Der Volkstrauertag erinnert an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen. Er ist aber auch ein Tag der Mahnung zum Frieden und zur Völkerverständigung. In Lichtenfels - wie auch in vielen anderen Städten, Gemeinden und Ortsteilen im Landkreis - findet die zentrale Gedenkfeier traditionell am Vorabend des Volkstrauertages am Ehrenmal neben dem Friedhof statt.
Dazu versammeln sich am Samstagabend Abordnungen von Vereinen und Verbänden ebenso wie Repräsentanten aus Politik, die Vertreter der Geistlichkeit und zahlreiche Bürger bei Einbruch der Dunkelheit vor dem Mahnmal. Hier sind in einer langen Reihe die Namen der Lichtenfelser in Stein gemeißelt, die in den beiden Weltkriegen als Soldaten ums Leben gekommen sind. 536 stumme Zeugen der Vergangenheit, die an das Leid und Grauen erinnern, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. In Lichtenfels beginnt die Gedenkfeier traditionell mit dem Aufzug der Ehrenwache. Unter Trommelwirbel ziehen die Fahnenträger vorbei an den Fackeln der Feuerwehren und platzieren sich links und rechts neben dem Mahnmal.
In ihrer Rede erinnert Bürgermeisterin Bianca Fischer an die Leiden und Schicksale der Menschen, die Opfer des Bombenterrors wurden, und an die Auswirkungen von Hass und Verblendung. Wer glaubt, dass ihm die Erinnerung an die Toten nichts angehe, der habe das Wesen des Volkstrauertags nicht verstanden, verdeutlicht sie. Sie gedenkt der Opfer der Reichpogromnacht und weist auf das Leid der Eltern hin, deren Söhne umgebracht wurden, nur weil sie nicht der SS beitreten wollten. Sie erinnert auch an die Soldaten, die tagsüber bei eisiger Kälte die Schützengräben freischaufelten, um zuzuschauen, wie sie nachts wieder zufroren. Ihre Worte gelten auch jenen polnischen Kriegsgefangenen, die sich an die schrecklichen Bilder des Krieges erinnerten und zur Erkenntnis gelangen, dass es keine Sieger gibt.
"Die Erinnerung an unsere Toten sollte uns Kraft geben, ein verlässlicher Partner um den Erhalt des Friedens zu sein", schließt die Bürgermeisterin. Es ist ihre letzte Volkstrauer-Rede in offizieller Funktion.
In diesem Jahr besteht der Liedbeitrag der Chorgemeinschaft Liturgischer Chor/Sängergilde unter der Leitung von Jitka Maisel aus Scholefields Abendlied "Du lässt den Tag, o Gott, nun enden". Darin geht es um die Hoffnung der Menschen auf Gott, der auch dann Erlösung bringt "wo Menschenmacht regiert". Die Lichtenfelser Blechbläser hatten in diesem Jahr das "Andante Religioso" von Mendelssohn Bartholdy und Samuel Scheidts "Courant Dolorosa" als musikalischen Beitrag gewählt. Als Vertreter der Geistlichkeit sprechen Pfarrer Ralph-Peter Zettler und Pfarrer Roland Neher ein Gebet. Nach dem Liedbeitrag "Ich hatt' einen Kameraden" findet unter Trommelwirbel die Kranzniederlegung statt. Neben dem Kranz der Stadt legen auch die Vertreter des VdK-Ortsverbandes Lichtenfels und des Verbands der Kriegsgräberfürsorge einen Kranz nieder.