Harry Ries ist viel in der Welt unterwegs. Mit verschiedenen Ensembles tourt er von einem Kontinent zum anderen, um Konzerte zu geben. Der pensionierte Musik-Professor, der seit 2006 in Grundfeld wohnte, ist kürzlich nach Loffeld umgezogen, wo er ehrenamtlich den "Förderverein Alte Schule" leitet. Nun ist er näher an der Schule dran, sagt er. Denn das Unterrichten macht ihm weiterhin großen Spaß, wenngleich er darauf hinweist: "Das Umfeld hier ist zu wenig, um musikalisch davon leben zu können."

In der Loffelder Alten Schule sind gerade zwei seiner sechs Musikschüler aus den Niederlanden am Üben. Dion Kowalski und Luc Scholtes wirken an den Konzerten mit, die Harry Ries gerade mit seinem niederländischen Ensemble gibt.

Drei Werke des Barockkomponisten Valentin Rathgeber stehen heuer mit auf dem Programm der insgesamt vier Konzerte. Rathgeber war Ordensgeistlicher in Kloster Banz, ging aber hin und wieder auf Reisen, hinaus in die Welt, um zu komponieren, sagt Harry Ries. Bei den Konzerten werden Barockstücke aus Rathgebers Münchner Zeit vorgetragen, die sehr heitere Namen tragen: "Aufforderung zur Narretey", "Freude" und "Reim dich, oder ich friss dich".


Musikschule lebt von Spenden

Dreimal jährlich gibt Harry Ries Kurse im Loffelder Schulhaus. Der Förderverein erhält von keiner Seite Zuschüsse, ist aber für Spenden dankbar, sagt er. Die Musiker dürfen das Schulhaus in Loffeld, das der Stadt Bad Staffelstein gehört, unentgeltlich nutzen. Als Dank dafür geben sie Konzerte in der Region - in diesen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr in Wiesen, Loffeld, Bad Staffelstein und Ebelsbach.

Neben den Werken von Valentin Rathgeber, fährt Harry Ries fort, stehen diesmal Kompositionen von Anton Bruckner auf dem Programm, die dieser in Bamberg geschrieben hat. Außerdem habe er Stücke von dem Komponisten Hans Mielenz (1909-1996) für sein sechsköpfiges Ensemble bearbeitet, die nun, bei den vier Konzerten, ihre Uraufführung haben.

Das Ensemble der sechs niederländischen Blasmusiker bespielt bei den Konzerten insgesamt 20 Instrumente - von der Barockposaune übers Tenorhorn, die Basstuba und Basstrompete bis zum Alphorn. Das letztgenannte Instrument erreiche gerade in den Kirchenräumen einen wundervollen Klang, schwärmt Harry Ries; es werde auch am Freitagbend in St. Kilian in Bad Staffelstein gespielt.


Konzerte in vielen Ländern

Das Rentenalter habe er nun, nach 46 Jahren als aktiver Musiker, erreicht, sagt der 70-Jährige lachend - aber er fühle sich gar nicht so alt. Mehr als 40 Jahre unterrichtete er an der Musikhochschule Maastricht. Freude macht es ihm weiterhin, über den Globus zu touren, um die Menschen mit der Blasmusik zu erfreuen. Gerade erst kam er von einer Tournee zurück, die ihn nach Barcelona, Bombay/Indien und nach China führte.

Gleichwohl sei ihm wichtig, mindestens einmal im Monat in Loffeld tätig zu sein. Die Möglichkeit zum Austausch mit fränkischen Musikern schätzt er sehr. Als Beispiel führt er die Zusammenarbeit mit dem Lichtenfelser Kreisorchester an, das im Juli 2017 nach Kerkrade in die Niederlande kommen werde, um dort ein Konzert zu geben. "Die Wurzeln der Blasmusik sind hier, in Deutschland", fährt er fort und zählt eine Reihe berühmter Komponisten auf, die zeitlos schöne Stücke für Bläser geschrieben haben.


Von Berufsmusikern lernen

"Ich versuche mit meinen Studenten auch hier die Amateurwelt zu erreichen", sagt Harry Ries. Alle interessierten Musiker seien eingeladen, nach Loffeld zu kommen, um sich hier von den Berufsmusikern anregen zu lassen, von ihnen zu lernen und ihnen Fragen zu stellen.

Das alles geschieht auf ehrenamtlicher Basis. Harry Ries ist darauf sehr stolz, dass es gelungen ist, diese Arbeit auf Spendenbasis zu leisten. "Eine kleine Gage muss schon sein", fügt er hinzu, weshalb bei den Konzerten jeweils ein Körbchen für einen freiwilligen Obolus bereitsteht - als Trinkgeld im wahrsten Sinne. Augenzwinkernd ergänzt er: "Das gute heimische Bier gehört einfach zur Blasmusik dazu."

Pläne fürs kommende Jahr hat Harry Ries auch schon. So überlegt er, mit der Klampfengruppe der Staffelsteiner Kultur- und Freizeitfreunde zusammen ein Konzert zu geben, denn "das ist eine amüsante Musik". Er hat vor, die Klampfenmusik mit Blechbläsern zu imitieren. Gospels und ein Stück Böhmischer Blasmusik von Ernst Mosch hat er schon bearbeitet. Und im Oktober 2017 werde zum zweiten Mal - nach 2009 - das Sinfonische Blasorchester St. Aemiliaan in Loffeld ein Konzert geben.


Welttournee geplant

2017, sagt der 70-Jährige, werde er mit dem Pariser Orchestre des Champs Elysées, dessen Gründungsmitglied er ist, auf Welttournee gehen. Japan, Mexiko, Korea... Werke von Beethoven stehen dabei im Mittelpunkt. Harry Ries kokettiert mit seinem Alter. Auf die Frage, ob er all die Stücke drauf habe, die er selbst als Mitglied etlicher Ensembles spielt, antwortet er heiter: "Üben hält jung. Im Frankenlied heißt's nicht zu unrecht: Wer lange sitzt, muss rosten. Mit dem Alter muss man noch mehr üben - das is' so."





Vita und Konzerttermin


Lebenslauf Harry Ries wurde im niederländischen Kerkrade geboren. Nach dem Studium in Den Haag war er zehn Jahre Solo-Posaunist beim Limburgs Symphonie Orkest in Maastricht, danach im Gürzenich-Orchester Köln. Seit 1978 ist er Solo-Posaunist im WDR-Sinfonieorchester Köln. Harry Ries war Dozent für Posaune und Kammermusik an den Hochschulen in Maastricht und Aachen. Nebenberuflich war Harry Ries Mitglied bei German Brass, hat sich dann aber hauptsächlich der Alten Musik zugewandt. Außer bei wes10 brass ist er Mitglied in zahlreichen Ensembles, unter anderem dem Orchestre des Champs Elysées, Paris.

Kirchenkonzert Am heutigen Freitag (Beginn: 18.30 Uhr) geben Harry Ries und sechs seiner Musikschüler ein Konzert in der Staffelsteiner Kilians-Kirche. Seit 15 Jahren finden diese festlichen Auftritte alljährlich statt, jedesmal unter einem anderen Motto. In diesem Jahr hat Harry Ries das Konzert mit folgendem Titel überschrieben: "Klangwelten in fränkischer Tradition".