Öffnung der Fußgängerzone: Allheilmittel oder Verderb? So polarisiert hörte sich die Diskussion in der jüngsten Stadtratssitzung an. Beim genauem Hinhören erschöpfte sich jedoch die Auswertung weitgehend in verkehrstechnischen Details der Öffnung: überhöhte Geschwindigkeit, Beschilderung, Verkehrsführung etc.

Wo aber bleibt die Strategie für eine ganzheitliche Stadtentwicklung? Wie kann Bad Brückenaus Attraktivität erhöht und der Stadtkern wiederbelebt werden? Mir ist keine Fußgängerzone bekannt, die eine Aufwertung durch die Zulassung von Fahrzeugen erfahren hätte. Auch scheint während des Tests niemand an die Stadt herangetreten zu sein, um Interesse an einer neuen Geschäftseröffnung zu bekunden, was doch das eigentliche Ziel hätte sein sollen.

Die Gründe für den Leerstand und die geringe Attraktivität des Stadtkerns sind teilweise gesellschaftlicher, teilweise hausgemachter Natur: der zunehmende Onlinehandel, die Konzentration aller gängigen Supermärkte und Discounter in den Ausfallstraßen und beispielsweise kein Integrationskonzept zwischen Ludwigstraße und Sinnaustraße, um das beachtliche Kommen und Gehen dort auch in der Ludwigstraße zu nutzen.

In der Sinnaustraße, aber auch in der Kissinger Straße könnte man beispielsweise zunächst mit relevanten Verkehrszählungen und Befragungen ansetzen, um zu verstehen, was Kunden davon abhält einen Abstecher in die Stadtmitte zu machen. Auch sollte man sich Klarheit verschaffen welche Zielgruppen man eigentlich ansprechen möchte: Jugendliche, Senioren, Berufstätige, Hausfrauen, Kurgäste? Man kann nicht alles für jeden sein!

Stattdessen sollte Bad Brückenau eine Positionierung suchen, welche Klarheit (was will ich denn überhaupt sein?) für die attraktivste(n) Zielgruppe(n) bringt. Und die Zielgruppe(n) brauchen einen oder mehrere Gründe in den Stadtkern zu kommen. Wie schrieb jüngst ein User auf Criticity.de über Bad Brückenau treffend: „Bisschen wenig los in der Stadt, es müsste vielleicht ein Lokal für Menschen zwischen 15 und 40 aufmachen, das fehlt hier total.“ Vielleicht ein erster kleiner Baustein zur Wiederbelebung statt Autos ganztägig während der Öffnungszeiten.