Bald können Spaziergänger, die nahe des Lichtenfelser Bahnhofs ein dringendes Bedürfnis verspüren, aufatmen. Die Toilette entsteht an der Südseite des Gebäudes. Rohre sind schon verlegt, derzeit laufen die Fundamentarbeiten. Laut Bauamtsleiter Jürgen Graßinger rechne man damit, dass der Bau in der 43. oder 44. Kalenderwoche fertig werde. Etwa 185 000 Euro sind veranschlagt.

Die Dimension einer größeren Garage werde das neue Örtchen haben, sagt Graßinger. Mit drei Kabinen: Eine für Behinderte, eine für Frauen und eine für Männer. Dabei soll die Sanitäranlage hohen hygienischen Standards genügen. "Autobahntoiletten kennen Sie ja. Da wollen vor allem Frauen ungern drauf. Das wollen wir besser machen", sagt Graßinger. Er meint damit eine automatische Sitzbrillenreinigung, die die Klos nach jeder Benutzung frisch machen wird.

Anfang Mai gab der Lichtenfelser Stadtrat grünes Licht für das Bauprojekt, das nicht ganz billig kommt. Mit Kosten von etwa 185 000 Euro rechnen die Verantwortlichen. 37 500 Euro wird voraussichtlich die Regierung von Oberfranken beisteuern. Die Bahn will laut Graßinger "einen kleinen Obolus" dazugeben - zuletzt waren 15 000 Euro zugesagt. Zudem zahlt die Bahn Strom und Wasser und erhebt keine Miete für den Baugrund, auf dem der Abort betrieben wird.

Alle restlichen Kosten trägt die Stadt Lichtenfels. Voraussichtlich etwas über 130 000 Euro.
Mit der auf den Weg gebrachten Investition allein ist es jedoch für die Stadt nicht getan. Die Unterhaltungskosten gab Stadtbaumeister Jürgen Graßinger mit rund 2000 Euro im Monat an, gemäß eines für das Objekt angebotenen Service-Vertrages.

Der Stadtrat hatte im Vorfeld der Zustimmung zu dem Bau im Mai einen Beschluss aus dem Jahr 2010 aufheben müssen. Damals war die Errichtung von Toiletten am oder im Bahnhof abgelehnt worden. Auch bei der Sitzung im Mai gab es noch Stimmen, die die Verantwortung bei der Bahn sahen und das Stadtsäckel schonen wollten.
"Vorrangig wird die Toilette jetzt für die Lichtenfelser Bürger gebaut und nicht für Bahnkunden", kommentiert Jürgen Graßinger einen wichtigen Punkt in der politischen Diskussion. In der Realität ist allerdings unerheblich, für wen das Häuschen errichtet wird: Nutzen kann es wohl jeder, der Münzen auf den Teller wirft - nicht nur wer nachweist, dass er kein Bahnticket dabei hat.