Nachdem ich meine mittlere Reife in der Tasche hatte, konnte ich es nicht erwarten, endlich die Schule zu verlassen und eine Ausbildung zu beginnen, zumal ich im Allgemeinen nie wirklich gerne zur Schule ging.

Umso überraschender war es, als zum Ende meiner Ausbildung der Wunsch nach einer neuen Herausforderung immer größer wurde und ich mir in den Kopf setzte, das Abitur nun doch noch auf dem zweiten Bildungsweg nachzuholen. Ich erkannte, dass dies für mich die einzige Möglichkeit war noch einmal einen großen Schritt voran zu kommen. Rein zufällig stieß ich zu dieser Zeit auf eine Anzeige des Theresianums. Die Informationsveranstaltung der Schule, welche ich kurze Zeit später besuchte, bestärkte mich in meinem Vorhaben. Schon an diesem Abend war die familiäre Atmosphäre, das kollegiale Verhältnis zwischen den informierenden Lehrkräften und Schülern spürbar.

Im September 2011 machte ich mich nun also voller Enthusiasmus, aber auch mit dem einen oder anderen Bedenken, auf den Weg nach Bamberg, um nach dreijähriger Berufsausbildung wieder die Schulbank zu drücken. Schnell wurde mir klar, dass ich hier auf ein Juwel in der hiesigen Schullandschaft gestoßen war. Natürlich gab und gibt es vor allem in den von Stress geprägten Prüfungsphasen wie an jeder anderen Schule auch immer mal wieder Konflikte und Diskussionen, jedoch fand ich am Theresianum, was ich in den Schulen, die ich vorher besucht hatte, immer vermisste: Eine kleine Institution, deren Lehrkräfte auch in den kurzen Pausen immer wieder ein offenes Ohr für die Schüler finden und sich auf ein freundschaftliches Verhältnis mit den Lernenden einlassen. Ein Zusammenhalt unter den Schülern, der auch über die eigene Klassengemeinschaft hinausgeht. Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, deren Interessen über das Erfüllen der notwendigen Aufgaben und Pflichten hinausgehen. Und natürlich das Lernen und Leben neben anderen jungen Erwachsenen mit den gleichen Zielen und Ängsten, denen hier die Möglichkeit geboten wird, in ihrem Leben noch einmal einen ganz anderen Weg einzuschlagen.

Nebenbei sieht man sich als Schüler des Theresianums ganz ohne Zwang mit religiösen Themen konfrontiert. Man könnte die Schule fast als eine Art Begegnungsstätte verstehen. Sowohl für die Schüler, als auch für den Träger der Schule, den Karmelitenorden, dessen Mitglieder sich mit viel Engagement und Weltoffenheit für das Gelingen eines gemeinsamen Lernalltags einsetzen und somit Vorurteile und Bedenken schnell aus den Weg räumen, kann dies als große Bereicherung gesehen werden.

Für mich wurde das Theresianum so über die Jahre hinweg wie ein kleines zweites Zuhause. Nicht nur, weil ich hier viel Zeit zum Lernen verbrachte, sondern weil man in der familiären Atmosphäre schnell neue Freundschaften knüpfen konnte. Immer wieder gab es die Gelegenheit, Lehrer und Mitschüler, mit denen man den Alltag bestreitet, auch außerhalb des Stundenplanes kennenzulernen. Sei es am letzten Schultag vor den lang ersehnten Weihnachtsferien bei Punsch und Plätzchen oder beim alljährlichen Sommerfest.

Umso trauriger stimmt es mich zu erfahren, dass diese Schule geschlossen werden soll - und das in Zeiten, in denen bereits junge Erwachsene während ihrer Schulzeit mit dem Leistungsdruck unserer Gesellschaft konfrontiert werden, die Angst zu versagen immer größer und die Möglichkeit auf eine zweite Chance augenscheinlich immer geringer wird. Das Theresianum war und ist für mich ein gutes Beispiel dafür, wie - trotz hoher Anforderungen - das Lernen und Arbeiten menschlich gestaltet werden kann.

Als ehemalige Theresianerin werde ich mich wie so viele andere Ehemalige für immer mit unserer Schule verbunden fühlen, denn sie ist weit mehr als nur eine Einrichtung zum Erlangen der Hochschulreife. Hier ist man als Schüler ein wichtiger Teil einer Gemeinschaft und wird nicht nur nach Noten und Leistung beurteilt.

Nach meinem Abschluss fiel mir der Abschied schwer und ich hatte mich darauf gefreut, im Rahmen der vielen Schulveranstaltungen dort immer wieder auf meine ehemaligen Lehrer und Mitschüler zu treffen. Stattdessen musste ich vor einigen Tagen die furchtbare Botschaft in der Zeitung lesen: "Eine Schul-Ära geht zu Ende" - ich bin stolz und glücklich für drei Jahre Teil dieser Ära gewesen zu sein und hoffe, dass sich ihr Ende doch noch abwenden lässt!

Leserin Lisa Deckelmann aus Ebensfeld hat einen Leserbrief zum Artikel "Bamberger Karmeliten schließen ihr Theresianum" vom 2. Juni.