"Twister" nennt sich das Gefährt in dem Josef Grießenböck und Maria Amann vor die Eingangstür des BRK-Seniorenheims fahren. "Wunderbar" sagt die Bewohnerin des Altenheims, als Ergotherapeutin Stefanie Landgraf die Schnallen löst, die die Füße der Seniorin an den Pedalen fixieren. Landgraf öffnet noch schnell den Gurt an Maria Amanns Sitz. Sie ergreift ihren Arm und hilft ihr aus dem großen Dreirad. "Das genieße ich jetzt wieder.
Wenn man selber nicht mehr fahren kann, ist das wunderbar", sagt Amann mit einem Lächeln im Gesicht und nähert sich ihrem bereitstehenden Rollator, mit dem sie durch den Eingang wieder in ihren Alltag im Seniorenheim verschwindet.

Aus diesem Alltag will Josef Grießenböck die Heim-Bewohner möglichst oft herausholen. Mit dem "Twister" macht er regelmäßig Ausfahrten mit den Senioren. "Man sieht, welche Freude die Menschen daran haben, wenn sie mal raus kommen. Besonders bei Frau Amann. Und diese Freude bekommt man auch von ihnen zurück", sagt der gebürtige Österreicher.

Der "Twister" ist ein Dreirad für zwei Personen. Es ist speziell für Menschen mit Behinderung gebaut worden. Der Fahrer bedient die Pedale und den Lenker. Der Beifahrer kann mittrampeln, sofern er das körperlich noch schafft, erklärt Grießenböck.

Zehn Bewohner würden das noch schaffen, sagt Landgraf. Alle anderen dürften einfach den Ausflug genießen. Insgesamt fänden sich immer 20 bis 30 Bewohner, die mit Josef Grießenböck auf Tour gehen.


Im Alter nicht nachlassen

Die Fahrt geht meist vom Seniorenheim nach Wolfsdorf, sagt er. Rund vier Kilometer schafft er so in einer halben Stunde. Zweimal pro Woche ist er im Schnitt zwei Stunden lang unterwegs. Eine längere Fahrzeit sei für die meisten Bewohner zu anstrengend. Und er ist schließlich auch irgendwann mit den Kräften am Ende. Obwohl das Rad zur Unterstützung einen 36-Volt-Elektromotor hat.

Der soll aber nur genutzt werden, wenn es bergauf geht oder dem Beifahrer die Kraft fehlt, betont Stefanie Landgraf. "Man kann auch im Alter noch die Muskeln trainieren", sagt sie. Bewegung sei gerade in dieser Lebensphase besonders wichtig. Deshalb geben es in ihrem Seniorenheim mehrere solcher Angebote. "Ob es aber angenommen wird, ist immer eine andere Frage", sagt sie. Manche Bewohner hätten eben lieber ihre Ruhe.

Das Seniorenheim hat den "Twister" vor zehn Jahren mit der Unterstützung einer Lotterie angeschafft. Die Betreuer würden das Rad ebenfalls für Ausflüge mit den Bewohnern nutzen, sagt Landgraf. Nur gehe das eben nicht so oft, deshalb sei man auch froh, dass Josef Grießenböck die Mitarbeiter ehrenamtlich unterstützt. Zumal er eine willkommene Abwechslung vom Alltag ist: "Die Menschen möchten ja auch mal mit jemand anders reden", sagt Landgraf.

Die Bewohner sind sogar ein bisschen stolz auf das Angebot, denn nicht jedes Heim biete diesen Service an. "Sie fühlen sich schon gut, wenn jemand vorbeiläuft und das Rad anschaut", sagt Landgraf. Dazu überwiege einfach die Freude, mal wieder aus dem Haus zu kommen, "mal wieder den Staffelberg oder Vierzehnheiligen zu sehen", sagt die Ergotherapeutin.

Das Seniorenheim hat noch ein anderes, ähnliches Rad. Allerdings sitzen die beiden Insassen dabei nicht nebeneinander. Der Beifahrer sitzt vor dem Fahrer. Auch mit dem macht Stefanie Landgraf Ausflüge. Meist mit Menschen, die im Rollstuhl sitzen. Die Bewohner würden aber den "Twister" bevorzugen, "weil sie selbst aktiv sein wollen", sagt sie.


Gut mit Menschen umgehen

Für Grießenböck gibt es noch einen anderen Vorteil: Wenn man nebeneinander sitzt, könne man sich besser unterhalten, sagt er. Eine spezielle Ausbildung hat er für seine Aktion nicht gemacht. "Ein gutes Menschengefühl ist gefragt", erklärt Landgraf. Bevor er zum ersten Mal fahren durfte, habe er aber eine Einweisung bekommen.
Auf die Idee sei er nach einem Aufruf in der Zeitung gekommen. Die "Aktiven Bürger" hatten vor gut einem Jahr in der Zeitung über diese Thema berichtet, mit Aufruf, dass sich Interessierte für ehrenamtliches Engagement melden sollten.


Helfer gesucht

Die "Aktiven Bürger" suchen immer nach ehrenamtlichen Helfern. Unter anderem auch für regelmäßige Ausflüge mit dem "Twister". Interessierte können sich bei Josef Hellmuth melden unter der Telefonnummer 09573/5566. Er ist der Ansprechpartner für Bad Staffelstein. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite der "Aktiven Bürger" unter www.aktive-buerger-lichtenfels.de

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