Heißt er nun Adam Riese oder Ries? Im Mittelpunkt stand zwar die Vorstellung einer neuen Biografie des Leipziger Professors Bernd Rüdiger, die vom Adam-Ries-Bund in Annaberg-Buchholz herausgegeben wird, aber um die Schreibweise lässt sich zwischen Erzgebirge und Obermain trefflich streiten.
Eine neue Variante brachte der Staffelsteiner Jurist Walter Rhein in die Diskussion. Das "e" käme aus Sachsen. Von dort wurde im 19. Jahrhundert nach einem Riese in Staffelstein angefragt. Die Erzgebirgler waren sich einig: Der Mathematiker schreibt sich ohne das "e" am Ende. Die Franken blieben beim "e". Bürgermeister Jürgen Kohmann unterstrich: "Bei uns heißt er Riese." Der Professor konnte die "e-Frage" auch nicht lösen, machte sie sogar noch komplizierter: "Wir wissen, dass sich Ries auch Ris, Rise, Ryse und sogar Reyeß schrieb." Und dieser lächelte milde zwischen den Saaltüren aus dem vergoldeten Rahmen seines kolorierten Konterfeis.
Anlässlich seines 525. Geburtstages gibt der Adam-Ries-Bund die erste umfassende Biografie heraus. Aber vieles im Leben des Rechenmeisters bleibt verborgen. Zum Beispiel ist sein Geburtsjahr nicht eindeutig zu bestimmen. Die Umschrift auf dem einzig bekannten zeitgenössischen Porträt lautet: "Anno 1550 Adam Ries seins Alters im LVIII". Wenn er demnach im Jahr 1550 im 58. Lebensjahr war, muss er 1492 oder 1493 geboren worden sein, je nachdem, wann er das 58. Lebensjahr vollendet hat. Das ist nicht bekannt, auch nicht seine letzte Ruhestätte, die entweder in Annaberg oder im benachbarten Wiesa war.
"Eigentlich müssen wir das Buch wieder einstampfen und ein neues machen", erschreckte der Autor die Teilnehmer der Buchvorstellung. Bei den Nachforschungen ergäben sich immer wieder neue Fakten, zu denen auch die Staffelsteiner Archivarin Adelheid Waschka beigetragen hätte. Das Buch beruhe nicht nur auf bekannten Fakten, sondern auch auf zahlreichen neu erschlossenen Quellen. Außerdem bette er das Leben des Rechenmeisters erstmals in seine Zeit ein: die frühe Neuzeit mit den Anfängen des Frühkapitalismus, der Zeit des Humanismus und der Reformation sowie des Aufblühens der Wissenschaften auch außerhalb der Universitäten, erläuterte Rüdiger. Es werde herausgearbeitet, dass der Humanismus, viel stärker als bisher betont, neben der geisteswissenschaftlichen auch eine mathematische Komponente besaß und das Wirken der Rechenmeister diesem Humanismus eine volkstümliche und langlebige Basis gab.
Rainer Gebhardt, Vorsitzender des Adam-Ries-Bundes, machte deutlich, dass in dem Buch nur gesicherte Quellen verwendet werden. Zum Erstaunen aller übergab er eine Fotografie der Gedenktafel, die 1874 am Staffelsteiner Rathaus angebracht wurde. Die Inschrift lautet: "Im Jahre 1492 wurde in Staffelstein geboren Adam Riese berühmter Rechenmeister und Verfasser des ersten Mathematischen Rechenbuches." "Durch Zufall konnte jetzt ein Foto dieser verschollenen Tafel erworben werden", sagte Gebhardt. Das Bild machte der bekannte Berliner Landschaftsfotograf Paul W. John, der 1925 in Franken weilte.


Wo ist die Riese-tafel

Die Tafel wurde 1959 durch ein Sandsteinrelief von Karl Potzler aus München ersetzt. In der UFA-Wochenschau und im Deutschlandspiegel wurde davon berichtet. "Die Tafel wird vielleicht noch vorhanden sein", vermutete Gebhardt. Musemsleiterin Waschka hoffte, das sie wieder auftaucht, damit sie im Museum einen würdigen Platz erhält.
Das Buch (168 Seiten und zahlreiche Abbildungen, Preis 19,90 Euro) kann im Museum und im Kur- und Tourismus-Service erworben werden.