"Für jeden Musiker ist ein solches Fest ein absoluter Höhepunkt." Wolfgang Andres muss es wissen, gehört er doch zu den Aktiven der Weismainer Kapelle mit den meisten Erfahrung. Sein Sohn Manuel, mit dem er Seite an Seite beim Standkonzert am Freitag spielte, fiebert den Festtagen eben wegen solcher Verheißungen entgegen.
Im Hause Andres in Krassach dreht sich seit Wochen alles um das das Bundesbezirksmusikfest. Kein Wunder, mit Vater Wolfgang, dem 14-jährigen Manuel und seiner ein Jahr älteren Schwester Julia stellt die Familie gleich drei aktive Musiker der Hauptkapelle.
"Nur von Fotos" kennt Andres junior die bislang vier großen Musikfeste in Weismain und ist deshalb "gespannt, ob alles so wird, wie ich es mir vorstellte". Andres senior war bei all diesen Großereignissen dabei. Das Wiedergründungsmitglied kann sich noch gut an den Glanzpunkt des ersten Bundesbezirksfestes im Jurastädtchen in Jahr 1973 erinnern. Umringt von Hunderten anderen Musiker-Kollegen am Marktplatz stehen "und dann kommt der Moment, wenn alle ihre Instrumente in die Höhe heben. Das ist schon ein ganz besonderes Erlebnis", beschreibt Wolfgang Andres den Gemeinschaftschor nach dem Festzug vor 40 Jahren.
Dem 61-Jährigen gefällt es, dass die traditionsbewusste Blasmusik sich beim Ablauf des jetzigen Festes an den vorangegangenen orientiert. Wichtig ist ihm zu betonen, dass es aber nicht nur ums Feiern geht. Der Aufwand sei heute ebenso enorm wie damals, weiß Wolfgang Andres, der die vergangenen Tage wie viele andere altgediente Mitglieder mehr Zeit bei der Vorbereitung auf dem Festgelände verbrachte als zuhause: "Je länger man dabei ist, desto mehr ist man verpflichtet mitzuhelfen."
Aber auch Manuel Andres packte fleißig mit an, beispielsweise beim Zeltaufbau, war beeindruckt vom Zusammenhalt. "Wir sind stolz darauf, so ein Fest mitgestaltet zu haben", erklärte er. Wolfgang Andres freuen solche Worte deshalb so, weil er darauf hofft, das Manuel ebenso in seine Fußstapfen tritt, wie er bei seinem Vater Franz getan hat, der schon in den 1930er Jahren in der Weismainer Blasmusik spielte.
Angesicht des Eifers, den der Sohn an den Tag legt, und den Wolfgang vor kurzem mit dem Geschenk einer silbernen Trompete belohnte, stehen die Chancen nicht schlecht. Auch wenn Manuel sich "vieler schöner Momente" am Festwochende sicher ist, einen Wermutstropfen gibt es: Aufgrund des erwarteten Besucheransturms am Sonntagnachmittag geht es für Kapelle unmittelbar nach dem Festzug zum Bewirten ins Zelt, in punkto Gemeinschaftschor muss er erneut auf Fotos hoffen. Aber alleine dieser Umstand ist ein Grund für ihn, mit dem Musizieren weiterzumachen. Damit er eventuell im Rahmen eines Weismainer Musikfest im Jahr 2023 beim "ganz besonderen Erlebnis" persönlich dabei ist.
Am Freitagabend läutete die Blasmusik das viertägige Bundesbezirksmusikfest mit einem stimmungsvollen Abend ein, der sowohl den Anhängern traditioneller Bläserklänge als auch Freunden zeitgenössischer Musik etwas bot.
"Froh, dass es endlich los geht". Mit der knappen Beschreibung seiner Gemütslage spricht geschäftsführender Vorsitzender Norbert Müller am Marktplatz allen Mitgliedern der Jubelblasmusik aus dem Herzen. Gerade spielt die Kapelle die letzten Takte des Standkonzerts, mit dem der Verein auch den letzten Weismainer auf den Beginn des Höhepunktes seines zweifachen Geburtstages (270 Jahre Blasmusik im Städtchen, 50 Jahre Wiedergründung) aufmerksam macht.
Zahlreiche Besucher ließen sich von der Kapelle des Patenvereins aus Johannisthal unterhalten und beobachten einen souveränen Bieranstich durch den Bürgermeister Udo Dauer: "Es ist phänomenal, was vom Verein geleistet wurde."
Später am Abend machte Gemütlichkeit am Ausweich-Festgelände zugunsten der Ausgelassenheit im 100 Meter entfernten Zelt Platz, weil die siebenköpfige Band "Neumond" für eine lange Partyrock-Nacht sorgte. Der Samstag stand zunächst im Zeichen der Wertungsspiele in Grundschule. Später machten die sechs "Blechbriada" vom Tegernsee ihrem Motto "Blasmusik mit Power" alle Ehre.