Abrakadabra hallt es durch den Raum, ein Schuss löst sich, der Wandschirm fällt und vor dem staunenden Publikum steht der "Kaiser" Franz Beckenbauer höchstpersönlich. Der Magier murmelt "Hokuspokus", und wie von Zauberhand hält Komödiant Bernd Stelter eine Gitarre in seinen Händen. Und auf das magische Kommando "Simsablabim" zaubern der Illusionist und seine Partnerin eine Querflöte aus allerhand Tüchern hervor, mit der sogleich ein Meisterflötist vom Broadway das Publikum verzaubert.

Wie Sand am Meer laufen Rudolf Konthur und seiner Partnerin Anne, die zugleich seine Ehefrau ist, die Prominenten über den Weg. Sein Zauberstudio im Hochstadter Ortsteil Obersdorf ist tapeziert mit Erinnerungen an allerhand zauberhafte Auftritte, bei denen ihm fast alles über den Weg gelaufen ist, was Rang und Namen in Deutschland hat: Schlagerstar Costa Cordalis, Schauspieler Götz George, Fernsehkomiker Hape Kerkeling, Boxer Axel Schulz, Komödiant Bernd Stelter - die Aufzählung ließe sich beliebig verlängern.

Das Ganze kommt nicht von ungefähr: Rudolf Konthur ist mehrfacher Preisträger bei den deutschen Meisterschaften der Magie. 1986 wurde er in Den Haag zum Grand-Prix-Sieger für die modernste Zaubershow gekürt, was in Illusionistenkreisen einem Ritterschlag gleichkommt.

Weltweit unterwegs


Seit 1991 ist der Oberfranke mit seiner Frau als gefragter Profizauberer auf der ganzen Welt unterwegs. Unzählige Kreuzfahrten führten das Duo zu traumhaften Stränden und bescherte den Mitreisenden zauberhafte Momente. Auch im italienischen Fernsehen war der fränkische Magier mit der sonoren Stimme schon zu sehen und zu hören.

Was weckte den Zauberer in ihm? "Als ich mit zwölf Jahren einen Zauberkünstler sah, war es um mich geschehen. Ich wollte die Leute mit Zaubertricks zum Staunen bringen."

Doch im Unterschied zu Harry Potter, ging Konthur nicht in die Zauberschule. Seine Gedanken schweifen zurück in seine Jugendzeit, als er einen Zauberschmöker nach dem Anderen verschlang, alles aufsaugte, was er in einschlägiger Fachliteratur über die Magie finden konnte. Konthur erzählt von einem Pfarrer, der ihn in seinem Hobby bestärkte ("Hör bloß nicht auf - macht weiter!"), wie er sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda einen immer größer werdenden Fankreis aufbaute und er die Aufnahmeprüfung in den magischen Zirkel bestand.

Konthur lässt heute Frauen schweben, macht sie zu kopflosen Wesen oder zersägten Jungfrauen, hat allerhand Kartentricks auf Lager, zaubert mit Tüchern und in seinen Händen verschwinden Alltagsgegenstände.

Zauberei ist harte Arbeit


Was auf der Bühne so einfach und leicht aussieht, ist in Wahrheit das Ergebnis harter Arbeit. "Übung macht den Meister", sagt Konthur. Bis zu sieben Stunden ziehe er sich täglich in sein Zauberstudio in Obersdorf zurück, um sich neue Tricks auszudenken. Bis einer bühnenreif werde, könnten bis zu eineinhalb Jahre vergehen, so der Meistermagier vom Obermain.

Ein guter Zauberer, der das Publikum in seinen Bann ziehen will, muss für ihn redegewandt und fingerfertig sein, über eine tolle Ausstrahlung verfügen. "Eine Zaubershow muss wie ein Drama gut aufgebaut und spannend wie ein Krimi sein und sollte auch über ein Happy End verfügen", meint der Zauberkünstler. Er erzählt von verblüfften und verwirrten Menschen, die nicht glauben wollten, was sie sahen, von Leuten, die voller Spannung das Geschehen verfolgten und erleichtert aufatmeten, als das Fallbeil die Hand des Bürgermeisters verschonte.

Die Zauberei zählt Konthur zu den Urverlangen der Menschheit: "In den alten Märchen kommt zum Ausdruck, dass sich die Menschen schon immer nach einem Goldesel oder einem Tischlein deck dich sehnten."

Der Reiz des Zauberns


Diese Sehnsucht möchte Konthur mit seinen Zaubershows befriedigen, sie mit Wahrnehmungslücken, optischen Täuschungen und trickreichen Apparaturen verblüffen, ihnen vorgaukeln, dass die Kräfte der Physik für ihn nicht gelten würden. Das ist für ihn der Reiz an seinem nicht alltäglichen Beruf.

Konthur liebt es zudem, die Leute zu unterhalten, sie die Sorgen des Alltags für einen Abend lang vergessen zu lassen. Wenn der Geldschein wieder wohlbehalten zu seinem Besitzer zurückgekehrt ist, dann labt er sich am Applaus, der bekanntlich das Brot des Künstlers ist.

Der Meistermagier vom Obermain offeriert Zauberkunst für alle Sinne und Lebenslagen von der großen Illusionsshow über die Tischzauberei, moderiert mit magischem Touch oder serviert ein zauberhaftes Diner. Am liebsten ist ihm der direkte Kontakt mit dem Publikum, im Fachjargon Close-Up genannt. Warum? "Weil man hautnah spürt, welche Emotionen ein Trick beim Gegenüber auslöst."

Inzwischen gibt Konthur sein Wissen an jüngere Kollegen weiter. Er hält Seminare, schreibt Artikel für Fachzeitschriften und verfasst Bücher. Für den fitten 63-Jährigen ist die Rente mit 67 kein Thema. Ganz im Gegenteil: Die Zauberei ist für ihn ein Jungbrunnen: "Für einen Illusionisten gibt es kein Alter, da Zauberei zeitlos ist." Spricht's und wie zum Beweis werden aus einem Ball plötzlich zwei.