Es war verletzungsbedingt gebremster Schaffensdrang, der sich ein kreatives Ventil suchte: Als Markus Lippert 2009 mit einem gebrochenen Fußgelenk mehrere Wochen überwiegend zu Hause ausharren musste, bestellte er sich Bücher übers Bierbrauen. Während der Lektüre im Wohnzimmer wurden die Überlegungen, wie er das einmal selbst umsetzen könnte, immer konkreter. Er tätigte erste Bestellungen notwendiger Rohstoffe und Utensilien.

In einem Glühweinkocher bereitete er kurz darauf den ersten Sud für ein Märzen zu. "Das hat klasse geschmeckt", erinnert sich der Lichtenfelser. Und es hat Lust auf weitere Versuche gemacht. Ein Hefeweizen, ein bernsteinfarbenes Lagerbier, ein Rauchbier und ein ungewöhnlich herbes Bockbier entstanden nach und nach. Er habe dabei mehr gelernt, als in vielen Biologie-Unterrichtsstunden in der Schule. Vom Aufspalten von Stärke, von der Gärung. Kein Sud ist wie der andere, und gerade das findet Lippert so spannend. Diese Vielfalt ist es, die ihn nach wie vor begeistert. Diese Vielfalt zeichnet für ihn die fränkische Region aus. Die Biere, die im Fernsehen beworben werden, seien ja nicht von schlechter Qualität, sagt er. "Aber sie sind ein Massenprodukt. Da finde ich die Biere, die es bei uns gibt, viel interessanter."


Ein Hobby geblieben

Das Brauen ist für den Software-Entwickler ein Hobby geblieben. Auch wenn er inzwischen ein Gewerbe angemeldet hat. Ein hölzernes Gartenhaus ist sein Sudhaus geworden, die Maische kocht er mittlerweile in einem 250-Liter-Wurstkessel. Er nutzt gebrauchte Mehrwegfässer, säubert die Bügelflaschen in großen Kunststoffwannen mit Spezialreiniger-Lösung und spült sie anschließend mit heißem Wasser aus. Dass er Brauer und Abfüllanlage in Personalunion ist, macht ihm nichts aus. Während es in seinem Job als Teamleiter in einem namhaften heimischen Unternehmen oft stressig zugeht, herrscht in der Gartenhütte Gelassenheit. "Eine Stunde Flaschen waschen ist ein schöner Ausgleich. Wenn ich keine Lust mehr habe, höre ich einfach auf." Das Brauen mit sehr einfachen Mitteln, wie er es handhabt, sei körperlich anstrengend und man brauche definitiv einen klaren Kopf dabei, betont er. Seinen eigenen Bierkonsum habe es eher nicht verändert. Vielleicht jede fünfte Flasche, die er trinke, so schätzt er, stamme aus eigener Herstellung. Denn das Probieren anderer Biere ist für ihn nach wie vor reizvoll. Er müsse aber ein bisschen aufpassen, sagt er und streicht mit den Händen an seinem T-Shirt entlang - nicht wegen des Suchtfaktors, sondern wegen der Kalorien, die Alkohol in nicht zu vernachlässigender Menge hat. Dass das von ihm Gebraute missbräuchlich konsumiert werden könnte, hält er für weniger wahrscheinlich, denn es sei mit 1 bis 1,80 Euro pro halbem Liter (je nach Gebinde) vergleichsweise teuer. Lippert verkauft es ausschließlich über den Lichtenfelser Bauernladen am Säumarkt oder direkt von zuhause aus. Er will keinen Verlust mit seiner Braumanufaktur machen - damit erschöpft sich aber auch schon sein Gewinnstreben. Er muss sich gegen niemanden behaupten. "Ich will mich nicht mit Profi-Brauern vergleichen", sagt er, und betont, dass er von denen, bei denen er Rat gesucht hat, sehr freundlich behandelt worden sei. "Die sind begeistert, dass sich Leute für ihr Handwerk interessieren." Diese Hilfsbereitschaft würde er selbst auch zeigen, wenn ihm jemand über die Schulter schauen und das Bierbrauen einmal ausprobieren möchte. Konkurrenzdenken ist ihm da fremd: "Mir ist es lieber, wenn neue Brauereien aufmachen als wenn welche zumachen." Wegen der Vielfalt.