"Auf gut fränkisch: A bissla is scho recht". Mit diesen Worten nahm Landrat Christian Meißner in der vergangenen Woche eine Unterschriftenliste der Bürgerinitiative (BI) Jurawindpark entgegen. Damit meinte er nicht die Menge der Leute, die sich gegen die Errichtung von Windrädern aussprachen, sondern was er dem Planungsverband bei dessen nächster Sitzung sagen wird.
Denn wie das Treffen mit mehr als 20 Bürgern am Buckendorfer Feuerwehrhaus ergab, nimmt der Landrat die Anliegen der BI ernst: Meißner versprach, sich beim Planungsverband dafür einzusetzen, dass die Pläne für Ost und West "einmal nebeneinander gelegt werden".
An der "Nahtstelle" befinde sich nämlich das Gebiet zwischen Azendorf und Wattendorf, wo besonders viele Vorrangflächen ausgewiesen wurden. Grundsätzlich zeigte er sich wenig begeistert davon, dass die gegenwärtigen Planungen überproportional viele mögliche Windkraftanlagen im Lichtenfelser Bereich - und innerhalb des Landkreises wiederum im Weismainer Stadtgebiet - vorsehe.

Landrat will für Bürger kämpfen


Auch wenn Christian Meißner keine Versprechungen machen konnte, kündigte er an, für die Belange der Jurawindpark-Gegner zu kämpfen. Ziel müsse es sein, Gegenden zu finden, wo Windkraft sowohl wirtschaftlich ist, als auch von den Menschen akzeptiert wird. Zuvor hatte Bürgermeister Udo Dauer den Standpunkt des Stadtrates verdeutlicht, der sich hinsichtlich der eventuellen Standorte mit dem der BI deckt. Auch deren Sprecher Edwin Bergmann forderte den Verzicht auf fünf der sechs Vorrangflächen ("Seubersdorf ist annehmbar").
Der Fesselsdorfer und seine Mitstreiter hatten dem Landrat mit Fotomontagen und einem Größenvergleich (Windräder mit 200 Metern mehr als doppelt so hoch wie die Basilika Vierzehnheiligen mit 82 Metern) das Szenario veranschaulicht, vor dem sie Angst haben.
Zu den Hauptargumenten der BI gehört die Feststellung, wonach über 100 Hektar Freiflächenphotovoltaik und zwölf Biogasanlagen genug erneuerbare Energien für den Jura seien. Außerdem befürchten ihre Anhänger unter anderem die Zerstörung der einzigartigen Naturlandschaft, der Rückgang des Tourismus, Immobilien- und Grundstückswertverluste und gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Gebiete sind ungeeignet


Edwin Bergmann verwies auch auf zahlreiche Insolvenzen, die seiner Auffassung nach die Unwirtschaftlichkeit von Windkraft in Schwachwindgebieten belege.
Dieser Betrachtung schlossen sich die Unterzeichner der Liste an. Ein Ordner, in dem 1500 Unterstützer dokumentiert sind, ging an Landrat Meißner.
Laut Edwin Bergmann wurden seit März insgesamt sogar doppelt so viele Unterschriften gesammelt. Der Großteil stamme von Bürgern der Juraorte, darüber hinaus hätten auch frühere Bewohner und Urlauber ihre Ablehnung per Autogramm verdeutlicht.