Schokolade, Tee, Bier, Kosmetik: Es gibt heutzutage eigentlich nichts, was nicht hinter den Türchen eines Adventskalender stecken kann. Doch mit der Grundidee des Adventskalenders hat das nichts mehr zu tun.

Pater Christoph Kreitmeir hat die Nase voll davon. "Heute können wir alle möglichen und unmöglichen Ausgaben dieser guten Grundidee finden, die einen in ihrer Überfülle erschlagen, manchmal zum Kopfschütteln bringen und mit christlicher Frömmigkeit nichts mehr zu tun haben." Mit einer neuen, in Deutschland wahrscheinlich bisher einzigartigen Idee, will er an die Grundidee des Adventskalenders anknüpfen.


"Jammern hilft nichts"

Anfang August musste Christoph Kreitmeir zwei Operationen über sich ergehen lassen und lag danach fast drei Wochen in der Krankenstation der St. Franziskusschwestern. "Irgendwann kommt man mit Klagen und Jammern ans Ende", sagt er. Sein kompletter Plan für den Sommer und den Herbst wurde durcheinander gewirbelt. Sogar sein neues Buchprojekt musste er nach hinten schieben.

Um sich die Zeit im Krankenbett zu vertreiben, hat Kreitmeir trotzdem schon angefangen für sein neues Buch zu recherchieren und hat viel gelesen. Dabei ist ihm aufgefallen, dass es irgendwie keine wirklichen Online-Adventskalender gibt. Und so ist er auf die Idee gekommen, mal einen etwas anderen Adventskalender zu machen. "Im Hintergrund habe ich eine gute Webmasterin. Mit ihr habe ich dann meine Ideen diskutiert."

Jeden Tag, ab 1. Dezember, können auf seiner Internetseite (www.christoph-kreitmeir.de) die virtuellen Türchen geöffnet werden. Jedem Tag ist ein Thema zugeordnet - und dazu gibt es verschiedene Angebote: Von Bildern, Texten, Gebeten bis hin zu Liedern und Videos von youtube ist alles dabei. "Ich wollte eine Abwechslung mit modernen Medien und so das Geistliche moderner machen", erklärt Pater Christoph Kreitmeir. Die Leute sollen sich Zeit nehmen und sich in aller Ruhe umschauen. "In der Adventszeit ist es einfach mal wichtig, Zeit für sich und Zeit für Gott zu schaffen. Weg von dem ganzen Trubel", meint Kreitmeir.


"Dann tut's mir leid"

Da Pater Christoph im Internet sehr präsent ist, kam schon oft der Einwand: Aber ich habe doch gar kein Internet. Pater Christoph Kreitmeir reagiert immer gleich: "Dann tut's mir leid." Ihm ist bewusst, dass man mit der Zeit gehen muss - egal, ob es die katholische Kirche, Firmen oder Ämter betrifft: Das Internet gehört heutzutage einfach dazu. Er gibt zu, dass die Kirche moderner werden muss. Der Online-Adventskalender sei ein Schritt in diese Richtung. "Doch oft hängt das nicht mit der Institution zusammen, sondern mit den Personen dahinter." Da hänge nämlich nicht nur die Kirche hinterher, sondern auch manche Firmen und Ämter.

Momentan ist der Adventskalender natürlich noch nicht online - es ist ja schließlich noch kein Advent. Bearbeitet sind die Türchen trotzdem schon alle. Es fehlen nur noch die Feinarbeiten. Am 1. Dezember kann man dann das erste Türchen aufmachen, wie bei jedem anderen Adventskalender auch. Nur statt Schokolade oder Plätzchen, gibt es hier geistige Nahrung, die dem Leben und der Vorweihnachtszeit einen tieferen Sinn geben will.


Woher kommt eigentlich der Adventskalender?


Geschichte Bis ins 17. Jahrhundert lassen sich die Ursprünge des Adventskalenders zurückverfolgen. Schon damals gab es verschiedenste Formen. Der erste selbst hergestellte Vorläufer geht zurück ins Jahr 1851.

Beispiel Am bekanntesten wurde der Adventskalender, den die schwäbische Pfarrersfrau Lang im Jahr 1883 ihrem Sohn Gerhard machte. Sie nähte 24 kleine Gebäckstücke auf einen Karton, um ihrem Sohn so das Warten auf das Christkind zu versüßen. Jahre später griff Gerhard Lang als Teilhaber der lithographischen Anstalt Reichhold & Lang sein Kindheitserlebnis auf. Seit 1908 druckte er den "Münchener Weihnachts-Kalender". Das war die Grundidee für sämtliche Adventskalender.