Auf die Debakel mit der Pkw-Maut und beim Betreuungsgeld folgt schon die nächste CSU-Pleite: Eine Zeitungsbeilage namens „Familienbunt“, die durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration (Staatsministerin Emilia Müller) gefördert worden war, hat im Regierungsbezirk Schwaben für große Empörung gesorgt.

Die Beilage wurde vom Familienbund der Katholiken im Bistum Augsburg herausgegeben und verbreitet in einem Beitrag mit der Überschrift „Diktatur durch Verwirrung“ zehn Thesen gegen die „Homo-Ehe“. Die Abhandlung stammt vom Franzosen Bertrand Vergely und kursiert schon seit einigen Jahren im Internet. Weil in Frankreich die Ehe für alle 2013 eingeführt worden war, dürfte die Entstehung des Pamphlets in diesem Zeitraum zu verorten sein.

Das Internetmagazin queer.de hat den Vorgang offenbar aufgrund eines Leserhinweises aufgegriffen und an die Öffentlichkeit gebracht. Die Thesen entbehren zum Teil jeglicher Nachvollziehbarkeit, etwa wenn behauptet wird, die Ehe zwischen Mann und Frau sei eine „natürliche Gegebenheit“. Zudem würde mit der Homo-Ehe eine „neue Norm für Familie, Abstammung und Weitergabe des Lebens etabliert werden“.

Das Pamphlet gipfelt in der Behauptung, wenn die Homo-Ehe kommen würde, dann wird „ein Vater fordern können, seine Tochter oder gar seinen Sohn ... heiraten zu dürfen“. Der Autor hat sich offensichtlich von seiner Überschrift leiten lassen und noch allerlei wirres Zeug zum Besten gegeben. So wird von „Verwirrung zwischen dem Wesen des Menschen und seiner (jeweiligen) Lebenspraxis“ gefaselt und dass die Homo-­Ehe „zwangsläufig diktatorische Effekte zeitigen“ würde.

Inzwischen haben mehrere Medien wie die taz und der Nordbayerische Kurier berichtet. Von politischer Seite her nahm sich die SPD Augsburg bereits des Vorgangs an. So formulierte Landtagsabgeordneter Linus Förster postwendend eine parlamentarische Anfrage an die Staatsregierung. Konkret fragt er:

"1. Mit welchem Förderbetrag wurde die Ausgabe „Familienbunt“ durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration gefördert?

2. Werden geförderte Publikationen vorab auf den redaktionellen Inhalt geprüft?

3. War der Staatsregierung der oben genannte Artikel vorab bekannt?

4. Welche Intention verfolgte die Staatsregierung mit der Förderung?

5. Welche Publikationen von „LSBTTIQ“-Gruppen werden durch die Staatsregierung gefördert?"


Siehe auch: www.taz.de/!5214616/