Viele Prominente aus der Politik, Showgrößen und Sportgiganten konnte man am Samstagabend im Michelauer Gemeindezentrum erleben - verkörpert von einem, der sich ihre Stimmen angeeignet und den Humor gepachtet hat. Unter der Überschrift "Stimmen, Spaß und schräge Vögel" legte dort Bernd Händel als brillanter Stimmenimitator und scharfzüngiger Beobachter los, was das Zeug hält. Er wurde deshalb schon während seines zweistündigen Soloauftritts vom Publikum lautstark gefeiert.
Als Sitzungspräsident des Fastnachtverbandes Franken und vom BR-Studio Franken hat Bernd Händel ständig den Finger am Puls des fränkischen Humors, und so jagte ein Gag und ein Wortwitz den nächsten. Das Repertoire des 1956 in "Nermberch" geborenen Humoristen scheint dabei unerschöpflich zu sein.
Nicht selten bewegt sich der Kabarettist nahe an oder unterhalb der Gürtellinie, ohne dabei ins Zotenhafte abzugleiten. Doch Männlein wie Weiblein bekommen dabei gehörig ihr Fett weg, und es gibt ausreichend Gelegenheit, wahlweise über das eigene oder das andere Geschlecht Tränen zu lachen. Orangenhaut als Mittel gegen Vitaminmangel oder der Versuch der beiden Alten, mal wieder über die Friedhofsmauer zu pinkeln was im eigenen Schuh endet, sind nur zwei der Belege dafür.
Doch zunächst begeistert Bernd Händel als großartiger Stimmenimitator. Was wäre besser geeignet als prominente Politiker für eine pointenreiche Parodie? Politiker, alte und neue bunt gemischt, mit und ohne Amt setzt er, was Mimik, Gestik und Stimme anbelangt, im dunklen Anzug gekonnt in Szene. Bewundernswert ist dabei sein Hin- und Her zwischen den verschiedenen Stimmen im Dialog zwischen Genscher und Seehofer, Beckstein und Schröder. Letztgenannter hat auch gleich den richtigen Anlagetipp parat: "Investier deine ganze Kohle einfach in Schnaps, dann kriegst du bis zu 40 Prozent."
"Deutschland wuchs zusammen, er ging auseinander" und so bekommt auch der Kanzler der Einheit, ebenso wie Norbert Blüm, einiges an Kritik ab.
Himmlische Tipps für Kohl gibt's auch von Franz-Josef Strauß, dem Münchner im Himmel. Und so erfährt man auch ganz nebenbei, dass Strauß vor seinem Tod noch schnell ins Lager der SPD gewechselt ist: "Denn wenn schon einer stirbt, dann lieber einer von denen."
Weg von der Politik entführt Händel sein Publikum dann in Ottis Schlachthof mit Harald Schmidt und Michael Mittermeier. Die berichten von der Spreewaldgurke als "Sachsenvibrator" ebenso wie von den Geburten in Hamburg, wo die Babys "vom Stapel gelassen werden."

Exkurs auf den grünen Rasen

Das Publikum mimt 45 000 Zuschauer im Grundig-Stadion als Background für das Live-Interview mit dem kleinen weißbärtigen Fußballhobbit Michael A. Roth, für den leider einige Granaten nach hinten losgingen. Auch Louis van Gaal, Beckenbauer und der Bundesjogi plaudern aus dem Nähkästchen über das Spielfeld und die eheliche Spielwiese.
Und dann entdeckt das Publikum am Nürnberger Komiker ein weiteres Talent - seine musikalischen Fähigkeiten, die er mit zahlreichen Parodien auf bekannte Schlagerstars und Hits in neuen Bezügen unter Beweis stellt. Musikalisch geleitet er seine Gäste durch die einzelnen Abteilungen eines Kaufhauses. "Du kannst nicht immer 17 sein" heißt es in der Kosmetikabteilung, "Über sieben Brücken musst du gehen" in der Teppichabteilung und vor dem Klopapier erklingt Roland Kaisers "Ich glaub, es geht schon wieder los!"
Die Hitparade mit Dieter Thomas Heck präsentiert Helmut Kohls ersten Hit und den "Zeugwart aller Besenkammern", Bum-Bum-Boris. Sogar Willy Brandt, Heinz Rühmann, Hans Moser und Louis Armstrong trällern im Schlusssong zum ersten Teil lauthals mit.

Das Geheimnis der Unterhose

Im zweiten Teil geht es dann mehr so um die schrägen Vögel wie das fränkische Humoristen-Urgestein Herbert Hisl. Erneut läuft Bernd Händel zu einer brillanten Form auf, wenn er über das Geheimnis einer deutschen Unterhose oder den Dialog zwischen einem Kamel und einem Elefanten im Nürnberger Tiergarten loslegt.
Und natürlich darf seine Paraderolle "Silvester Capone" nicht fehlen. Der Bodyguard der High Society mit Wurzeln in der sizilianischen Mafia liebt seine Frau so sehr, dass er ihr jeden Morgen den Staubsauger ans Bett bringt. Er kennt als Steigerung für die italienische Mafia nur noch das deutsche Finanzamt und beziffert den exakten Geldwert eines Ehemannes auf 3,77 Euro: Zwei Überraschungseier für 99 Cent und ein Kümmerling für 1,99 Euro.
Rhythmisches Klatschen beim Österreich-Song leitet über zum letzten Höhepunkt des Abends, der Zugabe mit einem humorvollen Gang durch sämtliche Sternzeichen mit den entsprechenden Aszendenten.
Die Stimmen aus dem Publikum reichen von "des war weit besser, als ich gedacht hab" bis hin zu "einfach super" und "hou ich gelacht". Dem ist nichts hinzuzufügen.