Die Fans müssen sich gut 20 Minuten in Geduld üben. Angesichts der langen Schlange vor der Getränkeausgabe noch das kleinere Problem. Dann betreten Christopher Seiler und Bernhard Speer die Bühne der Lichtenfelser Stadthalle. Mit "Ham kummst" hat das österreichische Duo einen Kult-hit geschrieben. Doch bis der zu hören ist, müssen die Fans noch etwas warten.
Seit gut einer Woche sind Seiler und Speer auf Tournee. In Franken durften sich Hof und Lichtenfels auf die beiden Österreicher freuen. Rund 1200 Konzertgäste, zum Teil mit weiter Anreise, sind in die Lichtenfelser Stadthalle gekommen. Kein Vergleich zu den 100 000 Leuten beim Solidaritätskonzert für Asylsuchende auf dem Wiener Heldenplatz im vergangenen Jahr. Ihre Single "Ham kummst" hielt sich wochenlang lang auf Platz 1 der Ö3-Austria- Top-40. Im Januar schwappte der Song schließlich von Österreich auch nach Deutschland über. Er thematisiert das, was viele Männer nur allzu oft von ihren Frauen zu hören bekommen: "Waunst amoi nu so ham kummst, sama gschiedane Leid!" Will heißen, wenn er noch einmal so betrunken nach Hause kommt, lässt die Angetraute sich scheiden. Unter den vielen "normal" gekleideten Besuchern fallen Gabi Salb aus Zapfendorf und ihre beiden Begleiterinnen Nadine Schumann und Sandra Gold besonders auf. Die drei jungen Frauen haben extra für das Konzert ihr Dirndl hervorgeholt. Das Duo Seiler und Speer kannten sie bis dato nur aus den Medien und von der CD. Auf den Liveauftritt freuen sich die drei. Wird es aufgrund des Dialekts Probleme geben, lautet die Frage. "Als Franke versteht man den österreichischen Dialekt schon", sagt Nadine Schumann. "Als Hesse tut man sich da schon schwerer", vermutet Sandra Gold, die aus dem hessischen Steinau zu Besuch am Obermain ist.


Von alltäglichen Geschichten

Im Gepäck haben Seiler und Speer ohne "Ham kummst" 16 Songs, darunter auch einige neue. Wer des Dialekts nicht mächtig ist, tut sich mit dem Verstehen schon etwas schwer. Beim größten Teil des Publikums scheint es sich um echte Fans zu handeln. Viele singen Lieder wie den Auftaktsong "Soits Leben", "Seavas Baba" oder "Setz di her" ohne Probleme mit. Die Texte handeln von ganz alltäglichen Geschichten. In "Seavas Baba" geht es ums Verlassenwerden. "Es is ma wurscht, dass du heite olles aundast siechst und mi verlossen host, weil du jetzt einen anderen liebst", lautet der erste Satz. Am Ende findet auch er eine neue Partnerin, die nicht nur besser kocht, sondern auch zuhören kann. Auf der rechten Seite der Bühne steht eine Würstelbude. Dürfen sich die etwa 1200 Konzertbesucher in der Lichtenfelser Stadthalle noch über einen Snack freuen? "Die Würstelbude gehört halt zum Bühnenbild", erklärt ein Security-Mitarbeiter. Dafür dürfen sich die Fans über Schokoriegel und T-Shirts freuen, die das Duo immer wieder in die Menge schmeißt. Abgesehen von der nicht gerade idealen Akustik überzeugt das Konzert auch durch seine Bühnenshow.
Mal spucken Kanonen Konfetti übers Publikum, dann wieder wabert Nebel über die Bühne. Beim vorletzten Song "Sperrstund is" schießen Feuersäulen empor. Das "Ham- kummst"-Finale muss sich das Publikum "erarbeiten". Schließlich betreten Seiler und Speer noch einmal die Bühne. Während in der Stadthalle ihr Kultgit erklingt, fährt auf dem Parkplatz ihr schwarzer Tour-bus vor.