An den vergangenen zwei Tagen durfte ich wieder, teils hautnah, erleben, wie allumfassend der Revieranspruch mancher Autofahrer doch ist:

Insgesamt dreimal wurde ich von Autofahrern nahezu ohne jeglichen Seitenabstand überholt. Sie alle gaben mir zu verstehen, ich hätte doch den Radweg zu benutzen. Einer zwang mich gar zum Anhalten und ließ sich wohl nur durcn Vorlesen seines Kennzeichens von Tätlichkeiten abhalten. Keiner wollte etwas davon wissen, daß er nach Straßenverkehrs-Ordnung daneben lag.

Der fragliche Radweg - es handelte sich immer um denselben - ist nicht benutzungspflichtig (StVO), dürfte es auf Grund engen Querschnitts, mangelnden Seitenabstands zum Parkstreifen, gefährlicher Linienführung und zu schmalen Gehwegs auch nicht sein (Verwaltungsvorschrift zur StVO, technische Regelwerke). Mindestens einer der Fahrer dürfte seine Fahrerlaubnis altersbedingt erst erworben haben, nachdem 1997 die allgemeine Radwegbenutzungspflicht wegen des hohen Unfallrisikos auf diesen Sonderwegen aufgehoben worden war.

So verstärkt sich der bereits wiederholt sich aufdrängende Eindruck: Die Fahrschulen unterrichten zu diesem Punkt entweder falsch oder lückenhaft. Daß, davon abgesehen, selbst ein tatsächlich vom Radfahrer begangener Regelverstoß nicht zu nötigenden und gefährdenden Maßregelungen berechtigt, sei der Vollständigkeit halber angefügt.

An anderer Stelle war ein Pkw im Engpaß (nur eine Fahrspur für zwei Richtungen) abgestellt, den kompletten schmalen Gehweg und einen Teil der Fahrbahn in Anspruch nehmend. Gegenüber befinden sich zu allem Überfluß zwei dicht nebeneinander liegende Einmündungen von Seitenstraßen - und der Engpaß liegt unmittelbar zu Beginn einer schwer einsehbaren Kurve.

Wohl in der irrigen Annahme, es handelte sich um eine Parkleuchte, hatte die Fahrerin das Warnblinklicht eingeschaltet. Im Vorbeifahren rief ich ihr zu, manche Leute sollten vielleicht erst den Führerschein machen. Ihre sofortige Reaktion war wüste, beleidigende Beschimpfung, die sie wiederholte, nachdem sie mich, mich mit ihrem Wagen verfolgend, eingeholt hatte. Erst, als Zeugen aufmerksam wurden, hörte sie auf und fuhr davon.

Kaum der Rede wert waren da die insgesamt vier von Pkw-Fahrern begangenen Rotlichtverstöße und ein abendliches Überholmanöver. Unmittelbar vor einer Mittelinsel überholte mich ein Pkw in halsbrecherischer Weise, um wenige Meter hinter der Insel voll in die Eisen zu gehen und mich auszubremsen. Denn er wollte nach links in ein Grundstück einfahren und hatte den Gegenverkehr abzuwarten.

Zugegeben: Hier hat sich in kurzer Zeit einiges angehäuft. Grundsätzlich aber gehören derartige Erlebnisse zu meinen täglichen Erfahrungen. Es gibt offensichtlich einen nicht zu vernachlässigenden Anteil unter den Autofahrern, denen es nicht nur an verkehrlicher, sondern mehr noch an charakterlicher Erziehung mangelt.

Daß die Verkehrs- und Ordnungsbehörden, allen voran die Polizei, sich diesem Phänomen widmen, konnte ich bislang nicht feststellen. Sie erwecken augenscheinlich lieber den Eindruck, alle Gefahr gehe allein von den Radfahrern aus - obgleich das Unfallgeschehen tagtäglich anderes belegt.