Viel auf dem Block, aber doch wenig auf dem Papier: Tage, wie sie Schriftsteller nur zu gut kennen - auch Sebastian Holger Fleischmann aus Redwitz. Stolze 18 Seiten seines aktuellen Horror-Romans hat er innerhalb nur eines Tages verfasst. Ein Ruhepolster war das in dieser Nacht nicht. "Mir hat es irgendwie nicht mehr gefallen, ich lag im Bett und es hat mich nicht losgelassen", sagt er. Kurzerhand ging der 33-Jährige zum PC und löschte ein komplettes Kapitel mit einem Tastendruck. Eine Erleichterung. Am nächsten Tag schrieb er mit klarem Kopf weiter. "Sowas gehört auch dazu. Wenn man sich permanent mit dem Roman beschäftigt, tritt eine gewisse Arbeitsblindheit auf", sagt er. Diese dürfte bei Fleischmann noch nicht fortgeschritten sein, denn der Redwitzer ist erst seit eineinhalb Jahren in der Branche aktiv - aktuell noch auf Hobbybasis.


Mehr als stupides Blutvergießen

Nach seinem Debütroman "Die, die nicht sterben", der kurz vor Weihnachten erschienen war, ist seit wenigen Tagen sein zweites Buch im Handel erhältlich: "Metamorph", ein Roman über ein mythisches Wesen, das seine Gestalt ändern kann. "Survival-Horror" heißt das Genre, dem sich Fleischmann seit Längerem verschrieben hat.
Übersetzt: Charaktere finden sich in unvorhergesehenen Situationen wieder und kämpfen ums nackte Überleben. Ein Genre, das laut Fleischmann mehr als reines Blutvergießen verspricht. "Aber natürlich gibt es auch einige drakonische Momente", sagt Fleischmann über seinen Roman für Erwachsene. An einer Stelle waren die detailreichen Schilderungen in "Metamorph" der Korrektorin zu heftig - sie übersprang ein Kapitel. "Das ist genau der Effekt, den ich erzielen möchte", erklärt Fleischmann. "Ich möchte in dem Roman die schockierende Tatsache aufzeigen, wozu ein Mensch imstande sein kann."

Durch seine spannenden Erzählungen hat sich Fleischmann in den vergangenen Monaten auf Facebook bereits eine kleine Fanschar erarbeitet. Sukzessive steigert der Autor derzeit auch in der Region seinen Bekanntheitsgrad. Im Februar hält er in Redwitz seine erste Lesung. Etwas Lampenfieber macht sich schon heute breit. "Immerhin gilt es an diesem Abend Zuhörer zu begeistern", sagt er. Die Leser seiner Romane hat Fleischmann vor allem mit seinen bildhaften Erzählungen und den detailreichen Entwicklungen seiner Charaktere überzeugt.


Von Fernsehwelt fasziniert

Stärken, die nicht von ungefähr kommen und auch mit seiner beruflichen Ausbildung zusammenhängen. 15 Jahre lang war Fleischmann Regieassistent in München für die ARD-Seifenoper "Marienhof" und die bayerische Heimatserie "Dahoam is Dahoam". In diese Position gelangte er allerdings erst durch Umwege. Nach seinem Realschulabschluss in Burgkunstadt begann Fleischmann eine Lehre im väterlichen Zimmereibetrieb. Nach einem Jahr war schon Schluss. "Wenn man schon früh an die Mittagspause denkt, frisst einen das irgendwann auf. Ich wollte das nicht mehr", blickt der 33-Jährige heute zurück.

