Einen Baum habe er anvisiert - ein bewegliches Ziel hat er getroffen. Zweimal sogar. Wie geht das nur? Mit Absicht wohl. Darum wurde am Dienstag ein 24-Jähriger aus Michelau am Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Der junge Mann hatte am 30. Mai dieses Jahres eine Soft a ir-Pistole auf seinen Nachbarn gerichtet, der gerade im Garten den Rasen mähte. Außerdem hat er sich einer Sachbeschädigung schuldig gemacht und im Vorfeld seiner Tat Drogen konsumiert. "Zwei Nasen voll", wie er sagte.
Er wisse davon nicht mehr allzu viel, eröffnete der Angeklagte Richter Thomas Pohl, nachdem die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft verlesen war. Mit einer Softair-Pistole, die ihre Kraft aus Gaskartuschen bezieht, schoss er Kügelchen in die Nachbarschaft. "Ich habe einen Baum treffen wollen", behauptete der Mann.
"Ich hörte noch ein ‚Pf - pf - pf", erinnerte sich der Nachbar, der als Zeuge aussagte, an das Geräusch, zu dem sich ein Schmerz am Gesäß und bald da rauf auch an der Schulter einstellte. Die getroffenen Stellen sollten wenig später blau anlaufen. Der Michelauer war sich noch im Garten sicher, beschossen worden zu sein und verständigte umgehend die Polizei. Und die brauchte auch nicht lange, um vor Ort die Schussrichtung und den Täter auszumachen.
Sieben bis acht Bier will der arbeitslose 24-Jährige, der bei einem "Kumpel" Unterkunft

fand, vor dieser Aktion im Mai getrunken gehabt haben. Dass das nicht ausreiche, um nicht zu wissen, was man tut, versicherte ihm indes Richter Thomas Pohl. Erst in der Polizeidienststelle habe er über den vollen Umfang seiner Soft air-Schießerei erfahren, beteuerte der Angeklagte.
Zu Bruch gingen an diesem Tag auch zwei Fensterscheiben eines anderen Nachbarn. Der Schaden dort wird auf 560 Euro beziffert. Beide Male, das wurde dem Beschuldigten zugute gehalten, habe er sich zeitnah entschuldigt und auch - im Falle der Fenster - für Wiedergutmachung gesorgt.
Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand die Polizei nicht nur die Softair-Pistole, sondern auch Drogen, Marihuana und Crystal Speed in geringen Mengen. Zudem entdeckten die Beamten 1000 Kügelchen Munition. Insgesamt ergaben die Gesetzesverstöße des jungen Mannes eine Haftstrafe von neun Monaten. Sie wurde zur Bewährung ausgesetzt.