"Danke" - das war am vergangenen Dienstagabend eines der meist verwendeten Wörter im Gemeinderat. Der Dank aller Fraktionen galt der Bürgerinitiative (BI) Mobilfunkstandort Altenkunstadt.

In den Ohren der Bürger klang das "Danke"-Konzert, das ehrlich gemeint war, eher wie ein ironisches "Danke für die Blumen". Denn mit ihrem Ziel, auf dem Höhenzug des Altenkunstadter Gemeindeberges Külmitz einen Standort für einen Mobilfunkmasten zu errichten, ist die BI gescheitert.
Der Gemeinderat entschied sich mit überwältigender Mehrheit für den in einem Dialogverfahren mit der Telekom ausgehandelten Standort an der Kante des Berges, der sich 379 Meter von der Wohnbebauung in der Schlesierstraße entfernt befindet. Das schmeckte den Vertretern der BI, die die Sitzung aufmerksam verfolgt hatten, verständlicherweise nicht.

"Was bringt mir der Dank, wenn ich keinen Standort mit einer echten Strahlenminimierung habe", machte der Sprecher der BI, Dietmar Schuberth, nach der Sitzung deutlich. Was die BI ebenfalls wurmte: Ein von ihr formulierter Antrag wurde nicht behandelt. "Am 28. April war den Sprechern der BI von der Verwaltung unmissverständlich mitgeteilt worden, dass die Frist zur Einreichung von Anträgen bereits abgelaufen war, da die Einladungen zur Sitzung bereits verschickt worden waren", sagte Bürgermeister Robert Hümmer (CSU).


Zusätzliche Untersuchungen

Die BI gibt sich allerdings noch nicht geschlagen: Schuberth kündigte an, zur nächsten Gemeinderatssitzung den Bürgerantrag erneut und leicht modifiziert, einzubringen. Kernpunkt des Antrages sei eine Gutachtenserweiterung, in deren Rahmen weitere strahlenminimierte Standorte auf dem Gemeindeberg untersucht werden sollen.

"Die Beträge, die man für eine Erweiterung ausgeben müssten, sind ein Klacks - verglichen mit den finanziellen Aufwendungen, die bisher für das Gutachten angefallen sind", zerstreute Schuberth Befürchtungen, auf die Kommune könnten hohe finanzielle Belastungen zukommen.

Die BI will zusätzliche Untersuchungen, weil sie befürchtet, dass neben der Telekom zwei weitere Anbieter auf den Mast gehen könnten. Dann würde sich die Strahlenbelastung der Antennen auf dem beschlossenen Maststandort von 0,6 auf 1,6 Volt pro Meter mehr als verdoppeln.
"Das ist für uns keine tatsächliche Strahlenbelastung mehr", betonte Schubert. Den Einwand, dass der derzeitige Grenzwert beim Mobilfunk bei 41 Volt pro Meter liege, ließ er nicht gelten: "Wir müssen ja auch berücksichtigen, dass neue Mobilfunktechniken, die bereits existieren und in Zukunft mit Sicherheit auch installiert werden, eine noch weit höhere Strahlenbelastung mit sich bringen."

Zudem würden die Bürger dem Frieden nicht trauen. "Wir können es nicht überprüfen, ob sich die Anbieter an Vereinbarungen halten. Es müssen jährliche Kontrollen stattfinden, was die Grenzwerte anbetrifft", sagte Herbert Seeser. Sämtliche Vereinbarungen mit den Mobilfunkanbietern, so Schuberth, müssten schriftlich und in Form von Verträgen fixiert werden. Zudem plädiert die BI in ihrem Antrag für unangekündigte, von einem unabhängigen Ingenieur jährlich durchgeführte Messungen.


Keine Hotspots

Zudem sollten sämtliche Kindergärten und Schulen in Altenkunstadt an das Glasfasernetz angeschlossen werden und die veralteten Schnurlostelefone durch neue höchst strahlungsminimierte - am besten kabelgebundene Telefone - ersetzt werden, fordert die BI. Die Errichtung von WLAN-Hotspots in der Kommune wird aufgrund des hohen gesundheitsgefährdenden Potentials dieser Strahlung abgelehnt.
Der Bürgermeister verteidigte den mit der Telekom im Rahmen des Dialogverfahrens gefunden Kompromiss und zeigte sich mit dem bislang Erreichten zufrieden: "Der Funkmast am Hochhaus kommt weg, Vodafone plant den Masten auf dem Gebäude der ehemaligen Besteckwarenfabrik BMF abzubauen und die Telekom lehnt die Errichtung eines Masts bei Baiersdorf aus wirtschaftlichen Gründen ab. Zudem werden in den Schulen und Kitas die Schnurlostelefone durch kabelgebundene ersetzt. Damit handeln wir vorsorgeorientiert."
So sah es auch Ludwig Winkler: "Wir haben viel erreicht." Die BI bat er, sich weiterhin mit ihrem Sachverstand einzubringen, wenn es um das Thema WLAN gehe. Frank Novotny (SB), der den gefundenen Kompromiss zwischen Telekom und der Gemeinde ebenfalls mittrug, sprach sich dafür aus, die vom Ingenieur gemachten Vorschläge zur Herstellung einer Verbindung in ein Gebäude mit Femtozellen nicht außer Acht zu lassen.
Karlheinz Hofmann (SPD) warnte davor, das Gutachten zu erweitern. Das würde das Verfahren nur unnötig in die Länge ziehen. Während der Nachbarort Burgkunstadt mit Masten zugepflastert sei, habe man in Altenkunstadt eine zufriedenstellende Lösung gefunden, lautete das Fazit des Sozialdemokraten. "Wir haben gemeinsam mit den Bürgern etwas erreicht. Darauf können wir stolz sein", hob Michael Limmer (JWU) hervor. Damit verband er die Hoffnung, dass dies zukünftig in anderen Bereichen der Fall sein werde. Melita Braun (CSU) findet: "Durch die BI wurden wir aufgeweckt, was das Thema Strahlenminimierung anbetrifft."
Hümmer hatte sich in seinen Ausführungen dafür ausgesprochen, die erlassene Veränderungssperre aus haftungsrechtlichen Gründen in Kürze aufzuheben. Obgleich der Punkt nicht zur Abstimmung anstand, stieß die Äußerung Dittrich sauer auf. Die grüne Gemeinderätin begrüßte zwar den gefundenen Kompromiss für Betreiber und Bürger als das "geringste Übel", sprach sich zugleich dagegen aus, die Bauleitplanung zu stoppen, in dem man die Veränderungssperre aufhebe. Sie stimmte als einzige gegen den Beschlussvorschlag der Gemeindeverwaltung, der den Kompromissvorschlag am Kamm des Külmitzes beinhaltete.