Die Raiffeisenbank Obermain Nord wird ihre Hauptstelle in Altenkunstadt für 3,6 Millionen Euro erweitern. Die Gemeinde Altenkunstadt wiederum wird den öffentlichen Bereich in der Theodor-Heuß-Straße und der Gerbergasse im Rahmen der Städtebauförderung neu gestalten.
"Ich freue mich, dass die beiden Maßnahmen nun verwirklicht werden. Dann hätten wir in Altenkunstadt einen zweiten Marktplatz, der das Ortsbild beleben würde", sprach Walter Limmer von der Jungen Wähler Union am Dienstagabend allen im Bauausschuss aus der Seele. Dem Bauantrag des Kreditinstitutes wurde einstimmig das gemeindliche Einvernehmen erteilt. Zur Neugestaltung hatte der Gemeinderat bereits in seiner vergangenen Sitzung einen positiven Beschluss gefasst.
Zukünftig wird sich die Haupteinfahrt zur Raiffeisenbank vor dem Anbau befinden. Dies, so Vorstandsvorsitzender Thomas Siebenaller von der Raiffeisenbank, ermögliche einen direkten Durchstich von der Gerbergasse zur Theodor Heuß-Straße und zur Bürgermeister- Böhmer-Straße. "Damit wäre die nicht optimale Ausfahrt aus der Gerbergasse beim Fronleichnamsweg, wo es oft zu brenzligen Situationen kommt, beseitigt", freute sich Bürgermeister Robert Hümmer (CSU).


Städtebauliches Konzept

Siebenaller teilte mit, dass das Anwesen Theodor-Heuß-Straße 15 abgerissen werde, um dort während der Bauarbeiten Parkplätze für die Mitarbeiter zu schaffen. "Anschließend soll der nicht mehr benötigte Parkplatz einer baulichen Nutzung zugeführt werden. Dafür gibt es bereits einen Interessenten. Auch dieses Vorhaben würde sich gut in das städtebauliche Konzept der Gemeinde einfügen", sagte Siebenaller, ohne Ross und Reiter zu nennen. "Ja ist denn jetzt schon Weihnachten?", freute sich Hümmer ein zweites Mal.
Worum geht es konkret bei dem Bauvorhaben der Raiffeisenbank? Platzmangel zwingt das Kreditinstitut dazu, ein neues dreigeschossiges Gebäude zu errichten, das über eine Verbindungsbrücke mit dem hinteren Teil des Altbaus verbunden wird. Die Beschäftigten sollen zu gleichen Teilen auf beide Gebäude verteilt werden. Jeweils rund 35 Mitarbeiter werden zukünftig im Alt- und im Neubau arbeiten.
Die Maßnahme wird in drei Bauabschnitten realisiert: Zunächst werden im vorderen Bereich, Parkmöglichkeiten für Mitarbeiter und Kunden geschaffen. Anschließend kommt es zur Modernisierung des Altbaus und zur Errichtung des Neubaus, für den bestehende Parkplätze geopfert werden. In einem dritten Schritt werden hinter dem Alt- und Neubau Parkplätze speziell für die Mitarbeiter geschaffen. Der Spatenstich soll noch in diesem Jahr erfolgen. Der Mitarbeiterparkplatz wird zukünftig abgesperrt, um unberechtigtes Parken zu verhindern. Ludwig Winkler von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) bat darum, Parkplätze nach Betriebsschluss für Veranstaltungen in der benachbarten Synagoge zu erhalten. Siebenaller versicherte, sich der Bitte nicht zu verwehren.


Grünordnungsplan vorgelegt

Seine Hausaufgabe hat Landwirt Jochen Leikeim, der auf dem Gelände seiner Biogasanlage bei Prügel eine landwirtschaftliche Maschinenhalle bauen möchte, gemacht. Dem Bauausschuss lag ein von seinem Architekten Marc Fleischmann entworfener Grünordnungsplan vor. Einen solchen hatte das Gremium in der April-Sitzung nach einem Ortstermin auf der Biogasanlage bei Prügel gefordert. Doch zu einem positiven Votum reichte es nicht: Sowohl der Standort neben der bereits bestehenden Halle wurde abgelehnt als auch der Alternativstandort parallel zur Kreisstraße Lif 18. Ersterer wurde mit sieben zu vier Stimmen abgelehnt. Für das Vorhaben hatten Bürgermeister Robert Hümmer, Hans-Werner Schuster (beide CSU), Norbert Schnapp von der Jungen Wähler Union (JWU) und Maximilian Deuber von der Freien Wählergemeinschaft (FWG) gestimmt, dagegen Almut Schuhmann (SPD), Frank Novotny von den Sozialen Bürgern (SB), Walter Limmer (JWU), Gabriele Göring, Edwin Jungkunz (beide CSU) sowie Ludwig Winkler und Jan Riedel von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO). Die Alternative fand überhaupt keine Zustimmung im Gremium. Bereits im März hatte das Gremium das umstrittene Vorhaben abgelehnt. Begründung: Durch die dazu notwendigen Aufschüttungen stehe das Gebäude zu dominant in der Landschaft da. In einem zweiten Anlauf versuchte der Bauer, vom Gremium doch noch einen positiven Bescheid zu erhalten. Vergeblich. Die Mehrzahl der Räte schenkte ihm kein Vertrauen mehr, nachdem er dieses mehrmals missbraucht hatte. So hatte er zum Beispiel eine nicht genehmigte Auffahrrampe gebaut. Da half es auch nichts, dass er das Gelände der Biogasanlage nun mit einem Grüngürtel umrahmen möchte. "Der Gehölzstreifen soll oben direkt vor der Halle angepflanzt werden, damit man selbige nicht sieht", ging Gerd Hofmann von der Bauverwaltung ins Detail. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber der Vertrauensverlust, lässt sich nicht mehr heilen", sprach Ludwig Winkler vielen aus der Seele.
Was würde passieren, wenn der Landwirt keinen Grüngürtel anpflanzen würde? Gerd Hofmann verwies darauf, dass Sanktionen in den Genehmigungsbescheid mit aufgenommen werden sollen. Das Landratsamt habe dann die Möglichkeit diese durchzusetzen und eine Strafe zu verhängen.
Otto Betz vom Bauamt des Landratsamtes hatte in der April-Sitzung des Gremiums klargestellt, dass seine Behörde dem Alternativstandort als privilegiertes Vorhaben zustimmen werde. Im Falle einer Ablehnung durch den Bauausschusse werde es als Aufsichtsbehörde das gemeindliche Einvernehmen ersetzen. "Da bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als zuzustimmen", meinte Deuber. Ludwig Winkler sah das Ganze etwas anders: "Wenn das Landratsamt zustimmt, dann muss die Gemeinde Farbe bekennen und gegen den Freistaat Bayern klagen." Bei den anschließenden Abstimmungen schlug das Pendel in Winklers Richtung aus.