"Wir sind kommunalpolitisch in Bayern gut verankert. Ich sehe deshalb große Chancen, bei der Landtagswahl im Herbst die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken." Ein neu formiertes Vorstandsteam mit dem Coburger Stadtrat Klaus Klumpers an der Spitze soll dazu beitragen.
Die leicht steigenden Mitgliederzahlen der vergangenen Jahre werteten die Ökodemokraten als Beleg dafür, dass sich die Partei im Aufwind befindet. "Seit 2008 haben wir jährlich drei bis fünf Mitglieder hinzugewonnen. Im vergangenen Jahr stieg die Mitgliederzahl in Oberfranken von 160 auf 165", freute sich Martin Eichler aus Heiligenstadt im Landkreis Bamberg, der aus beruflichen und privaten Gründen den Vorsitz an Klumpers abgegeben hatte. Auch Thomas Müller, Vorsitzender des gastgebenden Kreisverbandes Lichtenfels-Kulmbach, vermeldete einen Aufwärtstrend: "Vor zehn Jahren zählten wir in unserem Raum noch 22 Mitglieder, heute sind es bereits 33." Ferner freute man sich darüber, dass in Oberfranken immer mehr weiße Flecken auf der ÖDP-Landkarte wegfallen. "Der Kreisverband Bayreuth wurde neu gegründet, der in Bamberg wird wiederbelebt", stellte Eichler fest, der der ÖDP als stellvertretender Bezirksvorsitzender erhalten bleibt. Besonders freute er sich darüber, dass die ÖDP bei der Landtagswahl in sämtlichen Stimmkreisen mit einem Direktkandidaten vertreten sein wird. An der Bezirkstagswahl will die Partei ebenfalls teilnehmen, bis Mitte Juli die nötigen Unterstützungsunterschriften bekommen. Auch die Kommunalwahlen am 16. März 2014 hat die ÖDP fest im Blick: Mit Thomas und Carita Müller sowie Reinhard Englert und Erwin Schröder wollen in Burgkunstadt gleich vier ÖDP-Mitglieder über die Liste einer überparteilichen Wählergruppierung in den Stadtrat einziehen.

Unkonventionelle Vorschläge

Mit teilweise unkonventionellen Vorschlägen möchte die kleine Partei punkten. Um einen "ruinösen Wettbewerb zwischen den Kommunen einzudämmen", wie es Müller formulierte, möchte die ÖDP die Auszahlung der Gewerbesteuer neu regeln. Sie sollte direkt an den Landkreis fließen und über die Kreisumlage mit den Kommunen verrechnet werden. "Ich halte es für sinnvoller, wenn der Landkreis die Ansiedlung neuer Betriebe koordiniert und die dazu nötige Infrastruktur aus den Gewerbesteuereinnahmen finanziert, als wenn jede Kommune ihr eigenes Süppchen kocht."
Für ein Verbot der Prostitution nach schwedischem Vorbild macht sich die ÖDP ebenfalls stark. Man dürfe aus der käuflichen Liebe keinen ehrenwerten Beruf machen, sondern müsse die Freier bestrafen, sagte Müller. Die Familienpolitik, die Entwicklung des ländlichen Raumes, der Schutz natürlicher Grundlagen und die Wiederherstellung des Vertrauens in das Rechtssystem waren weitere Punkte, die angesprochen wurden. Welche Vorstellungen hat der neue Vorsitzende? Klumpers möchte junge Leute für die Mitarbeit bei der ÖDP gewinnen und ihnen den Zusammenhang zwischen einem gesetzlich festgelegten Mindestlohn und einer auskömmlichen Rente aufzeigen: "Bei einem Mindestlohn von elf Euro die Stunde muss sich niemand mehr Sorgen um seine Altersbezüge machen."


Das Wahlergebnis

Die Vorstandswahlen erbrachten folgendes Ergebnis: Vorsitzender Klaus Klumpers (Coburg), Stellvertreter Thomas Müller (Burgkunstadt) und Martin Eichler (Heiligenstadt), Kassierer Ernst Egelkraut (Oberkotzau, Landkreis Hof), Schriftführer Bernd Runge (Glashütten bei Bayreuth), Kassenprüfer Erwin Schröder (Burgkunstadt) und Konrad Bachmeyer (Trebgast/Kreis Kulmbach).

Beisitzer sind Roger Kuchenreuther (Scheßlitz), Ehrenfried Bittermann (Stadtsteinach), Richard Kaiser (Bamberg, früher Kirchlein bei Burgkunstadt) und Angela Büchner (Neustadt bei Coburg) Zum Delegierten für den Landeshauptausschuss kürte man Thomas Müller. Seine Stellvertreter sind Klaus Klumpers, Bernd Runge und Ehrenfried Bittermann. stö