Eine Theatergruppe im deutschsprachigen Ostbelgien orderte sein Werk "Der falsche Herr Doktor", die "Undähaadä Theaterfreunde" aus Unterhaid bei Bamberg ließen sich den Einakter "Die unfreiwillige Eingemeindung" auf den Leib schneidern, und Wolfgang Binder übersetzte eine Komödie ins Niederdeutsche: "Ein Gastwirt auf Abwegen" heißt bei ihm "Een Kröger op Afweeg".

Für den Burgkunstadter ist damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen: "In meiner Phantasie habe ich Figuren erschaffen, die sich jetzt lebendig vor meinen Augen bewegen. Das ist das Höchste der Gefühle für einen Theaterautor." In Burgkunstadt werden die Protagonisten aus Gunzelmanns Stück "Der merkwürdige Graf" ebenfalls zu Leben erweckt. Derzeit wird eifrig geprobt. Ab dem 29. Dezember verwandelt sich der Saal München der Regens-Wagner-Einrichtung an sechs Tagen in das Gasthaus "Mainufer", in dem geheimnisvolle Pläne geschmiedet werden und der unsterbliche Graf von Saint Germain, der angeblich Gold herstellen kann, sein Unwesen treibt.

Für Kurzweil sorgen

Der Burgkunstadter Autor hat dazu die Theatergruppe "Die Zeitbeschleuniger" ins Leben gerufen. "Wir wollen auf angenehme Art und Weise die Zeit der Leute beschleunigen. Aber auch unsere Zeit wird beschleunigt: Beim leidenschaftlichen Proben und Spielen auf der Bühne vergeht die Zeit wie im Flug", umreißt Gunzelmann das Ziel der Theatergruppe. Dass seine Werke nicht zu Karteileichen wurden, erfüllt den 52-jährigen mit Stolz. "Dass ich jetzt die Früchte meiner Arbeit ernte, empfinde ich als Bestätigung meines literarischen Könnens."

Gunzelmann ist nicht nur ein Vielschreiber - 13 Stücke sind seit 2011 entstanden -, sondern auch ein Hansdampf in allen Gassen: Bei der Komödie "Der merkwürdige Graf" ist er Autor, Regisseur, Schauspieler und Bühnenbauer in einem.

Wie bringt man Schauspielerei und Regiearbeit unter einen Hut? Gunzelmann räumt ein, dass das bei 147 Sprecheinsätzen nicht gerade einfach sei. Bei einer solchen Konstellation brauche man ein Team, das untereinander gut funktioniert. Der Burgkunstadter schaltete Zeitungsinserate, fragte Arbeitskollegen, und Mundpropaganda tat ihr Übriges. Mit Erfolg: Zusammen mit zehn Schauspielern und zwei Souffleusen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren gründete er die "Zeitbeschleuniger". Für die Mehrzahl unter ihnen war die Schauspielerei ein Sprung ins kalte Wasser.

"Vor jeder Probe habe ich eiskalte Hände", bekennt Yvonne Slezak aus Redwitz. Inzwischen sind alle mit Feuereifer dabei. "In andere Rollen zu schlüpfen, Abstand vom Alltag zu nehmen, mal auszuprobieren, wie es sich anfühlt, anders zu sein als sonst - all diese Aspekte machen den Reiz des Theaterspielens für mich aus", erklärt Daniela Weidmann aus Mainleus. Liane Schilling aus Ebersdorf bei Coburg findet es toll, mit dem Verfasser des Stückes höchstpersönlich auf einer Bühne stehen zu dürfen. "Da strengt man sich erst recht an."

Als erstes Stück für seine Theatergruppe wählte Gunzelmann die Komödie "Der merkwürdige Graf" aus. Und das ganz bewusst: "Die witzige Geschichte ist auch für die Heimbewohner von Regens Wagner leicht nachzuvollziehen." Es geht darin um die Tatsache, dass immer mehr Menschen sich über das Internet einen Partner suchen und sich dabei ganz schön verstellen. Zudem ist der merkwürdige Graf in dem Stück einer historischen Persönlichkeit nachempfunden. Auf diesem Gebiet kennt sich der Kulmbacher Schauspieler Manfred Ramming aus: "Es handelt sich um den Grafen von Saint Germain, der sich 1774 am Hofe des Kulmbacher Markgrafen Karl-Alexander aufgehalten hat, mit dem er in dessen mittelfränkischen Schloss Triesdorf mit Farbstoffen experimentierte." Obgleich am 27. Februar 1784 in Eckernförde gestorben, rankt sich die Legende der Unsterblichkeit um den mysteriösen Grafen.

