Wie verabschiedet man jemanden, der 16 Jahre lang einen Ort, eine Region, so geprägt hat wie Dekan Johannes Grünwald? Er wird Michelau verlassen und am 1. Dezember die Stelle als Leiter des Personalreferats im Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenamt in München antreten.
Wie fasst man zusammen, was er in dieser Zeit erreicht hat, und wie viel er den Menschen bedeutet? Einen offiziellen Rahmen bot der Abschiedsgottesdienst am Montag in der Johanneskirche in Michelau. Rund 350 Menschen waren gekommen, darunter zahlreiche Pfarrer und Pfarrerinnen aus dem Dekanat, Dekanin Dorothea Richter vom Dekanat Kronach-Ludwigsstadt, der katholische Dekan Michael Schüpferling, und auch Politiker, darunter Bürgermeister Helmut Fischer, der auch den Landrat vertrat, Andreas Hügerich, Bürgermeister von Lichtenfels, sowie Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner.


Musikalische Abschiedsgrüße

Von der Empore aus sendeten der Bezirksposaunenchor, Dekanatskantor Klaus Bormann sowie der Chor Cantica Nova ihre musikalischen Abschiedsgrüße. Einige Kollegen und Wegbegleiter hielten während des Gottesdienstes Ansprachen, darunter Pfarrerin Anne Salzbrenner, stellvertretende Dekanin, Pfarrer Roland Höhr, Pfarrer Heinz Geyer, Pfarrerin Birgit Höhr und Pfarrer Matthias Hain.
Grünwald selbst stieg für seine letzte Predigt als Dekan auf die Kanzel der Michelauer Kirche. Von Dankbarkeit und der Bereitschaft zu geben sprach er zur Gemeinde. Wie auch bei seinen früheren Predigten begegnete er seinen Zuhörern im übertragenen Sinn auf Augenhöhe und ließ auch einen Funken Humor nicht vermissen. Er verwies auf den zweiten Korintherbrief des Apostel Paulus, in dem es heißt: "Gott liebt einen fröhlichen Geber."


Ein glücklicher Geber

Menschen würden eher etwas geben, wenn sie selbst etwas Gutes erfahren hätten. "Wer dankbar ist, spendet gern. Der ist ein glücklicher Geber." Und er wies auch auf die christliche Dankbarkeit hin. Man könne dafür dankbar sein, dass "Gott uns liebt, obwohl wir so sind, wie wir sind." Und er fügte hinzu: "Gott schenkt Liebe ohne Voraussetzung. Das ist der tiefe Grund christlicher Dankbarkeit: Gottes große Liebe."
Regionalbischöfin Dorothea Greiner fand sehr persönliche Worte für Dekan Grünwald und seine Familie. Das Lied "Du meine Seele, singe" mit einem Text des Theologen und Kirchenlieddichters Paul Gerhardt sei sehr passend. "Frömmigkeit gehört zu Deiner Persönlichkeit." Sie machte aber auch auf die Entwicklungen aufmerksam, welche die Gemeinde, das Dekanat und die Diakonie in den letzten 16 Jahren genommen hatten, zum Beispiel das gemeinsame diakonische Werk Kronach-Ludwigstadt-Michelau und die Gesamtverwaltungsstelle. "Das Miteinander von Kirche und Diakonie wird vielerorts beschworen. Hier wird es gelebt." Sie lobte Grünwald und die Mitarbeiter für die "Aufbauleistung" und fügte hinzu: "Du hast gepflanzt. Andere werden und müssen, so hoffen wir, gießen." Viel musste er als Dekan organisieren und managen, doch sollte man vor allem eine Leistung bedenken. Er habe es geschafft, "dem Glauben und der Liebe Raum zu verschaffen".
Gute Wünsche begleiteten ihre Abschiedsrede: "Gottes Fürsorge möge sich an euch erfüllen in der kommenden Lebensphase." Sie richtete ihre Worte nicht nur an Grünwald, sondern auch an seine Familie, insbesondere seine Ehefrau Christiane Betz-Grünwald. Auch sie würde viel zurücklassen, meinte Greiner. Sie habe sich viel in der Kirchengemeinde eingebracht, zum Beispiel in der Kirchenmusik und in der Theatergruppe. "Eine solche Dekansfrau ist ein Traum für die Gemeinde", so Greiner.


Das Amtskreuz übergeben

Nach ihrer Ansprache trat Grünwald zu Greiner für die "Entpflichtungsliturgie" vor den Altar. Als offenkundiges Zeichen dieser Entpflichtung legte Grünwald das Amtskreuz in die Hände der Regionalbischöfin. "So ist das Ablegen des Amtskreuzes ein sichtbarer und symbolischer Akt", sprach sie. Mit Segenswünschen und Gebeten wurde Grünwald aus dem Amt des Dekans entlassen.
Nach dem Abschiedsgottesdienst trafen sich viele noch zum Empfang im Gemeindezentrum und nutzten die Gelegenheit, sich von den "Grünwalds" persönlich zu verabschieden und Geschenke zu überreichen.