Frau Zeulner, Sie sind eine Newcomerin als Bundestagskandidatin. Aber Sie haben schon kommunalpolitische Erfahrung...
Emmi Zeulner: Seit 2008 bin ich in Lichtenfels als Stadträtin und Kreisrätin politisch aktiv.

Karl-Theodor zu Guttenberg war für die CSU eine "Bank". Er hat zuletzt 68,1 Prozent erreicht. Daraus erwächst für Sie jetzt schon ein Anspruch, den Sie erfüllen müssen, oder?
Karl-Theodor zu Guttenberg war eine Ausnahmeerscheinung. Er war Minister, dadurch überall in den Medien präsent und hat eine ganz andere Popularität genossen, die über Jahre hinweg gewachsen ist. Solch ein Vertrauen muss ich mir natürlich noch erwerben - und das ist eine große Herausforderung. Deshalb arbeite ich hart, bin viel unterwegs - und ich gehe aktiv auf die Menschen zu. Ich sehe es nicht als von Gott gegeben, dass die CSU in dem Wahlkreis immer ein Top-Ergebnis einfährt.

Ihr Wahlkreis ist sehr groß. Wie kann es ein Abgeordneter schaffen, dauerhaft in der Fläche präsent zu sein?
Es kommt darauf an, die Wege kurz zu halten und auf vielen Kanälen ansprechbar zu sein: Funktionierende Bürgerbüros, der schnelle Kontakt über die neuen Medien, ein gut organisierter Terminkalender und die regelmäßige Präsenz bei Veranstaltungen. Ich sehe mich als Ansprechpartner für alle und überall dort, wo ich als zukünftige Abgeordnete gebraucht werde. Es ist mir auch wichtig, möglichst alle Schwellen für den offenen und ehrlichen Austausch mit den Menschen vor Ort abzubauen.

Auf welche Themen setzen Sie als Kandidatin?
Der Bereich der Pflege gehört zu meinen Schwerpunkten. Hier möchte ich auch, sollte es am 22. September klappen, im Gesundheitsausschuss des Bundestags mitarbeiten. Das sind zwar nicht die großen populären Themen, aber trotzdem sehr relevante für unsere Region. Der Pflegemangel ist bereits jetzt bekannt und wird sich weiter verschärfen - da brauchen wir Antworten und Konzepte. Beispielsweise könnte der Bund als Impulsgeber für ein Sozialpraktikum für Schüler auftreten. Auch die ärztliche Versorgung auf dem Land liegt mir besonders am Herzen. Der Ärztemangel im ländlichen Bereich kann nur gelöst werden, wenn wir mehr Medizin-Studienplätze für diejenigen zur Verfügung stellen, die auch bereit sind, aufs Land zu gehen. Der Numerus Clausus darf hier nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ein Ansatzpunkt wäre auch, talentierte, heimatverbundene Fachkräfte aus den Berufsgruppen Krankenpflege und Rettungsdienst für einen erweiterten Bildungsweg in Richtung Medizin zu motivieren. Ich bin Oberfränkin durch und durch - deshalb werde ich alles daran setzen, dass unsere Heimat nicht hinten runterfällt, sondern eine vielversprechende Zukunft hat.

Im Jahr2012 mussten 24 Firmen im Landkreis Lichtenfels Insolvenz anmelden. Was können Sie tun, um den Wirtschaftsstandort Lichtenfels zu stärken?
Jede Insolvenz ist eine zu viel und versteht sich gleichzeitig als Auftrag an alle politischen Ebenen, die Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen noch besser zu gestalten. Der Landkreis Lichtenfels verfügt auf wirtschaftlicher Ebene über eine hervorragende Basis. Dies zeigt sich nicht nur an der geringen Arbeitslosigkeit von unter 5 Prozent, sondern auch an der Vielfalt und an dem Erfolg der ansässigen Firmen in den Bereichen Handwerk, Industrie, Handel und Dienstleistung. Um die vorhandenen Arbeitsplätze zu sichern und neue Firmen für unsere Region zu begeistern müssen verschiedene Komponenten zusammenwirken: Eine leistungsfähige Infrastruktur, schnelles Internet, eine ausreichende Anzahl von Facharbeitskräften sowie schnelle Genehmigungsverfahren und zielgerichtete Fördermaßnahmen. Aus diesem Grund will ich mich als Bundestagsabgeordnete diesen Themen verstärkt annehmen. Dazu gehören der Einsatz für mehr finanzielle Mittel für Straßen- und Schienenbau inklusive dem ICE-Halt in Lichtenfels und eine erweiterte Unterstützung des Bundes für eine Flächendeckung beim Breitbandinternet. Auch neue Bildungseinrichtungen für den Landkreis Lichtenfels, zum Beispiel im Bereich Gesundheit und eine erweitere Vernetzung von Schule, Hochschule und Wirtschaft will ich zusammen mit den Akteuren vor Ort realisieren.

