Kinder, Enkel und die Landwirtschaft: Kreisbäuerin Marion Warmuth hat auf ihrem Hof in Tiefenroth alles im Griff. Gleich früh morgens geht es in den Stall, damit um halb zehn Zeit für die kleine Sophia ist. Mittags muss dann die andere Enkelin aus dem Kindergarten geholt werden. Ein Leben, das die stolze Oma sichtlich genießt. Neben ihren Enkeln bleiben aber auch die Landfrauen ein wichtiger Teil.

Was sind ihre Aufgaben als Kreisbäuerin?

Marion Warmuth: Als Kreisbäuerin hat man erst einmal die Aufgabe, sich um den Kreisverband des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) zu kümmern. Man ist das Bindeglied zwischen den Ortsverbänden und dem Kreisverband. Ich habe die Verantwortung, die Anliegen und Bedürfnisse im Kreisverband herüber zu bringen. Wir wollen den Bäuerinnen eine Plattform bieten, auf der sie sich engagieren oder weiterbilden können.

Warum engagieren Sie sich für die Landfrauen?
Ich bin eingeheiratet und komme selbst aus keiner Landwirtschaft, aber das ist jetzt auch über 30 Jahre her. Ich fühle mich schon seit langem als Bäuerin. Das ist eine Arbeit, die mir sehr gefallen hat. Dann war ich hier auf dem Betrieb und habe das mitgemacht, habe vier Kinder mit meinem Mann bekommen und habe so die Landwirtschaft gelebt. Als die Kinder dann größer waren, kam es, dass ich mich mehr in die Landfrauen-Arbeit im Ortsverband integriert habe. Und so hat sich das ergeben, dass ich in die Schiene des Bauernverbandes und des Ehrenamts reingekommen bin. Es ist einfach schön, dass man etwas mit begleiten kann, was die Anliegen der Bauern und Bäuerinnen betrifft.

Was ist der Landfrauentag?
Der Landfrauentag ist ein fester Bestandteil im Jahresrhythmus für die Bäuerinnen. Im Rahmenprogramm greifen wir immer gesellschaftspolitische Themen auf. Jedes Jahr gibt es ein Jahresthema. Heuer wird es "Vielfalt leben" sein. Wir haben auch einen Referenten, der für uns das Thema beleuchtet. Der Landfrauentag ist für die breite Öffentlichkeit zugänglich, um eine Plattform zu bieten und Begegnungen zu ermöglichen. Mit Landfrauen sind im Übrigen nicht nur die Bäuerinnen aus dem Landkreis Lichtenfels gemeint. Landfrauen sind für mich allgemein die Frauen, die bei uns in der ländlichen Region leben.

Wie wichtig ist das Thema Vielfalt in der Landwirtschaft?
Das spielt insofern eine Rolle, dass wir uns sehr stark den Gegebenheiten anpassen müssen. Die Landwirtschaft ist nicht mehr so in der Gesellschaft präsent wie es früher mal war. Früher hat man die Landwirtschaft in der öffentlichen Struktur mit einbezogen. Heute durch dieses reichhaltige Angebot an Lebensmitteln hat man den Bezug für die Landwirtschaft verloren. Da sind wir gefordert uns vielfältig aufzustellen. Wir müssen der Bevölkerung wieder nahe bringen, was Landwirtschaft in all ihren Facetten bedeutet. "Vielfalt leben" bedeutet auch, dass viele Betriebe nicht mehr allein von der Landwirtschaft leben können. Wir bieten Diversifizierungsmöglichkeiten an, um sich ein zweites Standbein aufzubauen. Direktvermarktung oder Urlaub auf dem Bauernhof gehören da dazu. Die Landwirtschaft wird immer vielfältiger.

Kopftuch, Gummistiefel und Kittel: Ist so das Bild der Landfrau?
Das Bild hat sich sehr gewandelt. Es haben sich aber auch die Landfrauen gewandelt. Wenn man heutzutage irgendwo hingeht, zum Beispiel zum Landfrauentag, und sich nur das optische Bild anschaut, da sieht man nicht mehr, wer eine Bäuerin ist. Das Bild hat sich Gott sei Dank gewandelt und auch die Akzeptanz der Bevölkerung ist gestiegen. Es wird kein Unterschied mehr gemacht, ob das eine Bäuerin ist oder eine Frau, die im Büro arbeitet. Und das ist auch gut so.

Was sind derzeit die Herausforderungen in der Landwirtschaft?
Herausforderung ist für uns die Schnelllebigkeit. Wir müssen uns immer schneller den Anforderungen stellen, die von der politischen Schiene und auch von der Gesellschaft gefordert werden. Zum Beispiel die Dünge-Verordnung an Gülle-Ausbringung. Momentan muss die Einarbeitungszeit beim Gülle Ausbringen binnen einer Stunde passieren. Vor zwei Jahren waren wir noch binnen vier Stunden dabei. Das ist also schon für viele Betriebe eine gewisse Herausforderung, die auch erst einmal finanziell und personell gestemmt werden muss.

Welche Beispiele gibt es dazu noch?

Auch bei der Tierhaltung wurden immer massivere Forderungen an die Landwirtschaft heran getragen. Man muss aber sagen, dass sich die Betriebe in den letzten 20 Jahren schon umgestellt haben, um dem Tierwohl gerecht zu werden. Dadurch sind aber auch Höfe auf der Strecke geblieben, die sich das aus familiären oder finanziellen Gründen nicht mehr leisten konnten. Es hören immer noch viele auf, weil es von der Struktur her nicht möglich ist, das so weiter zu führen. Und für Betriebe, die keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr haben, wird es heutzutage immer schwieriger. Auf einem Level stehen zu bleiben, ist in der heutigen Zeit nicht tragbar.

Was macht das Leben auf dem Land für Sie lebenswert?
Es ist einmal die Freiheit. Wenn ich da mal meine Schwiegertochter zitieren darf, die Mama von der Sophia, die ist Münchnerin. Seit April wohnt sie bei uns. Sie betont immer wieder, wie sehr sie das Leben auf dem Land genießt. Du kannst überall hin. Du gehst aus der Haustür raus und bist erst einmal frei und ungezwungen. Ich selbst genieße besonders die Natur. Es ist einfach schön, wenn man das Motto lebt: "Andere machen Urlaub auf dem Bauernhof und wir haben das ständig." Zwar nicht den Urlaub, aber die Atmosphäre. Ich habe das auch immer sehr genossen als meine Kinder noch klein waren und ich finde das auch für die Enkel sehr schön. Man kann sie einfach mal laufen lassen.

Das Gespräch führte
Lisa Kieslinger


Landfrauentag
Termin Der Landfrauentag des BBV findet am Donnerstag, 28. Januar, ab 13 Uhr in der TSV-Turnhalle in Bad Staffelstein statt.