Sie möchte die Region so schnell wie möglich im Detail wieder kennenlernen. Dieses Anliegen stellte die neue Regierungspräsidentin bei ihrem gestrigen Antrittsbesuch im Landratsamt Lichtenfels heraus. Heidrun Piwernetz ist eine Oberfränkin, die eine beachtliche berufliche Karriere machte. Vor ihrer Ernennung zur Nachfolgerin von Wilhelm Wenning, der Ende Februar in den Ruhestand ging, war sie Generallandesanwältin. Dass sie "extrem vernetzt" sei, sah Landrat Christian Meißner (CSU) als vorteilhaft an. Gut informiert zeigte sie sich schon vor dem Gespräch mit ihm und Mitarbeitern des Landratsamtes. Sie wusste von den Sonnentagen, wo das große Spektrum erneuerbarer Energien gezeigt wird, befand die Zusammenarbeit in Sachen Ausbau der B 173 mit der Regierung für sehr gut und zollte Ehren- wie Hauptamtlichen Respekt für ihren Einsatz zur Bewältigung des Zustroms an Flüchtlingen. Deren Integration und Sprachausbildung werden künftige Herausforderungen auf allen Ebenen sein.
"Die Landkreise bilden das Rückgrat des Regierungsbezirks", unterstrich sie, und Lichtenfels sei ein kleiner, aber feiner Landkreis: mit prosperierender Wirtschaft, leichtem Bevölkerungszuwachs und einem Klinik-Neubau von bayernweiter Strahlkraft. Bei einer Baustellenbesichtigung mit den Bauleitern bekam Heidrun Piwernetz einen Eindruck von den Ansprüchen, die an das künftige "Green Hospital" gestellt werden. Beispielsweise wird jedes Material vor dem Einbau auf Schadstoffe geprüft. Und um 17 Uhr ist auf diesem Rohbau noch lange nicht Feierabend, denn es gibt einen straffen Zeitplan. "Heute in zwei Jahren ist Inbetriebnahme", brachte es Architekt Roland Meyer gleich zur Begrüßung auf den Punkt. Da will ihn die Regierungspräsidentin beim Wort nehmen.


Zur Bedeutung der Bezirke

Die Redaktion hatte Gelegenheit zu einem Interview mit Heidrun Piwernetz. Dabei ging sie auf ihre neue Aufgabe und auf die Bedeutung der Bezirke ein.

Was hat Sie an der Aufgabe besonders gereizt?
Heidrun Piwernetz: Das Amt der Regierungspräsidentin ist eines der schönsten Ämter, das der Freistaat Bayern zu vergeben hat. Es bietet die Gelegenheit, an einer guten Zukunft für Oberfranken mitzuarbeiten - vernetzt mit den anderen wichtigen Akteuren in der Region, den Abgeordneten, dem Bezirk, den Landkreisen, den Kommunen, Kammern, den Vertretern aus Wirtschaft, Kirche und Kultur sowie den Vereinen und Verbänden.

Wollten Sie nach den vielen beruflichen Stationen gerne wieder in Ihre Heimatregion zurück und hatten Sie noch Verbindungen hierher?
Ich habe mich natürlich sehr über das Angebot gefreut, in meine oberfränkische Heimat zurückkehren zu können. In der Zwischenzeit habe ich den Kontakt soweit möglich gehalten. Auch dienstlich hatte ich immer wieder mit oberfränkischen Themen zu tun.

Was verbinden Sie mit dem Landkreis Lichtenfels?
Der Landkreis hat viel zu bieten, als Wirtschaftsstandort, an landschaftlicher Schönheit auf dem Jura, im Obermaintal, am Staffelberg, an kulturellem und kirchlichem Erbe mit Vierzehnheiligen und Kloster Banz, als Gesundheitsregion mit Bad Staffelstein und vieles mehr. Natürlich auch an Lebensqualität. Davon konnte ich mich erst jüngst bei einer köstlichen Bierreise durch die Brauereien des Landkreises im Stadtschloss Lichtenfels anlässlich des 500-jährigen Jubiläums des Bayerischen Reinheitsgebotes überzeugen.

Welche Entscheidungsbefugnisse hat die Regierungspräsidentin - oder geht es mehr ums Verwalten und Repräsentieren?
Kurz gesagt geht es um die Vertretung der Region gegenüber der Staatsregierung und gleichzeitig um die Vertretung der Staatsregierung in der Region. Die Regierung ist die staatliche Mittelbehörde. Sie bündelt die Zuständigkeiten mehrerer Ministerien und gleicht die unterschiedlichen fachlichen und regionalen Interessen aus. Die Behördenleitung steuert und koordiniert zusammen mit den tüchtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Regierung diesen Prozess. Den damit verbundenen Gestaltungsspielraum möchte ich im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten zugunsten Oberfrankens ausschöpfen.

Glauben Sie, dass die Bezirksregierungen in der öffentlichen Wahrnehmung, vor allem bei jungen Leuten, noch eine Rolle spielt?
Die Regierung ist zuständig für die großen Planfeststellungsverfahren, für die Kommunalaufsicht, für viele Förderprogramme, für weite Teile der Schullandschaft, für Umwelt- und Naturschutz, für Arbeitsschutz und vieles mehr. Damit ist die Behörde sehr wohl in der öffentlichen Wahrnehmung präsent, aktuell vor allem im Zusammenhang mit der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge.
Im Übrigen bereiten wir derzeit einen Relaunch unseres Internetauftritts vor und wollen uns in Zukunft auch via Facebook und Twitter melden, um gerade auch junge Leute besser zu erreichen.

Wird es die Bezirke von heute - wie in manchen Bundesländern - womöglich in 15 Jahren gar nicht mehr geben, oder wird ihre Bedeutung eher zunehmen?
Eher Letzteres. In der Vergangenheit gab es immer wieder Diskussionen um den Bestand beziehungsweise Aufgabenzuschnitt der Regierungen. Die Regierungen verstehen sich als moderne Dienstleister in der und für die Region. Sie haben wesentlich zur Bewältigung großer Herausforderungen beigetragen, Stichworte Konjunkturpakete, erneuerbare Energien, Breitbandversorgung und aktuell Bewältigung des Flüchtlingszustroms. Dafür haben sie zu Recht auch viel Anerkennung von allen Seiten erfahren. Ich bin überzeugt, die Regierungen sind auf einem guten Weg in die Zukunft.