heranwachsender mussten ins Klinikum Lichtenfels eingeliefert werden. Weiterhin wurde der Rettungsdienst für zwei Notfälle benötigt.

Veranstalter sehr kooperativ

Die Veranstalter taten, was sie konnten, hebt die Polizei hervor: Sie wären vorbildlich unterstützt worden. Die vorweg geschilderten Ereignisse spielten sich allesamt auf dem Weg nach Nedensdorf und vor dem Festgelände ab.

Der Leiter der Polizeistation Bad Staffelstein, Polizeihauptkommissar Gerald Storath, kündigte an, dass auch am Vatertag, wenn sich die gleiche Karawane in Richtung Wiesen bewegt, verstärkte Polizeikontrollen durchgeführt werden.
(mit Berichten der Polizei)