Etwas kürzer als üblich fiel am Samstagnachmittag die Altstadtbegehung mit Bezirksheimatpfleger Günter Dippold aus. Auf dem Marktplatz wartete die Darbietung zur Markterhebung und in Bayreuth begannen die Festspiele. Günter Dippold merkte das an und brachte bei der Stadtbegehung doch ordentlich Licht in die Stadtgeschichte.
Auf dem Georg-Herpich-Platz vor der Dreieinigkeitskirche sammelten sich die Teilnehmer diesmal und nahmen nach einem Konzertbesuch Aufstellung. Starke Windböen waren die ständigen Begleiter. Voraus zog die Blaskapelle Uetzing, hintendrein die Honorigen der Stadt, mittelalterlich gewandet. Hinter ihnen folgten die Bürger der Stadt und Geschichtsinteressierte.

Das Mühlenviertel besucht

Wohin würde es diesmal bei diesem Flurumgang um Mauern gehen, welche Route stand an? Der Tross zog durch die Rotkreuzstraße, es ging entlang der Lauter, in die Flanke der Altstadt gewissermaßen. Mit gutem Grund, denn hier, noch vor der Stadtmauer, befanden sich einst etliche Mühlen. Sieben waren es im 17. Jahrhundert.
Günter Dippold deutete auf den rückwärtigen Trakt eines Hauses, das in der Bahnhofsstraße steht. Das Dach und das Obergeschoss seien noch historisch, der untere Teil nicht mehr so sehr. So wie Dippold es erklärt, sieht man es selbst. Aber hier, unweit der Lauter und den Mühlbächen, die man von ihr abzweigte, habe es eine Fränkische Lauberwerk AG gegeben haben. Die einzige jemals in Bad Staffelstein ansässige AG. "Sie hat nie eine Dividende ausgezahlt", merkte Dippold in einem Ton an, der das Scheitern irgendwie liebenswert erscheinen lässt.

Revolutionäre im "Roten Ross"

Der Tross bog ein, es wartete die Bamberger Straße 14: heute Sparkasse, einstmals das Wirtshaus "Zum Roten Ross". Wer hätte das gedacht - revolutionäre Umtriebe in Staffelstein: Zum Ostermontag 1848 plante das Bamberger Comité zur Verwirklichung der Volksrechte in Staffelstein und Umgebung eine Kundgebung in diesem Haus. Im Wirtshaus saßen schon Republikaner, draußen aber bezog en August Geyer, ein am Königtum zweifelnder Mann, sowie ein womöglich ähnlich gesinnter Bamberger Arzt Hiebe von Königstreuen. Vor allem eine ledige Frau aus Loffeld soll sich mittels eines Schirmes hervorgetan haben. Am Ende jagten und prügelten die Staffelsteiner sie gar zum Bahnhof.

Dies und mehr waren die Geschichten, die für über 100 Begleiter nahe dem Marktplatz ein Ende fanden. Knapp aber unterhaltsam wie eh und je.