"Ich glaub jeder, der nach Michelau kommt, hat Angst, dass er 'nen Korb bekommt." Diese Angst war sicherlich unbegründet. Grummelige oder begeisterungsunfähige Franken? Fehlanzeige. Matthias Matuschik, besser bekannt als "Matuschke" von Bayern 3, brachte das Publikum am im Gemeindezentrum Michelau mit reichlich überspitzer Ehrlichkeit zum Brüllen.

Comedy, Kabarett oder bitterböse Bühnenkunst. So recht will sich der biertrinkende "Matuschke" da nicht festlegen. Dem grölenden Publikum war das ziemlich egal.

Denn gleich, ob Matthias Matuschik mit scharfer Zunge über "Edeka 60 plus" mit Lupen und Streckenposten, Reiner Calmund und frittiertes Wasser oder die Becks-Lemon-trinkenden Jugendlichen herzieht: Die Lacher der Zuschauer im fast ausverkauften Gemeindezentrum hatte der Bayern-3-Moderator auf seiner Seite.


Alles geht, was gefällt

Auf der Bühne genießt "Matuschke" seinen künstlerischen Freiraum - nicht wie beim Radio, wo "wohlüberlegte Spontanität" herrscht. Wer beim Programmnamen "Heilige Scheiße!" des überzeugten Atheisten glaubt, dass nur die Religion ihr Fett wegbekommt, ist auf dem Holzweg.

Die Politik mit verbrecherischen CSU-Wählern, die über die männliche Gattung herrschende Frauenwelt und die eigene Biografie sind dem "Matuschke" für eine zugespitzte und ironische Betrachtung nicht zu schade.So kalauerte er ohne Schmerzgrenze über die Morgenmoderatoren beim Radio, die er als dauerschöne "Grinsbügel" mit eingemeiseltem Lächeln betitelt.

Für Wiedererkennungswert und immer lauter schallende Lacher sorgte aber vor allem Manni, der wiederholt und zunehmend betrunkener beim Er strundfunksender Matuschiks in der Oberpfalz auf den Anrufbeantworter spricht und äußert: "I hätt da mol an Wunsch. Vo Engelbert: Schbänisch eiess." "Und den gab es wirklich", erzählt Matuschik später, "der Mann hat 47-mal auf den Anrufbeantworter gesprochen."

Der größte Feind des Matthias Matuschik ist aber unverkennbar eines: Der demografische Wandel. Während die Politik Bayern als "Vorstufe zum Paradies" bezeichnet, sieht der derbe "Matuschke" nur eines: zwei "Silberzwiebeln, die auf der Autobahn mit ihren silbernen B-Klassen ("Rentnerhochsitze") entlangschleichen, Rentnertennis mit den Volvo-Fußgängerairbags oder das "Seniorbook", auf denen die Rentner sich zu illegalen Rollatorenrennen verabreden.


Publikumsverluste

"Niemand darf glauben, dass ich was gegen alte Menschen habe", erklärt Matthias Matuschek in der Pause. "Ich bin einfach nur bitterböse." So passiere es nicht selten, dass echauffierte Menschen den Saal verlassen, in Michelau jedoch gehe das Publikum nach Matuschkes Aussage "richtig ab".

Und in der Tat: Das, was der genießerisch biertrinkende Mann da am Mikrofon von sich gibt, liegt nur knapp oberhalb der Gürtellinie. Und während er schließlich auf der Bühne steht, mit spitzer Zunge über das "von euch Wählern verursachte" Nichtraucherschutzgesetz lästert, zündet er sich ganz genüsslich eine Zigarette an.

"Kommt der Smell schon an?", fragt der qualmende Matuschik belustigt die sehnsüchtig dreinblickenden Raucher und beschließt, sie in die Zigarettenpause zu entlassen. Danach ging das Programm nicht weniger bissig weiter.

Dass er ein Rockstar ist, zeigt Matuschke, als er in Militärmantel und mit umgehängter E-Gitarre auf die Bühne springt. "Ich mag es, wenn die Sachen noch nach Penatencreme riechen", sagt er dann boshaft, als er seinen schicken Mantel "made in Pakistan" von Leib streift.

Und während er weiter über Atheisten, "die drittgrößte Glaubensgemeinschaft", Beschneidungen und krumme Nasen oder probiotische Tampons sinniert, hält es die tobenden Zuschauer schon fast nicht mehr auf den Sitzen.
Mit gleichgültiger Miene demonstriert er schließlich den katholischen "CSUlern" die Verwendung eines modernen Kondoms und erklärt trocken die Problematik von Objektophilie in Verbindung mit Laubsaugern.

Der "Matuschke" nimmt den ganzen Abend kein Blatt vor den Mund, wenn er zunächst triviale Situationen mit boshafter Zunge zuspitzt. Provozieren will der giftige Moderator mit "Heilige Scheiße" allemal.

Doch der kräftige Humor jenseits von Gut oder Böse trifft im Gemeindezentrum Michelau auf ausschließlich begeisterte Franken, die nur eins tun: lachen, johlen und klatschen - besonders als Matuschik zum krönenden Abschluss "Spanish Eyes" von Engelbert im Saal erklingen lässt.