Mittwoch, 22. Juni, gegen 19 Uhr: Wie aus dem Nichts taucht über Unterbrunn eine riesige Gewitterwolke auf. Durch den starken Wind peitscht der Regen schon fast waagrecht über die Flächen. Keller laufen voll Wasser, und die Regentonnen quellen über. Nach zehn Minuten ist der Spuk wieder vorbei. Doch was der Sturm in so kurzer Zeit angerichtet hat, ist unfassbar.

Zerstörung im Wald

Zwischen Unter- und Oberbrunn führt ein schmaler, holpriger Feldweg in den Wald hinein. Dort hat der Sturm vor fast zwei Wochen viel Chaos hinterlassen: Bereits auf dem Feldweg sieht es wüst aus. Kleine Äste und Blätter liegen herum. Links und rechts vom Feldweg hat der Sturm große Bäume wie Streichhölzer einfach umgeworfen.

Waldbesitzer Theodor Böhmer aus Unterbrunn zeigt Iris Götting-Henneberg, Geschäftsführerin der Waldbesitzervereinigung Lichtenfels-Staffelstein (WBV), sowie Oliver Kröner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten seinen zerstörten Wald.

Insgesamt besitzt der Rentner drei Hektar Wald. Verteilt auf sechs Flächen. Allein von Böhmers Wald ist ein Hektar dem Sturm zum Opfer gefallen. Genaue Zahlen gibt es noch keine. "Der Gesamtüberblick fehlt noch", sagt die Geschäftsführerin der WBV.

Das Wichtigste ist laut Bereichsleiter Kröner, dass schnell gehandelt wird. "Holz ist ein wichtiger Rohstoff, das muss schnell aufgearbeitet werden." Sonst drohe eine Holzentwertung beispielsweise durch den Befall von Pilzen. Bei der Aufarbeitung ist Vorsicht geboten. "Am besten lässt man das von Profis machen", warnt Iris Götting-Henneberg. Die Waldarbeit sei so schon eine gefährliche und unfallträchtige Arbeit. Durch den Sturm ist noch mehr Achtsamkeit gefragt. Das Holz kann aufplatzen oder lose Äste auf einmal herunter fallen. "Das ist nichts für einen Mann mit Motorsäge", sagt Kröner. Die beiden Experten empfehlen dafür einen Harvester, einen Holzvollernter - für kleine Waldbesitzer jedoch kaum finanzierbar. Doch über die Waldbesitzervereinigung können sich mehrere Leute zusammenschließen und einen Harvester mieten. "Wir können das nur empfehlen. Jeder muss selbst entscheiden, was er machen will", sagt Götting-Henneberg. Die Arbeit sollte jedoch auf gar keinen Fall unterschätzt werden.

Paradies für Borkenkäfer

In das Waldstück von Theodor Böhmer hinein zu kommen, kommt einer Klettertour nahe. Über abgebrochene Fichten und Baumkronen geht es immer weiter in den Wald. Bei der aktuellen Wetterlage könnten die auf dem Boden liegenden Bäume zu einem weiteren Problem werden. "Die Fichten haben Wasser-Stress, und das spielt dem Borkenkäfer in die Hand", erklärt Kröner. Die Bäume, die durch den Sturm umgefallen sind, haben kein Wasser mehr zur Verfügung und können deswegen kein Harz mehr bilden, um die Borkenkäfer abzuwehren. "Das ist ein Schlaraffenland für die Käfer", meint Kröner. Die Borkenkäfer legen ihre Brut in die umgefallenen Bäume. Durch die guten Bedingungen - Wärme und Trockenheit - könnte es zu einer Borkenkäfer-Massenvermehrung kommen. "In sechs bis zehn Wochen sollte das Holz aufgearbeitet sein", rät der Bereichsleiter. Den Zeitdruck bei den Aufräumarbeiten im Hinterkopf zu haben, ist kein angenehmes Gefühl, weiß Böhmer. Doch es hilft nichts, es muss etwas gemacht werden.

Die Waldbesitzer seien aufgeschlossen, meint Iris Götting-Henneberg. Sie hat am Samstag gemeinsam mit Förster Hermann Hacker und 15 Waldbesitzern eine Informationsveranstaltung im Wald gemacht, um die Leute wach zu rütteln. "Jetzt bespreche ich mit jedem, was gemacht werden soll und mache Termine aus", sagt sie.
Mit dem Entfernen der beschädigten Bäume ist jedoch noch nicht alles getan: Nach dem Waldgesetz für Bayern muss das, was Wald ist, Wald bleiben. "Jeder Besitzer hat eine Wiederaufforstungs-Verpflichtung", erklärt Oliver Kröner. Drei Jahre haben die Besitzer für die Neubepflanzung Zeit. "Für eine Eiche bekommen sie 1,10 Euro pro Pflanze Förderung vom Staat. Das deckt zumindest den Kauf und die Zeit für das Pflanzen", meint Kröner. Doch bis die Pflanzen wieder zu starken Bäumen werden und den Waldbesitzern wieder als Einnahmequelle dienen, vergeht viel Zeit.