Carolin Bäz-Dölle singt laut. Das hat im Schulchor für Verdruss gesorgt, weil sie sich nicht so richtig anpassen konnte. Sopran war ihr zu hoch, Alt zu tief. Zwei Jahre Gesangsunterricht an der Musikschule haben ihr dann aufgezeigt, was sie mit ihrer Stimme machen kann. "Aber mit dem klassischen Singen konnte ich nicht viel anfangen", erzählt sie. "Ich wollte Rock 'n' Roll!" Mit der Idee, als Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern zwei Lieder auf Kassette aufzunehmen, suchte sie als Teenie den Kontakt zu einer Band daheim in Thüringen. Das Aufnahmegerät durfte sie ausleihen.

Die vor der Rückgabe nicht gelöschten Lieder darauf gefielen aber nicht nur den Eltern. Die Band kam auf Carolin zu und bot ihr die Möglichkeit zu Gastauftritten an. Mit drei Liedern am Abend fing es an, es kamen Anfragen weiterer Bands, und schließlich auch größere Auftritte. Mit 16 meldete sich das Mädchen aus Lauscha für die Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" an. Es suchte sich ein schweres Lied aus, "Show Me Heaven" von Maria McKee. Aber schon nach dem Vorsingen war Schluss.

Chefjuror Dieter Bohlen, bekannt dafür, Dinge sehr direkt anzusprechen, sagte, sie solle wiederkommen, wenn sie erwachsen und reifer geworden ist. "Damals hab' ich geheult", erzählt Carolin heute.


Wiedersehen nach elf Jahren

Inzwischen gab es für sie ein Wiedersehen mit Dieter Bohlen und drei neuen Juroren, denn die junge Frau hat es wahrgemacht und sich nach elf Jahren noch einmal beworben. Mit dem selben Lied wie damals ist sie angetreten und hat es prompt eine Runde weiter geschafft, in den "Recall". "Vom Entlein zum Schwan" titelte man daraufhin beim Sender RTL. Denn Carolin hatte auch erzählt, dass sie in den vergangenen Jahren 30 Kilo abgenommen hat. Auch sonst hatte sich in ihrem Leben einiges verändert seither. "Nach dem Abi wollte ich zur Polizei gehen", berichtet sie im Gespräch. Beim Einstellungstest erfuhr sie, dass sie zwei Zentimeter zu klein ist. Sie begann in Jena ein Studium - Theologie, weil der Glaube ihr sehr wichtig ist - und merkte nach wenigen Semestern, dass ihr Traumberuf eher ein anderer war: Zur Finanzierung des Studiums jobbte sie als Hilfskraft in der Uniklinik. Daraus entstand der Wunsch, Krankenschwester zu werden. Am Obermain fand sie einen Ausbildungsplatz und - als eine der Besten des Jahrgangs - gleich eine Anstellung. Die Arbeit gefalle ihr sehr, betont die 27-Jährige. Sie fühle sich sehr wohl in einem tollen Team und sei froh, dass ihr Arbeitgeber ihr es ermöglicht hat, bei DSDS ihre zweite Chance zu nutzen.

Schon vor zwei, drei Jahren habe sie es wieder versuchen wollen, aber ihr damaliger Lebenspartner mochte das nicht. "Das habe ich respektiert", sagt Carolin. In einer Beziehung müsse man so etwas zusammen entscheiden. Umso mehr freut es sie, dass ihr jetziger Freund sich mit ihr freuen kann. "Vielleicht hätte es damals gar nicht funktioniert, vielleicht sollte es genau jetzt sein. Ich denke, alles hat seinen Sinn."


Anhaltend aufgeregt

Beim Singen vor der Jury erlebte es Carolin zum ersten Mal, dass sich nach dem Lampenfieber keine Beruhigung einstellte. Ansonsten mache es ihr überhaupt nichts aus, auf der Bühne zu stehen - auch wenn es künftig mehr Zuschauer sein könnten, als die paar Tausend, vor denen sie mit den Coverbands aufgetreten war. Es mache ihr auch nichts aus, sagt sie, dass die Sprüche, vor allem Dieter Bohlens, Teil des Konzeptes sind, dass es nicht allein um Talentsuche, sondern vor allem um Unterhaltung und Quote geht. "Es macht mir Spaß, weil ich trotzdem sein kann, wie ich bin, sonst wär' ich nicht dabei."

Bohlen, den findet sie im übrigen sehr sympathisch. "Der kommt hinter der Bühne mal vorbei, gibt einem die Hand, lacht mit einem. Der ist total menschlich, authentisch."

Sich nicht zu verstellen, das ist ihr selbst wichtig. Dann entstehe auch kein Druck und man bleibe gelassener. Sie beschreibt sich als jemanden, der viel lacht und weint, viel Humor hat und "scho aweng bekloppt" ist.

Sie wisse, dass Freundinnen hinter ihr stehen, egal, was vielleicht irgendwo mal geschrieben wird. Und sie wünsche sich, dass die Leute nicht nur gut finden, wie sie singt, sondern dass ihnen auch die Person Carolin Bäz-Dölle gefällt, "dass sie mich und meine bescheuerte Art lieben werden", wie sie es formuliert.

Superstar ist ein großes Wort. Keinen der Gewinner der bisherigen Staffeln würde man im allgemeinen Sprachgebrauch in diese Kategorie einordnen. Der erste, Alexander Klaws, ist immerhin erfolgreicher Musical-Darsteller, hat Millionen Platten verkauft und lebt von seinem Talent. Carolin gibt zu bedenken, dass auch einige Teilnehmer, die nicht gewonnen haben, noch im Music-Business tätig sind und sich einen Namen gemacht haben: Menderes, Wincent Weiss, Daniel Küblböck, Annemarie Eilfeld oder Philippe Bühler. Pläne, wie weit sie selbst kommen könnte und was dann wäre, schmiedet sie keine: "Ich lasse alles auf mich zukommen."

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