Die Druckausgabe des Fränkischen Tags berichtet, daß in Bamberg Freie Wähler (Ausgabe vom letzten Samstag) und CSU (heutige Ausgabe) beantragen, die Stadt solle den Fahrern von Elektroautos Privilegien einräumen. Zudem sollten den Käufern solcher Fahrzeuge Zuschüsse gezahlt werden.

Elektroautos lösen keines der vordringlichen Probleme des Verkehrs. Platzbedarf, Unfallrisiko und Unwirtlichkeit des Straßenraums bleiben unverändert. Die Emissionen werden lediglich zum Kraftwerk verschoben, da die Energiewende von vielen Seiten behindert wird. Doch selbst die umweltverträglicheren Methoden der Stromgewinnung funktionieren nicht ohne erhebliche Auswirkungen auf die natürlichen Lebensgrundlagen. Zur Verringerung des Energieverbrauchs aber tragen Elektroautos nur bescheiden bei, wenn auch ihre Produktion und Entsorgung mitbetrachtet werden.

Die Abhängigkeit von Rohstoffimporten wird nur auf andere Ressourcen und Lieferländer verlagert. Weshalb eine - wenn auch aus eigenem Verschulden - finanziell klamme Stadt zur Förderung des E-Autos in die Kasse greifen sollte, erschließt sich mir nicht.

Auch die in Aussicht gestellten Privilegien (Benutzung von Busspuren, vergünstigtes, wenn nicht gar kostenloses Parken, ...) sind mehr als fragwürdig. Dem CarSharing (gemeinschaftliche Autonutzung), das nachweislich zu geringerer Verkehrs- und Umweltbelastung führt, werden diese seit Jahrzehnten verweigert.

Wenig hilfreich ist auch der Vorschlag, den Kauf eines Elektrofahrrads mit einem (eher symbolischen) Betrag zu unterstützen. Zum einen wäre weit mehr gewonnen, die Infrastruktur würde endlich den Bedürfnissen des Radverkehrs, mit oder ohne Elektrounterstützung, angepaßt. Zum anderen hätte die Stadt es in der Hand, mittels ihrer Bauleitplanung das Verkehrsverhalten zu beeinflussen. Stellschrauben sind insbesondere das Stellplatzangebot, die Möglichkeit, mittels ortsnaher Strukturen kurze Wege zu ermöglichen, und eine kundenorientierte Erschließung durch öffentliche Verkehrsmittel, welche überdies die bedarfsgerechte Vernetzung mit Fuß- und Radverkehr anbietet.

Doch von all diesen zukunftsfähigen Weichenstellungen will die Stadt Bamberg, wollen die politisch Verantwortlichen nichts wissen. Eingaben und Anregungen werden mit haarsträubenden Begründungen zurückgewiesen - wenn man sich denn überhaupt die Mühe macht zu reagieren. Denn Standard sind Ignorieren und Schweigen.