Der Optimismus von Insolvenzverwalter Kai Christian Uhr war berechtigt: Der Möbelhersteller und Mineralstoffspezialist in Stadel ist gerettet. Ein Investor hat zusammen mit den bisherigen Besitzern eine neue Firma gegründet, die den Betrieb fortführen wird, mit Wirkung zum morgigen 1. Mai.

Diese Lösung sichert auch die Arbeitsplätze in dem Unternehmen. Die Zahl der 53 Beschäftigten hatte sich um etwa 20 Prozent verringert, weil Mitarbeiter selber das Unternehmen verlassen hatten.

Kai Christian Uhr geht momentan davon aus, dass die verbliebenen Personen weiterbeschäftigt werden können. Auch die Gläubiger könnten mit einer überdurchschnittlichen Erfüllungsquote ihrer Forderungen rechnen.
Doch wie gelang das? Es handelt sich um eine so genannte übertragene Sanierung. Bei diese Lösung übernimmt eine neue Firma die Sachwerte aus dem alten Unternehmen, beschäftigt Mitarbeiter weiter. Das alte Unternehmen meldet Insolvenz an - und aus den Erlösen vom Verkauf der Werte kann der Insolvenzverwalter die Gläubiger auszahlen.

Bessere Leistungen anbieten

Die neu gegründete Anders Interior GmbH wird die insolvente Andres GmbH übernehmen. In der neuen Gesellschaft ist die Wann Plattentechnik aus Vöhringen/Neu-Ulm als strategischer Investor vertreten. Anders sei bereits seit vielen Jahren als Lieferant für hochwertige Lösungen im Mineralwerkstoffbereich tätig gewesen. Mit der Akquisition könnten die beiden Firmen ihren jeweiligen Kunden ein noch breiteres Leistungsangebot im Bereich Mineralwerkstoff und Holz anbieten, heißt es von Seiten des Investors - und von Torsten Anders. Mit beteiligt an der Lösung war die Concentro Management GmbH mit Sitz in Nürnberg. Sie hatte im Auftrag von Insolvenzverwalter Kai Christian Uhr rund hundert potenzielle Investoren angeschrieben. "Außerdem hat Concentro eine Vorauswahl getroffen von Unternehmen, die für eine Beteiligung in Frage kamen." Drei ernsthafte Interessenten seien am Ende übriggeblieben, sagt Uhr. Wann Plattentechnik habe das schlüssigste Konzept vorgelegt. "Die Übernahmeverhandlungen verliefen sehr konstruktiv und schnell."

Die Anders GmbH wird nun in Insolvenz gehen. Die Zustimmung des Gläubigerausschusses stehe auch noch aus, sei aber eher als Formalie zu werten, meinte Uhr. Drei Monate haben die Gläubiger Zeit, ihre Forderungen anzumelden. Kai Christian Uhr prüft dann, ob die Ansprüche berechtigt sind. Am Ende wird die durch den Übergang in das neue Unternehmen eingenommene Summe nach Abzug aller Rechnungen an die Gläubiger ausgezahlt. Wie hoch die Forderungsquote sein wird, kann Uhr noch nicht sagen. Es seien nicht nur Banken unter den Gläubigern: "Das ist breit gestreut." In der Bundesrepublik liege die durchschnittliche Quote bei etwa zehn Prozent, der Insolvenzverwalter rechnet damit, dass man doch deutlich spürbar über dem Durchschnitt liegen werde.

Die Anders GmbH hatte am 19. Februar einen Antrag auf vorläufige Insolvenz gestellt. Die Firma hatte die Räumlichkeiten in Stadel erst im Frühjahr bezogen. Hier war zuvor der Möbelhersteller Precklein tätig, der im März 2012 insolvent gegangen war.