Das Maintal ist eine stark besiedelte Region. Der Bau von Siedlungen, Gewerbegebieten, Verkehrswegen und vor allen der Kiesabbau haben in den vergangenen Jahrzehnten deutliche Spuren hinterlassen.
Dennoch gibt es sie, die ursprünglichen Lebensräume im Maintal. Die artenreichen Wiesen, Wälder und naturnah gestalteten Baggerseen entlang des Flusses. "Kleine, aber feine Bereiche, wie sie immer noch zu finden sind", wie sich Andrea Musiol zu Beginn der Radtour am Samstagnachmittag ausdrückte. Etwas mehr als ein Dutzend Radler haben sich am Ausgangspunkt am Wehr in Oberwallenstadt eingefunden - eine Veranstaltung, die im Rahmen der Bayern-Tour-Natur stattfand.

Landschaft hat sich verändert


Andrea Musiol und Bernd Flieger, beides Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, erklären die Besonderheiten, die sich entlang der Strecke von Oberwallenstadt nach Schwürbitz befinden. Die Begradigung des Mains hat die Flusslandschaft stark verändert, macht Flieger deutlich. Auch der Kiesabbau hat Spuren hinterlassen. Was auf dem ersten Blick wie ein natürlicher Weiher aussieht, entpuppt sich als einer der ersten Baggerseen des Landkreises.

Nur wenige hundert Meter vom Wehr entfernt, wurde an der Stelle zwischen 1900 und 1940 Kies abgebaut. Der Sand- und Kiesabbau hat vielerorts gleichförmige und strukturarme Baggerseen hinterlassen, die nur wenigen Arten einen Lebensraum bieten. Mit Hilfe des Life-Natur-Projektes "Oberes Maintal" sollen die Lebensräume für Tiere und Pflanzen vergrößert oder neu geschaffen werden. Das Projektgebiet erstreckt sich auf rund 3150 Hektar entlang des Mains zwischen Theisau im Landkreis Lichtenfels und Viereth im Landkreis Bamberg.
Musiol macht auf einige Infotafeln aufmerksam, die über die Ziele des Naturschutzprojekts informieren. Ein Bestandteil des Lebensraums Aue sind Wiesen, die im Zuge der Landwirtschaft in Ackerflächen umgewandelt wurden. Ein Vorhaben des Projekts besteht darin, durch gezielte Aussaat landwirtschaftlich genutzte Flächen in Blumenwiesen zu verwandeln.

"Um dafür den Samen zu gewinnen wird eine bestehende Wiese ähnlich einer Ackerfläche gedroschen", erklärt Flieger. Die mit dem Fahrrad zurückgelegten Etappen sind mitunter relativ kurz. Im Wiesengrund zwischen Schney und Michelau stehen noch etwa ein halbes Dutzend bis zu 200 Jahre alte Eichen, der kümmerliche Rest eines ehemaligen Auwaldes.

Auwälder könnten das Bild prägen


Deutlich mehr davon ist beim nächsten Halt am Ortsrand von Michelau Richtung Schwürbitz zu finden. "Auwälder würden sich überall da ansiedeln, wo der Fluss das Gebiet regelmäßig überschwemmt", erklärt Flieger.
Typische Auwaldbäume sind Eschen, an Pflanzen kommen wilder Hopfen, Brennnessel und Sauergräser vor. Knapp zwei Hektar groß ist der urzeitlich anmutende Auwald am Biberbach. Von seinen Bewohnern, den Biber, war an diesem Samstagnachmittag keine Spur zu sehen.

Einige hundert Meter weiter am Rudufersee, soll im Rahmen des Naturschutzprojekts ein Erlebnisweg mit Anfassobjekten entstehen. Neben Baden hat der Besucher laut Musiol dann die Gelegenheit an den einzelnen Stationen allerhand aufschlussreiches über Flora, Fauna und den Lebensraum Main zu erfahren. Eine Station wird sich mit typischen Auwaldbäumen beschäftigen, eine andere mit den Steinen des Maintals. Auch die Flechttradition der Region wird ein Thema sein. An eine Mondlandschaft erinnert der letzte Haltepunkt der Radtour. Der Kiesabbau hat zwischen Trieb und Schwürbitz badewannenförmige Löcher mit steilen Ufern in das Maintal gefressen. Das sich hier einst der Lebensraum Hartholzau befand, davon künden schwarze halbfossile Baumriesen.