"Manchmal klingelt's um 2 Uhr in der Fruhe - aha, denk ich, da ist der Hans wieder am Werk", sagt Dietmar Link lachend. Der Deutsch-Amerikaner ist mit Ehefrau Rosemarie und den drei Enkelinnen Ingrid, Birgit und Kelli zu einem kurzen Besuch in Uetzing. Sie besuchen "ihre" Musiker.
Kennen gelernt haben sich die Uetzinger und die Nordamerikaner beim ersten USA-Besuch der Uetzinger Blaskapelle im Jahr 2002. Die Oberfranken nahmen an der legendären Steubenparade teil, durften sogar die großartige Parade anführen. Ein zweiter Besuch erfolgte im Jahr 2005. Auch da waren die Uetzinger in musikalischer Mission unterwegs, hatten Auftritte bei der Steubenparade und beim "Oktoberfest", marschierten mit, sangen und brachten ein Stück "Heimat" für die vielen deutschstämmigen Amerikaner in den Bundesstaat New York. In der Kleinstadt Mahopac fanden sie Quartier. Ihre Gastfamilie waren Dietmar und Rosemarie Link. Seitdem stehen sie in regem Kontakt, schreiben sich, rufen sich an.
Nur mit der Zeitverschiebung kommt es manchmal zu lustigen Episoden: Wer nicht an diese sechs Stunden denkt, holt den anderen schon mal nachts aus den Federn. Das macht aber nichts, sagt Dietmar Link und lacht aus vollem Herzen. "Es ist eine gute Freundschaft - die ist durch nichts zu ersetzen." Dabei klopft er seinem Freund "Friedel" Hans Dinkel auf die Schulter.
Der Zwischenstopp in Uetzing war lange geplant. Eine Woche zuvor kam das deutschstämmige Ehepaar mit den drei Enkelinnen in Frankfurt an, besuchte mit dem Leihauto Städte wie Berlin, Leipzig, Würzburg und - Ostheim in der Rhön. Von dort, genauer gesagt: aus Hausen bei Fladungen, stammt Dietmar Link. Seine Eltern waren 1952 in die USA ausgewandert, fanden im Staat New York eine neue Bleibe. Auch Dietmars Frau Rosemarie ist in Deutschland geboren, sie stammt aus dem Chiemgau. Beide haben drei Töchter, die ebenfalls gut deutsch sprechen, und drei Enkel, die allerdings nur englischsprachig sind.
Was aber alle miteinander verbindet, ist die Liebe zur Musik: Sie sind Mitglied im "Bavarian Club Edelweiß Brass-chester N.Y.", ein Musikverein, der schuhplattelt und bayerische Volkstänze aufführt. Dietmar spielt dabei ein steirisches Akkordeon, die Auftritte des Vereine sind stets gut besucht und sehr beliebt. 58 der insgesamt 150 Mitglieder des Vereins sind mit Familie Link auf Deutschland-Tour. Allerdings sind sie schon direkt in den Chiemgau vorgefahren und nehmen dort an der Jubiläumsfeier zum 100-jährigen Bestehen des "Chiemgauer Schuhplattler-Vereins" teil.

Überraschung für die Amerikaner

Noch während Dietmar Link erzählt und sich vor der fränkischen Sonne in den Schatten von Hans Dinkels Pergola flüchtet, hat dieser seinerseits eine Überraschung für die Amerikaner. Still und heimlich hat er ein paar Mann der Blaskapelle organisiert. Tuba, Basstrompete und weitere Instrumente werden leise vor dem Dinkel-Anwesen ausgepackt und eingespielt, einige Kirchweihbesucher schauen erstaunt, sie erwarten gar ein Konzert. Doch die fünf Musikanten Elmar Kerner, Lukas Grießer, Josef Müller sowie Georg und Michael Bauernschmitt haben etwas Anderes vor: Sie wollen ihre damaligen Gastgeber mit einem Ständchen überraschen. "Grüße aus dem Egerland", das Frankenlied und der Marsch "Mit Sang und Klang" - die nordamerikanischen Gäste spitzen erstaunt und erfreut die Ohren. Nach dem Kirchen-Besuch in Vierzehnheiligen, einer fränkischen Weißwurstbrotzeit und einem gepflegten Schluck deutschen Bieres ist das der Höhepunkt des Nachmittags.
Die Mädchen Birgit, Ingrid und Kelli haben ihre rechte Freude. Sie waren noch nie in Deutschland und finden es hier "grroußarrtig".
Dietmar Link lauscht ergriffen. Kann man da nicht sogar einen kleinen feuchten Schimmer in seinen Augen erkennen? Er freut sich und spart nicht mit Applaus. "Das ist unser Familiengruß für Euch", sagt ein strahlender Hans Dinkel. Auch er greift zum Instrument, spielt das Frankenwald-Lied auf der Trompete.
"Er kann's noch", lobt Dietmar Link den ehemaligen Vorsitzenden. Gerade konnte der Musikverein Uetzing-Serkendorf sein 400. Mitglied begrüßen, ist damit nach wie vor der mitgliederstärkste Verein im "Land der Nüsse".
Gegen Abend fuhren die Gäste aus den USA weiter in den Chiemgau, mit dem Versprechen, auch weiterhin in Kontakt zu bleiben.
Ach ja, Hans, wenn Du wieder anrufst, denk an die Zeitverschiebung: Dein 74-jähriger amerikanischer Freund Dietmar braucht auch seinen Schlaf!