Die heutige Druckausgabe des Fränkischen Tags berichtet über zwei Fahrradunfälle, deren Ursache - neben dem Fehlverhalten der jeweiligen Unfallgegner - in der Verkehrsführung über (ungeeignete) bauliche Radwege zu suchen ist. Das aber wird in den polizeilichen Unfallberichten nicht dargestellt.

Hirschaid:

Beim Abbiegen über Rad- und Gehweg in eine Grundstückszufahrt auf der Maximilianstraße wurde das vorfahrtberechtigte Fahrrad „übersehen“.

Vor allem bauliche Radwege auf Gehweghöhe oder eigenem Niveau führen den Radverkehr außerhalb des bewußten Wahrnehmungsbereichs der Autofahrer. Dieses seit Jahrzehnten bekannte Unfallrisiko führte dazu, daß die allgemeine Radwegbenutzungspflicht vor rund achtzehn Jahren aus der Straßenverkehrs-Ordnung verschwand. Sie darf seitdem nur noch zur Entschärfung einer nach gründlicher Einzelfallprüfung nachgewiesenen, das normale Maß erheblich übersteigenden Gefahrenlage angeordnet werden. Erfüllt der Radweg nicht in einschlägigen Regelwerken festgehaltene Qualitätsanforderungen, ist Benutzungspflicht unzulässig. Denn ein mangelhafter Radweg ist nicht geeignet, die Gefahrenlage zu beseitigen.

Hirschaids Radwege stehen schon seit langem in der Kritik (siehe auch: http://www.cycleride.de/index.php/component/joomgallery/pannenflicken-2015/15-5-hirschaid!). Erst im Mai hatte die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern den Landkreis Bamberg bereist und u. a. die Hirschaider Radverkehrsführung stark bemängelt.

Bamberg:

Eine aus der wartepflichtigen Annastraße kommende Autofahrerin „übersah“ beim Einfahren in die Starkenfeldstraße eine bevorrechtigte Radlerin, welche erhebliche Verletzungen davontrug.

Ähnliche Unfälle, darunter einen tödlich verlaufenen, gab es an dieser Einmündung bereits mehrfach. Die Radwege entlang der Starkenfeldstraße sprechen nahezu sämtlichen Vorschriften für ihre Ausgestaltung Hohn. Sie sind viel zu eng, liegen neben zu schmalen Gehwegen und werden an Einmündungen und Kreuzungen z. T. abenteuerlich geführt. All dies sind zwingende Ausschlußkriterien für eine Benutzungspflicht, die rechtswidrig dennoch angeordnet ist.

Der an die Unfallstelle führende Radweg liegt rechts neben der Kfz-Rechtsabbiegespur. Abbieger aus der Starkenfeldstraße rechnen in der Regel nicht damit, daß dort jemand geradeaus weiterfährt - und überdies Vorfahrt hat. Und so gut wie kein aus der Annastraße kommender Autofahrer wirft einen Blick zur Seite, bevor sein Vehikel die Fahrradfurt blockiert.

Vor rund einem Jahr hatte die Polizei Bamberg-Stadt quasi-öffentlich eingeräumt, daß auch sie inzwischen einsieht, in welcher Weise straßenbegleitende Radwege das Unfallrisiko erhöhen - fast zwei Jahrzehnte, nachdem diese Erkenntnis in das geltende Verkehrsrecht Einzug gehalten hat. Entsprechende Konsequenzen aber blieben bis heute aus. Doch offensichtlich soll in Unfallberichten nicht mehr erwähnt werden, daß die Opfer, der sie gefährdenden Anordnung folgend, den Radweg benutzt hatten.