Die Verhandlung fand wegen eines anschließend anberaumten Reichsbürgerprozesses unter besonderen Umständen statt.


Kontrollen wegen Reichsbürgern


Die Nachmittagsverhandlung gegen einen sogenannten Reichsbürger wirkte sich am Dienstag auch auf weitere Verfahren aus. Schon ein Aushang am Amtsgericht machte dies deutlich: Das Verfahren war öffentlich, aber die Vorkehrungen verschärft. Keine Handtaschen, Mobiltelefone oder Flugblätter sollten in den Gerichtssaal gelangen. Auch eine Durchsuchung war angeordnet.

Zwar platzte dieser Prozess am Ende, da der Angeschuldigte nicht erschienen war, doch die Auswirkungen waren in dem anderen Verfahren um eine gefährliche Körperverletzung zu spüren. Um der Reichsbürgerszene keine Anhaltspunkte zur Besetzung des Gerichts und somit zu den Prozessbeteiligten zu liefern, war die Presse angehalten, eben jene Namen ausnahmsweise zu verschweigen.


Prellungen und Schürfwunden


Das galt auch für das Verfahren gegen einen 29-jährigen Bamberger, dem vorgeworfen wurde, seine Ehefrau am 11. Juli 2016 in der gemeinsamen Wohnung in Michelau gewürgt und die Treppen zum Keller hinuntergestoßen zu haben. Das Ergebnis waren ein Schleudertrauma, mehrerer Prellungen und Schürfwunden.

Hauptsächlich gründete die Anklage auf der Zeugenaussage der 26-jährigen Ehefrau, die als Nebenklägerin auftrat. Sowohl sie als auch ihr Mann gaben an, vorher in Streit geraten zu sein und überhaupt eine Ehe mit Anspannungen geführt zu haben. "Es ist auch schon mal vorgekommen, dass wir uns gegenseitig geschubst haben - oder getreten", so der Angeklagte.


Angeklagter beteuert seine Unschuld


Nicht nur dieser Satz ließ bei der Staatsanwaltschaft aufhorchen, auch eine weitere Äußerung des Beschuldigten, die in einem Vernehmungsprotokoll festgehalten wurde, erregte Anstoß. Allerdings beteuerte der Mann seine Unschuld und führte an, dass seine Frau wesentlich schlimmer verletzt worden wäre, wenn er sie wirklich die Kellertreppe hinuntergestoßen hätte. Dies daher, weil dort Bauschutt gelegen habe, Ziegelsteine, Gerätschaften und Kabel.

Mehrmals ließ sich das Gericht die Räumlichkeit des Kellers samt Treppe erklären und befand letztlich, dass die Argumentation des 29-Jährigen nicht schlüssig sei. Was die Streitigkeiten auslösten, dazu hatten die Parteien unterschiedliche Meinungen.


Beste Freundin oder Geliebte?


Der Mann bezichtigte seine Frau, in seinem Handy einen Chatverlauf mit seiner lediglich besten Freundin gelöscht zu haben, die Frau wiederum zeigte sich überzeugt davon, dass diese in Wirklichkeit seine Geliebte war. Über den Ehealltag erklärte die Frau im Zeugenstand: "Wenn es nicht nach seiner Nase gegangen ist, hat er mit dem Beschimpfen angefangen. In Gesellschaft war er der perfekte Ehemann und Vater, wenn wir allein waren, war der Schalter umgelegt." Auch soll der Mann ihrer Einlassung nach bei Wutausbrüchen schon den Staubsauger "zertreten" und gegen den Airbag des Autos geboxt haben.

Was die Aussage der Ehefrau zum Tathergang stützte, war eine Ohrenzeugin des Geschehens. Diese, eine 45-jährige Michelauerin, erinnerte sich im Zeugenstand daran, wie die Ehefrau aus der Wohnung auf sie zukam.
"Sie kam gleich zu mir her, sie hat geweint." Mehr noch: "Sie fiel mir richtig in die Arme und hat gezittert." Zudem traf die 45-Jährige in dieser Situation weitere Beobachtungen, die sie dem Gericht gegenüber schilderte. "Ich sah Kratzspuren und der Hals war gerötet."

Während die Verteidigung von "kontrolliertem Schubsen auf Brusthöhe" sprach und eine gefährliche Behandlung der Ehefrau durch den Mandanten verneinte, zudem noch auf eine ausgebliebene Spurensicherung durch die Polizei verwies, sah die Staatsanwaltschaft die Hinweise auf gefährliche Körperverletzung als ausreichend.


14 Vorstrafen


Auch im Hinblick auf die insgesamt 14 Vorstrafen des 29-Jährigen, von denen rund die Hälfte auf Körperverletzungen zurückzuführen waren, forderte die Anklage ein Jahr Haft ohne Bewährung.

Der Schuldspruch sollte auf ein Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung lauten, wenngleich mit Geldauflage von 3000 Euro verbunden.

Als der Angeklagte sich mit den Worten "Es tut mir leid" bei seiner Frau zu entschuldigen suchte, erntete er nur ein Kopfschütteln ohne Blickkontakt.