Im Oktober 2012 wurde mit dem Neubau des Klinikums Lichtenfels begonnen. Die geplanten Gesamtkosten betragen über 114 Millionen Euro. Ist das eine notwendige Investition oder ein Millionengrab für Steuergelder?
Der Neubau des Klinikums ist sogar in mehrfacher Hinsicht eine notwendige und zukunftsträchtige Investition. Zu einem wird dadurch der Gesundheitsstandort Lichtenfels nachhaltig gestärkt. Im Zusammenspiel mit den weiteren Einrichtungen in diesem Bereich haben die Menschen bei uns somit eine Gesundheitsversorgung auf höchstem Niveau die ihresgleichen sucht. Zum anderen ist unser Klinikum ein enorm wichtiger Arbeitgeber, dessen Bedeutung durch den Neubau weiter zunehmen wird. Hochqualifizierte Ausbildungs- und Arbeitsplätze werden gesichert und kommen neu hinzu. Als Kreisrätin und auch als gelernte Krankenschwester habe ich dem Vorhaben aus voller Überzeugung zugestimmt. Die Maßnahme wurde durchdacht finanziert und birgt kein Schuldenrisiko für die kommenden Generationen. Es entsteht das modernste und ökologischste Krankenhaus in ganz Bayern. Durch die Baumaßnahme selbst fließen über 80 Millionen an Fördergeldern vom Freistaat Bayern in unseren Landkreis. Viele Firmen aus der Region partizipieren und profitieren dadurch. Auch damit werden Arbeitsplätze gesichert. Insgesamt wird der Neubau des Klinikum ein Aushängeschild mit großer Strahlkraft für den Lebens- und Wirtschafts- und Gesundheitsstandort Lichtenfels sein.

Seit Jahrzehnten wird ein Ausbau der B 173 zwischen Lichtenfels und Kronach gefordert. Bund Naturschutz und Bürger von Trieb und Hochstadt sind gegen die Trassenvariante Süd. Wie stehen Sie dazu?
Es ist sehr bedauerlich, dass sich der Ausbau der B 173 zwischen Lichtenfels und Kronach schon über so eine lange Zeit hinzieht, ohne dass eine tragbare Lösung für alle Beteiligten umgesetzt werden konnte. Aber auch die aktuelle Diskussion um die Trassenvariante Süd zeigt, dass es sich extrem problematisch gestaltet, die Umsetzung einer leistungsfähigen vierspurigen Umgehung mit dem Schutz der anliegenden Bevölkerung und der Maßgabe eines nachhaltigen Flächenverbrauchs unter einen Hut zu bringen. Fakt ist aber: Die Bürgerinnen und Bürger von Trieb und Hochstadt brauchen wegen des hohen Verkehrsaufkommens eine Entlastung. Sollte die aktuelle Variante wieder durch ein oder mehrere Gerichtsverfahren gestoppt werden, könnte es sehr schwierig werden, in Zukunft überhaupt noch eine Umgehung von Trieb und Hochstadt zu realisieren.

Wie sieht Ihr Rezept gegen den demographischen Wandel im Landkreis Lichtenfels aus?
Wir sollten dem demographischen Wandel mit einer Doppelstrategie begegnen. Dazu gehören vor allem beste Rahmenbedingungen für eine dynamische Wirtschaft, die jungen Menschen eine Perspektive im Landkreis Lichtenfels nach der Ausbildung gibt. Denn entscheidend für die Wohnortsuche ist in den meisten Fällen der Arbeitsplatz. Ebenso zählt ein familienfreundliches Klima in den einzelnen Kommunen dazu - mit günstigem Wohnraum, guten Betreuungseinrichtungen und breit angelegten Bildungsmöglichkeiten. Auch ein offenes und vielfältiges kulturelles Angebot sowie die Bindung zur Heimat durch Vereine und Verbände spielen eine große Rolle. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der demographische Wandel bei uns zu einem gewissen Grad bemerkbar sein wird und wir auch auf die neue Situation reagieren müssen. Hierzu zählen besonders die Aufrechterhaltung der ärztlichen Versorgung auf dem Land, ein flexibler ÖPNV, die Bereitstellung von altersgerechter Wohnraum und die Umsetzung von Projekten, die alle Generationen miteinander verbinden.

Die Landwirte - auch im Landkreis Lichtenfels - sind in keiner einfachen Situation. Vorschriften und Ansprüche, sinkende Preise für Lebensmittel und der demographische Wandel setzt ihnen zu. Sehen Sie Ansätze, ihnen zu helfen?
Eine funktionierende Landwirtschaft hat eine enorm hohe Bedeutung für unseren ländlichen Raum. Jeder siebte Arbeitsplatz hängt davon ab. Deshalb habe ich auch im Wahlkampf extra eine "Schwerpunktwoche Landwirtschaft" veranstaltet und Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner eingeladen. Ich habe mir die Höfe angeschaut und vor allem den bäuerlichen Familien zugehört. Alle politischen Ebenen müssen gemeinsam handeln und alles daran setzen, dass der Beruf des Landwirts auch für die junge Generation attraktiv bleibt. Es gibt viele Themen anzupacken - von den Ausgleichszahlungen über der Bewahrung der Vielfalt bis hin zum Erbrecht und der Sensibilisierung der Bevölkerung gegenüber einer fairen Preisgestaltung. Zudem geht es auch um Planungssicherheit bei Photovoltaik und Biogasanlagen.

Die Bundestagskandidaten einiger Parteien sind diesmal jung - ähnlich jung wie sie selbst. Welche Auswirkungen hat das Ihrer Meinung nach auf den Wahlkampf?
Wir jungen Kandidaten stehen alle für einen gelungenen Generationswechsel der demokratischen Parteien - und das freut mich sehr. Gleichzeitig hoffe ich, dass dadurch auch besonders viele junge Menschen zur Wahl gehen und ihre Stimme abgeben.
So ein Wahlkampf, wenn man ihn mit vollem Engagement führt, erfordert unheimlich viel Kraft. Deshalb bin ich froh, dass ich noch so jung bin und so viel Energie habe.

Die Fragen stellten Alexander Müller und Miriam Hegner.