Was Fleischmann schon immer faszinierte, war die Fernsehwelt. Einen ganzen Stapel Blätter mit Adressen von Produktionsfirmen für ein mögliches Praktikum hatte er sich zusammengesucht. Fast schon klischeemäßig landete er erst bei der letzten Firma, Bavaria Film in München, einen Treffer. Ein Regiepraktikum mit der Chance auf eine Ausbildung lockte ihn 2000 in die Landeshauptstadt. "Es war völliges Neuland für mich, mir wurde alles von vorne beigebracht", erklärt Fleischmann. Auch mit der ARD-Vorabendserie Marienhof konnte er zunächst wenig anfangen. "Ich habe vorher noch nie eine Folge angesehen, das war etwas peinlich", sagt Fleischmann. Peinlich war ihm anfangs auch sein starker fränkischer Dialekt. "Jeder musste immer drei oder viermal nachfragen", sagt er. "Um meinen Dialekt zu verbergen, habe ich dann versucht sehr deutlich zu sprechen, was auch recht komisch klang." Heute, 16 Jahre später, spricht Fleischmann nahezu perfektes Hochdeutsch und ist selbst derjenige, der in Redwitz manchmal an Grenzen stößt. "Bei gewissen Wörtern muss ich bei meiner Großmutter heute selbst nachfragen", sagt er lächelnd.

Nicht nur sprachlich entwickelte er sich in München schnell weiter. Nach dreieinhalb Jahren Praktikum und Ausbildung bei Bavaria Film wurde Fleischmann Regieassistent und somit zu einer der wichtigsten Personen am Set von Marienhof. Auch als die Seifenoper 2011 nach über 18 Jahren abgesetzt wurde, musste sich Fleischmann keine Sorgen um seine Zukunft machen. Dank seines guten Namens in der Branche saß er bereits wenige Tage nach der letzten Marienhof-Folge auf dem Regieassistenz-Stuhl der Serie "Dahoam is Dahoam". Obwohl Fleischmann die Jahre beim Fernsehen nicht missen möchte, machten sich nach und nach die Schattenseiten der Branche bemerkbar. "Wer sich der Fernsehbranche verschreibt, ist auch wirklich drin und hat kaum Zeit für was anderes", erklärt er. "Durch die langen Arbeitszeiten jeden Tag gingen die Kontakte zu Freunden und Verwandten zuneige, das schlug aufs Gemüt." Eines Morgens fasste er sich ein Herz und sagte zum Produktionsleiter: "Ich kann nicht mehr, ich brauche eine Auszeit."

Fleischmann kehrte der Glitzerwelt den Rücken und kehrte vor eineinhalb Jahren nach Redwitz zurück. "Ich bin zufrieden und fühle mich angekommen", sagt er. "Hier ist jetzt wieder mein Zuhause, ich hoffe für immer." Und wie geht es in seiner Karriere weiter? "Schriftsteller zu sein, wäre das Höchste und Beste für mich. Aber einen größeren Verlag zu finden, ist natürlich schwierig", sagt er.

So bleibt das Schreiben also vorerst seine große Leidenschaft und ein kleiner Nebenerwerb. Seine Brötchen möchte der Redwitzer zukünftig im Bereich Büromanagement verdienen. Ab September plant er eine entsprechende Umschulung. Auch mit dem Fernsehen hat Fleischmann noch nicht komplett abgeschlossen: "Vielleicht steige ich irgendwann bei einem interessanten Projekt wieder ein. Man sagt ja, einmal Film, immer Film."




Metamorph von Sebastian Holger Fleischmann


Titel Metamorph
Genre Survival-Horror
Seiten 540
Alter ab 18 Jahren empfohlen
Preis 24,99 Euro (Softcover)

Inhalt Frank Hellenbeck - Dieb, Mörder, Psychopath - wird nach einem Bankraub von seinem Team verraten. Nachdem er einen Ausweg aus dieser misslichen Lage findet, wird ihm klar, dass er auch den Hintermännern nicht mehr trauen kann. Frank muss nun einen neuen, sicheren Plan für seine weitere Flucht entwerfen. Doch das kostet Zeit.Um bis dahin den Behörden bestmöglich aus dem Weg zu gehen, schließt er sich der Urlaubsreise seiner besten Freunde an. Eine abgeschiedene Hütte in den Bergen Österreichs bietet ihm vorläufige Zuflucht. Jedoch sind die Menschen nicht die einzige Spezies, welche sich an diesem Ort aufhält. Etwas anderes befindet sich mitten unter ihnen - unentdeckt, böse. Eine Kreatur, die genau wie Hellenbeck jene Chance sieht, ihrem Überlebenstrieb zu folgen. Was sie jedoch dafür benötigt... ist ein menschlicher Organismus.