Ohne Konrad Adenauer hätte der CSU-Ortsverband Weismain einen Aktivposten weniger gehabt. 45 Jahre lang hält Josef Neder der Christlich Sozialen Union nun schon die Treue. Der 69-jährige, der bei der Jahreshauptversammlung für seine jahrzehntelange Mitgliedschaft geehrt wurde, gab sich als Bewunderer von Konrad Adenauer zu erkennen: "Als junger Mann verfolgte ich die Arbeit unseres ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer und war beeindruckt von seiner Politik. Ich fand eine politische Heimat im konservativen Lager des deutschen Parteienspektrums." Den letzten Ausschlag hätten Kommunalpolitiker aus Marktzeuln gegeben. "Sie ermunterten mich, zu einer Mitgliedschaft bei der CSU."


Große Themen

Vor 41 Jahren heiratete Neder nach Weismain und engagierte sich dort bei der örtlichen CSU. In den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts war er mehrere Jahre Schriftführer und lenkte zwei Jahre lang die Geschicke der Weismainer Christsozialen. Die Westbindung, die europäische Einheit, die Wiedervereinigung und die soziale Marktwirtschaft waren Themen, die dem heute 69-jährigen immer am Herzen lagen.

"Die CSU hat sie sich, zu meiner Freude, auf ihre Fahnen geschrieben", sagte der Jubilar, der Franz Josef Strauß und Theo Waigel zu seinen weiteren politischen Idolen zählt.

Zudem vertritt er die Ansicht, dass es mit Deutschland immer bergauf gegangen sei, wenn die Union regiert habe. In Weismain ist die CSU am Ruder. Die Themen seien allerdings ganz andere.

Bürgermeister Udo Dauer und Landrat Christian Meißner sprachen die Umgehung von Weismain an. Dauer stellte mit Blick auf die eingereichten Klagen fest: "Es ist das demokratische Recht eines jeden Bürgers, den Rechtsweg zu beschreiten."

Meißner hatte Neuigkeiten mitgebracht, was die Umgehung auf den Jurahöhen anbetrifft, die mit der Weismainer eng verknüpft ist: "Auch wenn die Weismainer Umgehung beklagt wird, machen wir, was die Umfahrung von Wunkendorf und Modschiedel anbetrifft, fröhlich weiter."

Derzeit befinde man sich in der Planungsphase. Diese Planungen seien Grundlage für die Gespräche mit den Grundeigentümern, sagte der Landrat. Die Trasse werde so verlaufen, dass sie nicht zu Lärmbelästigung für die Einwohner der drei Orte führe, versicherte Meißner.

Um das Vorhaben im Dialog mit den Bürgern umzusetzen, werde es eine Bürgerversammlung geben, kündigte er an. Einen genauen Termin nannte der Landrat nicht.

Meißner schwärmte in den höchsten Tönen vom Umschuldungskonzept, mit dem die Stadt Weismain in diesem Jahr einen genehmigungsfähigen Haushalt vorlegen kann: "Dann ist Weismain wieder Herr seiner eigenen Entscheidungen und hängt nicht mehr am Tropf des Landratsamts."

So weit wie der Landrat, der davon gesprochen hatte, dass wieder freiwillige Leistungen - wie Zuschüsse an Vereine - ausgeschüttet werden, wollte Dauer allerdings nicht gehen: "Wir sind damit noch längst nicht über dem Berg. Das Umschuldungskonzept verschafft uns nur mehr Handlungsspielraum. Solange wir Stabilisierungshilfe erhalten, sind freiwillige Leistungen tabu. Andernfalls müssten wir die staatliche Unterstützung zurückzahlen."


Ohne finanzielle Beteiligung

Angesprochen wurde auch das geplante Lehrschwimmbecken der Kommunen Burgkunstadt und Altenkunstadt, in dem auch die Weismainer Grundschüler das Schwimmen lernen sollen. Aber die Stadt Weismain kann sich aufgrund ihrer angespannten Haushaltslage nicht finaniell beteiligen. CSU-Vorsitzender Michael Bienlein wunderte sich mit Blick auf das prognostizierte jährliche Defizit von 250 000 Euro: "Warum lehrt man die Kleinen das Schwimmen nicht im Burgkunstadter Freibad Kunomare oder fährt mit ihnen nach Michelau ins dortige Hallenbad? Das verstehe ich nicht!"


Zuschüsse decken Kosten

Eine erfreuliche Mitteilung hatte der Bürgermeister mitgebracht: Die Sanierung der Kapelle Wallersberg, die Eigentum der Stadt ist, werde zu einem Nullsummenspiel. "Die Baukosten werden durch Zuschüsse aus der Landes- und Oberfrankenstiftung, des Erzbistums Bamberg und durch Eigenleistungen gedeckt", sagte er. Baubeginn sei im Mai oder Juni.

Die Bauarbeiten für die neue Kindertagesstätte in Modschiedel beginnen den Ausführungen Dauers zufolge heute, Montag. "Bestimmte Kreise haben durch den Aufbau künstlicher Hürden versucht, das Vorhaben zu hintertreiben", empörte sich der Bürgermeister, ohne Namen zu nennen.

Vorsitzender Michael Bienlein machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: Aufgrund seiner zahlreichen anderen Ehrenämter, unter anderem als Kreis- und Stadtrat sowie als Kreisvorsitzender des Bayerischen Bauernverbands sowie privater Belastungen habe er mit einem Rücktritt geliebäugelt, sich dann aber doch für eine Fortführung des Amts entschieden.

Er rief seine Stellvertreter dazu auf, ihn stärker zu unterstützen. Die Vorstandswahlen gerieten zu einem großen Vertrauensbeweis für Bienlein: Die 18 Wahlberechtigten bestätigten ihn einstimmig im Amt.

Ergebnisse der Hauptversammlung