Der Ausgang des irischen Referendums ist ein Erfolg auf ganzer Linie. Irland hat mit überwältigender Mehrheit dafür gestimmt, die zivilrechtliche Ehe für Schwule und Lesben zu öffnen. Es war ein Votum gegen Diskriminierung und Ausgrenzung – ein Sieg der Menschlichkeit über Vorurteil, Unvernunft und Dummheit.

Während sich in Deutschland viele über das Votum freuen und neue Hoffnung auf ein Ende der Diskriminierung auch hierzulande schöpfen, verspritzt zur gleichen Zeit der vatikanische Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin sein Gift. Über Radio Vatikan lässt er wissen, das irische Ja zur gleichgeschlechtlichen Ehe sei eine „Niederlage für die Menschheit“, was ihn sehr „traurig“ stimme. Natürlich müsse jetzt alles getan werden, um „die Familie zu verteidigen“, es gehe um christliche Prinzipien, um die Zukunft der Menschheit und um bla bla blubb.

Man ahnt es schon, wenn Eifer und Trauer zusammentreffen, kann nichts Gescheites dabei herauskommen. Nicht nur, dass ihm christliche und zivilrechtliche Ehe durcheinander gekommen sind, sondern auch Wunsch und Realität. Der Schaden, den er anrichtet, ist immens. Und das nicht erst seit Oma Marie (84), evangelisch, im April 2015 aus der Kirche ausgetreten ist, weil sie zwei schwule Enkel hat und der Pfarrer der Nachbargemeinde Homosexualität zuvor als Sünde verurteilt hatte. Spiegel und Stern hatten darüber berichtet.

Nein, es geht hier um die römisch-katholische Kirche, deren Finanzkontrolleure sich derweil schon an den Rechenschieber setzen dürfen und die Einnahmeausfälle einer neuerlichen Welle von Kirchenaustritten kalkulieren dürfen. Aber der finanzielle Verlust dürfte im Vergleich zum – wieder einmal – in eine neue Rekordhöhe katapultierten Image-Schaden Peanuts ausmachen.

Unverblümt und keineswegs verschämt präsentiert sich die römisch-katholische Kirche öffentlich als einen der mächtigsten Groß-Diskriminierer. Zur Erinnerung: Diskriminieren bedeutet, eine bestimmte Gruppe der Gesellschaft zu benachteiligen oder herabzuwürdigen. Meistens passiert das systematisch und ist verbunden mit einer persönlichen Abwertung der Betroffenen.

Zu den Gruppen, auf die es die römisch-katholische Kirche, aber auch viele evangelikale Kirchen abgesehen haben, zählen Schwule und Lesben. Nicht nur – auch Geschiedene, Wiederverheiratete und noch andere. Bleiben wir hier bei der ersten Gruppe.

Diskriminierung ist weder mit dem Christentum, der Aufklärung noch mit dem Humanismus vereinbar. Trotzdem bringen es hochrangige Kirchenvertreter regelmäßig immer wieder fertig, einen Clash vom Zaun zu brechen, indem sie das Christentum gegen den Humanismus antreten lassen. Ganz dumm auch, dass sich diese Anstifter jedweder Ratio entziehen und sich in ihrer Argumentation auf transzendentale Vorgaben und Eingebungen berufen. Einer echten argumentativen Auseinandersetzung also aus dem Weg gehen. Am Ende kann es nach deren Vorstellung nur Sieger oder Verlierer geben.

Genau das ist geschehen, und damit die römisch-katholische Kirche nicht als Verlierer dasteht – was sie gar nicht müsste, denn die Kirche und ihre Werte waren in Irland nicht Gegenstand der Abstimmung – erklärt Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin kurzerhand das irische Votum als „Niederlage für die Menschheit“. Man beachte, er sagte nicht: „Niederlage für die Kirche“ – aber sie schwingt zwischen den Zeilen durchaus mit.

Hier offenbart sich ein unfruchtbares Lagerdenken, das zu nichts führt außer Polarisierung. Im Vatikan kann man sich weiter einigeln und von der Welt absondern. Die katholischen Christen im Land verstehen ihre vatikangebundenen Oberhirten immer weniger und wenden sich ihrerseits dann doch lieber Gott direkt ohne Umwege zu. So wie Oma Marie, auch wenn sie in diesem Fall evangelisch ist.


http://www.stern.de/panorama/grossmutter-tritt-aus-kirche-aus-weil-sie-ihre-homosexuellen-enkel-diskriminiert-sieht-2187038.html

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/oma-mit-schwulen-enkeln-tritt-nach-84-jahren-aus-kirche-aus-a-1028821.html