In Gunzelmanns Geschichte, die im 21. Jahrhundert spielt, spukt er ebenfalls herum und sorgt dabei für allerhand komische Verwicklungen.

Zum Inhalt des Dreiakters: Das Geschäft im Gasthof "Mainufer" läuft schlecht. Gastwirt Hugo sucht nach einer Lösung. Im Dorf Zapfenroth wird ein seltsam gekleideter Herr gesehen. Sofort macht das Gerücht die Runde, dass es sich um den "unsterblichen" Grafen von Saint Germain handelt. Er soll die Fähigkeit besitzen, Gold herzustellen. Diese Chance weiß Hugo für sich zu nutzen. Sein Schwager Willibald soll sich wie der vor 300 Jahren geborene Graf verkleiden. Als dann ein wirklicher Graf das Gasthaus betritt, scheint alles total aus dem Ruder zu laufen...


Mehr über den Autor und die Aufführungen:

Rollen Totengräber Hans (Albert Spörlein/Bojendorf), Gastwirt Hugo (Wolfgang Gunzelmann/Burgkunstadt), Gisela, Hugos Ehefrau (Christine Kunzelmann/Bojendorf), Willibald, Bruder von Gisela (Manfred Ramming/Kulmbach), Graf Imbusch von Sansibar (Ussene Impuchei/Altenkunstadt), Hertha, Cousine von Gisela (Maria Spörlein/Bojendorf), Marie, Gast auf Partnersuche (Liane Schilling/Ebersdorf), Kellnerin Ingrid (Veronika Sudas/Burgkunstadt sowie Yvonne Slezak/Redwitz), Journalistin (Anita Deckardt/Altenkunstadt sowie Daniela Weidmann/Mainleus) verkörpert wird

Souffleure Marion Schwarz/Burgkunstadt und Ingo Slezak/Redwitz

Bühnenbau Manfred Ramming, Ingo Slezak, Albert Spörlein und Wolfgang Gunzelmann
Regie Wolfgang Gunzelmann

Termine Sonntag, 29. Dezember, 15 Uhr (öffentliche Generalprobe für 25 Zuschauer); Sonntag, 5. Januar, 14 Uhr (kostenlose Vorstellung für die Heimbewohner); Samstag, 11. Januar, 20 Uhr (Premiere); Sonntag, 12. Januar, 18.30 Uhr; Samstag, 18. Januar, 20 Uhr; Sonntag, 19. Januar, 18.30 Uhr

Aufführungsort Saal München von "Regens Wagner" in Burgkunstadt

Eintrittspreise Sechs Euro, reduziert für Schwerbehinderte sowie für Mitarbeiter von Regens Wagner vier Euro; öffentliche Generalprobe 1,50 Euro

Vorverkauf Ab 10. Dezember bei "Farben Beck" Burgkunstadt und Postagentur "Steckenpferd", Missionstraße, Altenkunstadt

Weitere Werke Theaterstücke: "Bei Anruf Ärger", "Das Vorstellungsgespräch", "Den Stempel aufgedrückt", "Ein Gastwirt auf Abwegen", "Irrfahrt in die Hölle", "Onkel Theodor aus Ecuador", "Spuk im Burgmuseum", "Der Zeitbeschleuniger". In Reimform: "Onkel Theodor aus Ecuador" und "Der Geist im Sektkeller". "Der falsche Herr Doktor" wird am 21., 22. und 26. Dezember in Belgien aufgeführt. Wolfgang Gunzelmann will einer Vorstellung dort beiwohnen. Nähere Infos dazu erteilt er unter Tel. 09572/2183.