Wenige Minuten vorher hatte die Verteidigung Richter Thomas Pohl noch an das erinnert, was einem verurteilten Pädophilen im Gefängnis blühen könnte, und legte ihm ein ausgewogenes Urteil nahe. Dennoch sprach Pohl gegen den 58-jährigen Burgkunstadter eine zehnmonatige Haftstrafe aus. Er sah es als erwiesen an, dass sich der Mann des versuchten sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatte. Eine günstige Sozialprognose für den Verurteilten mochte Pohl nicht erkennen: Sie sei "sicher nicht gegeben".


Mehrere Befangenheitsanträge

Dass ein Schuldspruch angefochten würde, ließ der Angeklagte in einer Verhandlungspause vernehmen. Derer gab es mehrere, auch weil das Gericht über Befangenheitsanträge zu befinden hatte. Einer wandte sich gegen einen Psychologen und Neurologen aus Kutzenberg, der im Jahr 2009 womöglich die Gelegenheit hatte, Akteneinsicht in den Krankheitsverlauf des 58-Jährigen zu nehmen. Was in den Akten gestanden hat, dürfte kein gutes Licht auf den Verurteilten geworfen haben: Der, so ging aus dem Bundeszentralregister hervor, wurde schon einmal wegen eines ähnlichen Vergehens verurteilt.

Zwischen März und Juni 2012, so Staatsanwältin Daniela Möhrlein, soll der Burgkunstadter Mädchen darauf angesprochen haben, ob sie ihm eine Kette vom Glied abnehmen möchten. Zudem soll der Mann mehrmals sein Glied aus der Hose heraushängen lassen haben. Ein Vorwurf, der durch unterschiedliche Zeugenaussagen mehrerer Mädchen so nicht mehr haltbar schien. Auffällig an den Mädchen aber war, dass sie alle im gleichen Alter, zwischen neun und elf Jahren, waren. Mit Feingefühl besprach Pohl mit den Kindern die damaligen Vorfälle. Zwischenzeitlich stellte sich Pohl die Frage, ob er, also ein Amtsgericht, für diesen Fall zuständig sei, ob nicht womöglich eine höhere Instanz berufen wäre und eine sechsmonatige Unterbringung anzuordnen sei. Als der Psychologe einwarf, dass eine Untersuchung ratsam wäre, verweigerte sich der Angeklagte dem strikt.

Auch aus diesem Erlebnis heraus sprach sich Staatsanwältin Möhrlein für eine Haftstrafe aus: "Ich wüsste nicht, was den Angeklagten davon abhalten sollte, nicht straffrei zu leben. Geständnis - Fehlanzeige. Für ihn spricht eigentlich nichts."