Bei der Einfahrt in ein Parkhaus ist Vorsicht geboten. Enge Kurven, Einbahnstraßen und die ständige Suche nach der einen freien Lücke verlangen hohe Konzentration. Im Lichtenfelser Klinik-Parkhaus aber soll es für Besucher und Mitarbeiter noch mehr Herausforderungen geben: rutschige Oberflächen und Wasserpfützen.

"Wir erhielten den Vorschlag, Hinweisschilder anzubringen und auf eine mögliche Rutschgefahr hinzuweisen, welchen wir selbstverständlich umgehend umgesetzt haben", sagt Eva Jungkunst auf unsere Anfrage. Die Klinikdirektorin bestätigt damit indirekt, dass die Unterstellfläche für 340 Fahrzeuge unter Besuchern und Mitarbeitern des Helmut-G.-Walther-Klinikums ein Diskussionsthema ist.


Das Wasser sammelt sich

Die Redaktion hat sich diese Woche im Parkhaus umgesehen und dabei einen regnerischen und grauen Tag erwischt. Einen starken Regenfall gab es in der Zeit jedoch nicht.

Was auffällt: Sowohl auf den beiden obersten, unüberdachten Partkdecks als auch auf den Bodenflächen einiger überdachter Etagen sammelt sich das Wasser. Wo Autos durchfahren, hat es sich bereits zu einer glitschigen Brühe verwandelt. Eine Abwasserrinne oder ein anderes Abflusssystem fällt dem Laien jedoch nicht ins Auge. Ob es unter diesen Gegebenheiten bei Frost rutschig werden und die Unfallgefahr steigen könnte, kann an diesem Tag nicht überprüft werden. Dazu ist es zu warm. Vorstellbar ist das aber durchaus.

"Uns ist keine überdurchschnittliche Unfallhäufung im Parkhaus bekannt", sagt Jürgen Kremer von der Lichtenfelser Polizei. Er schränkt aber ein: Kleinunfälle fänden zwar Eingang in die allgemeinen Unfallzahlen, seien aber nicht einzeln statistisch zu lokalisieren.

Dennoch stellt sich die Frage: Sind rutschige Oberflächen und überflutete Stellen in dem erst gut zwei Jahre alten Parkhaus ein nicht zu vermeidendes Übel der kalten Jahreszeit oder besteht Verbesserungsbedarf? "Landrat Christian Meißner hat um Prüfung gebeten, ob in Sachen Belag alles in Ordnung sei", sagt Andreas Grosch, Pressesprecher des Landratsamtes. Für Bau und Betrieb des 2013 eingeweihten Parkhauses ist zwar die Helmut-G.-Walther-Klinikum GmbH zuständig, der Landkreis Lichtenfels hat sich jedoch am Neubau mit knapp 2,4 Millionen Euro beteiligt. 1,13 Millionen flossen als Zuschuss, 1,26 Millionen als Darlehen.


Vorgabe des Kreistags

Außerdem hat der Kreistag einst über die Vergabe des Auftrages an ein Ingenieurbüro entschieden. "Der Boden sollte möglichst kaum rutschig sein", erinnert sich Grosch an die Vergabebedingungen im Zuge des insgesamt 4,13 Millionen Euro teuren Parkhauses.

Dessen Betreiber sind die "regiomed-Kliniken", der kommunale Zusammenschluss der Krankenhäuser Coburg, Lichtenfels, Sonneberg und Hildburghausen. Klinikleiterin Eva Jungkunst teilt die Vorwürfe nicht. Sie sagt: "Der Bodenbelag entspricht in allen Bereichen den gesetzlichen Bestimmungen und ist speziell für Parkhausflächen mit erhöhter Rutschgefahr ausgelegt und zertifiziert." Außerdem werde im Parkhaus selbstverständlich regelmäßig und im witterungsbedingten Umfang durch den Winterdienst für die notwendige Verkehrssicherheit gesorgt.

Unsere Frage, wie das Abflusssystem des Parkhauses funktioniere und warum auch auf den überdachten Ebenen das Wasser stehe, beantwortete "regiomed" folgendermaßen: "Eine Parkebene besteht aus zwei Halbebenen, einer größeren und einer kleineren. Die größere ist so konstruiert, dass eine Neigung zur Mitte besteht; die kleineren neigen sich zur Stützwandseite."