Mit zittriger Stimme verlas am Dienstag Margarete Milz 13 Namen von Altenkunstadter Juden, die am 24. April 1942 deportiert und wenige Wochen später in den Gaskammern des Konzentrationslager Sobibor ermordet wurden. Hinter ihr flackerten in der ehemaligen Synagoge 13 Kerzen, die das Foto der 13-jährigen Margarete Wolf, ihrer Freundin und eines der Opfer, beleuchteten. Ein Schweigemarsch hatte unter Glockengeläut beider Kirchen vom "Braunen Haus", der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP, zur ehemaligen Synagoge geführt. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft, Josef Motschmann, erinnerte daran, dass die Deportierten vor 70 Jahren genau auf dem gleichen Weg und dann weiter bis zum Bahnhof getrieben wurden.
In der Synagoge waren alle Plätze besetzt, als Motschmann die Mitgliedschaft Altenkunstadter Bürger zur NSDAP erwähnte. Vier von ihnen hätten am 9. November 1933, in der Reichspogromnacht, die Synagoge geschändet.
Martin Becher, Geschäftsführer der Projektstelle gegen Rechtsextremismus und des Bayerischen Bündnisses für Toleranz - Demokratie und Menschenwürde, stellte sein Grußwort unter das Thema "Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in der Mitte unserer Gesellschaft". Er erinnerte an die zehn Menschen, die in den vergangenen Jahren von Rechtsex tremisten ermordet wurden.
Dagmar Dietz, die Leiterin der CHW-Gruppe, forderte zum Widerstand gegen Neonazis auf. Mit "Wehret den Anfängen", benutzte sie die Worte des römischen Dichters Ovid, mit denen dieser vor verderblichen Entwicklungen warnte.
Motschmann griff das Thema "Widerstand" auf. Er wies darauf hin, dass die Tochter eines Bürgermeisters des Widerstandes heute in Altenkunstadt lebe.
Auch der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bamberg, Heinrich Olmer, blickte auf eine schlimme Zeit zurück, in der Freunde und Nachbarn plötzlich diskriminiert und denunziert wurden. Hinzu kamen die vielen Nutznießer, die sich am Elend anderer bereicherten. Eine der Überlebenden, Inge Hermann aus Altenkunstadt, und andere hätten nach dem Krieg ausführlich darüber berichtet. Die Botschaft der heutigen Gedenkstunde solle sein: "Es darf nie wieder - wie am 24. April 1942 in Altenkunstadt geschehen - Diskriminierungen oder gar Deportationen von Menschen geben, die Nachbarn, Freunde, vielleicht sogar Verwandte, oder Mitbürger sind".
Zwischen den Redebeiträgen spielte Pianistin Larissa Efremova besinnliche Klavierstücke jüdischer Komponisten.