Über ein Jahr ist es her, dass das Speditionsunternehmen P&M Logistics und die Tochter P&M Transport einen Antrag auf die Eröffnung eines Involvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt hat. Seit dem war die Zukunft der rund 130 Mitarbeiter und Auszubildenden ungewiss.

Insolvenz durch Altlasten

Damals, vor dem Insolvenzantrag, ist das Unternehmen im Tagesgeschäft seit über einem halben Jahr profitabel und will sogar Mitarbeiter einstellen. Das Problem war ein anderes. Geschäftsführer Georg Völker sagte im Januar 2013: "Uns drücken Altlasten und Darlehen aus früheren Zeiten und Kosten der Umstrukturierung."

Von 2009 bis zum Insolvenzantrag ist das Unternehmen von 200 auf 130 Mitarbeiter geschrumpft. Obwohl in den allermeisten Fällen einvernehmliche Lösungen gefunden wurden, entstanden Kosten durch die Freistellung von Mitarbeitern oder durch Abfindungen. Am Ende fehlten 700.000 bis 800.000 Euro, sagte der Geschäftsführer damals. Das Unternehmen bekam vom Gericht einen Sachwalter beiseite gestellt: Andreas Wehner von der Kanzlei Flöther&Wissing.

Drei Monate später, im April des vergangenen Jahres, wurde das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Das heißt, dass das bisherige Management weiter für die Geschäfte von P&M verantwortlich ist. Sachverwalter Wehner überwachte die Firmenleitung in dieser Zeit. Während des Insolvenzverfahrens habe es keine Kündigung von Mitarbeitern gegeben, betonte Geschäftsführer Völker im März 2013.

Investor kommt aus Berlin

Mit Hilfe von Wehner konnte der Geschäftsbetrieb nun an einen Investor verkauf werden, heißt es in einer Pressemitteilung der Kanzlei. Dort heißt es auch: "Das Berliner Speditionsunternehmen M+S Piano Express GmbH wird die Gruppe übernehmen und in vollem Umfang weiterführen."

Investor kleiner als P&M-Gruppe

Die Berliner Firma ist auf Klavier- und Flügeltransporte spezialisiert. Bisher hat das Unternehmen Standorte in Hilden (NRW), München und Berlin. Gegründet wurde die Firma 2001 und beschäftigt momentan rund 40 Mitarbeiter. Der Fuhrpark umfasst 17 Fahrzeuge. Damit ist der Investor deutlich kleiner als die P&M-Gruppe aus Lichtenfels. Ausschlaggebend für den Verkauf an das Berliner Unternehmen sei das überzeugende Konzept und die langjährige Erfahrung in der Branche gewesen, heißt es in der Pressemitteilung

Standort bleibt erhalten

"Der Verkauf ermöglicht der P&M-Gruppe wieder eine Perspektive", sagt Wehner. Für die Region Lichtenfels ist es eine positive Nachricht, dass der Standort und alle Arbeitsplätze in Lichtenfels erhalten bleiben. Nachdem in den vergangenen Monaten verhandelt worden sei, habe der Käufer ein verbindliches Angebot abgegeben. Diesem habe die Gläubigerversammlung zugestimmt. Über den Kaufpreis für die P&M-Gruppe wurde Stillschweigen vereinbart. Zuletzt habe das Unternehmen rund 132 Mitarbeiter und Aushilfskräfte beschäftigt.


Eine fast 100-jährige Firmengeschichte

1925 Gründung des Unternehmens Kraus & Pabst

2009 Kraus & Pabst gehört mittlerweile zur JCL-Gruppe (und wird 2010 vollständig übernommen). Das Unternehmen heißt nun JCL Logistics Germany und JCL Transport Germany.

2012 Die deutschen Töchter werden an die Familien-Beteiligungsgesellschaft Velo in Münster verkauft. Georg Völker wird auch dort Geschäftsführer. Die Firmen werden in P&M Logistics und P&M Transport umbenannt.

2013 Ende Januar stellt das Unternehmen Antrag auf Insolvenz beim Coburger Amtsgericht. Anfang April wurde das Insolvenzverfahren eröffnet und in Eigenverwaltung durchgeführt.

2014 Ende April wird der Geschäftsbetrieb an die Berliner Firma M+S Piano Express GmbH verkauft. Der neue Investor will das Unternehmen am Lichtenfelser Standort weiter führen und alle Arbeitsplätze erhalten.