Von außen wirkt der Balken stabil, doch der Eindruck täuscht. Johannes Dauer klopft mit der Faust gegen das mittelbraune Holz. Es klingt hohl. "Der Balken fault von innen", erklärt der Vorsitzende des Kapellenerhaltungsvereins Sankt Katharina zu Wallersberg. Im Mai 2010 gründeten er und 24 Mitstreiter einen Verein, um die Restaurierung der einstigen Wallfahrtskapelle voranzutreiben. Seitdem ist nicht viel passiert.
Die im 14. Jahrhundert gebaute Kapelle Sankt Katharina gehört der Stadt Weismain, deshalb hatten die Wallersberger Bürgermeister Udo Dauer (CSU) um Hilfe bei der Sanierung gebeten. Dieser schlug die Gründung eines Kapellenerhaltungsvereins vor, um das jahrelange ehrenamtliche Engagement der rund 50 Einwohner auf rechtlich sichere Füße zu stellen. "Als Verein können wir leichter Zuschüsse beantragen und auch mal Spendenquittungen ausstellen", erklärt Johannes Dauer.

Wer sich dem Bau von Weitem nähert, sieht eine weiß verputzte Fassade, rot umrandete Fenster und ein dunkelgraues Schieferdach. Sanierungsbedürftig wirkt das kleine Gotteshaus erst beim Blick aus wenigen Metern Entfernung. Das Mauerwerk ist fleckig von Feuchtigkeit, an einigen Stellen wächst Moos, auf dem Dach fehlen etliche Schieferplatten. Dauer bückt sich nach einer Platte, die von einer Windböe ins Gras gepustet wurde. "Mittlerweile brauchst du ein Gerüst, wenn du da hoch willst. So baufällig ist alles", hat er vorher im beheizten Esszimmer berichtet.

2010 hatten sich die Schreinerei Schneider und der städtische Bauhof bereits um eine Notsicherung des Dachs gekümmert, aber die losen Schieferplatten bleiben ein Problem.

Putz löst sich ab


Weil die Wände auch innen feucht sind, löst sich an manchen Stellen auf Höhe der Kirchenbänke der Putz. Die Fenster haben genauso wie das Dach eine Reparatur nötig: Das Glas ist teilweise brüchig, der Kitt manchmal überhaupt nicht mehr vorhanden. Auch hier staut sich die Nässe, sichtbar an den kleinen Wassertropfen auf den Scheiben und dem Moos im angrenzenden Mauerwerk.

Der Deckentragbalken ist im hinteren Bereich der Empore bereits hohl, wie ein Klopftest beweist. Dauers größte Sorge ist jedoch die mächtige Linde in unmittelbarer Nachbarschaft, deren beiden größten Äste notdürftig durch ein Stahlseil miteinander verbunden sind. "Wenn die umfällt, weil zum Beispiel der Blitz einschlägt, kannst du den Bagger bestellen, der die Trümmer der Kapelle beseitigt", sagt Dauer.

Die Naturschutzbehörde war bereits vor Ort, lehnt aber ein Fällen des Baums ab. Die Linde steht unter Naturschutz. Daran wird Dauer nichts ändern können, aber er hofft, dass es nach einer offiziellen Bestandsaufnahme der Schäden endlich vorwärts geht mit der Restaurierung der Kapelle. "Wir können keine Zuschüsse beantragen, wenn wir nicht wissen, was die Sanierung kosten würde."

200 000 Euro für die Fassade


200 000 Euro, so eine grobe Schätzung, wären allein für die Reparatur von Außenfassade, Dach und Fenstern nötig. Eine genaue Bestandsaufnahme gab es bisher nicht, weil dafür das Geld fehlt. 6000 Euro liegen derzeit in der Vereinskasse. Dauer setzt deshalb auf eine baldige Kooperation mit der Universität Bamberg, die sich die Kapelle als Studienobjekt vornehmen und die Höhe der Sanierungskosten errechnen könnte. "2010 war das mal angedacht, seitdem haben wir aber nichts mehr gehört."

Von der Stadt erwartet der Vereinschef momentan keine finanzielle Unterstützung. "Die haben doch auch kein Geld", winkt er ab. Und vom Erzbistum Bamberg kann er diese Unterstützung nicht erwarten, weil die Kapelle nicht im kirchlichen Besitz ist. "Andererseits sieht es die Kirche aber auch gern, dass wir dort Gottesdienste abhalten", meint Dauer. Dreimal im Jahr wird die Kapelle für kirchliche Zwecke genutzt: beim Bittgang im Mai, zur Kirchweih am zweiten Sonntag im Oktober und am Patronatsfest, 25. November. Dazwischen finden in Sankt Katharina diverse Rosenkranzfeiern statt. Und auch heiraten kann man in dem alten Gemäuer, wie es 2010 ein junges Paar gemacht hat.

Warum liegt Dauer die Kapelle eigentlich so am Herzen? "Das ist halt unsere Heimat hier", sagt er. Der 51-Jährige ist in Wallersberg groß geworden, das kleine Gebäude auf dem Hügel gehört für ihn zum Ortsbild. Außerdem findet er, dass der Platz um Sankt Katharina eine ganz besondere Ausstrahlung hat: "Das ist ein Platz zum Erholen. Ich laufe selber gern hierher, setze mich aufs Bänkchen und genieße die Aussicht."
Damit ist er nicht der Einzige. Dauer berichtet von einer Kulmbacherin, die regelmäßig den Weg nach Wallersberg auf sich nimmt, nur um von Sankt Katharina aus über die Felder zu schauen.

Von Verena Lutter