Das Thema, das die CSU von der Flut davon gespült gesehen hat, taucht wieder auf: Die Verwandschafts- und Abrechnungsaffäre des Landtages ist zurück, und eigentlich ist es schon unglaublich, was da so alles ans Licht kommt.

Da ist der Kollege der SPD, der laut Spiegel meint, die Kostenpauschale für Abgeordnete sei zu niedrig, weil – und ich erinnere hier daran, dass wir über einen Sozialdemokraten reden, nicht einen FDPler – sein Porsche schon einen immensen Benzinverbrauch habe und überhaupt, Schreibmaschinen – für Jüngere: das ist sowas wie Word ohne PC – seien ja so teuer! (Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayerischer-rechnungshof-ruegt-zahlungen-an-landtags-abgeordnete-a-917392.html )

Und was war noch? Ach ja, da haben wir den Kollegen König aus Hof. Dieser ganz spezielle CSU-Spezi hat doch glatt mal eben eine 6000 € teure Kamera abgerechnet. Die billigeren gehen ja so schnell kaputt. Und das Ganze, um dann herauszufinden, dass seine Ausgabe aus Steuergeldern ja viel zu groß und schwer ist für so einen Abgeordneten! No shit Sherlok!

Und wo wir gerade bei Oberfranken sind: Der liebe Herr Rudrof, der mich in Bamberg von den Plakaten munter freudig angrinst: Der hat bis März 2013 seine Frau beschäftigt. Konsequenzen? Scheinbar keine. Aussage von ihm zu dem Thema? Keine. Die Taktik, totzuschweigen, funktioniert auch wunderbar. In der Presse steht nichts mehr und auch anders erfährt der liebe Wähler das nicht. So ist die Wiederwahl gesichert.

Obwohl, das ist ja fast schon harmlos gegenüber der Glanzleistung zweier anderer CSU-Kollegen. Und wieder ist ein Oberfranke ganz vorne mit dabei. Jürgen W. Heike, Landtagskandidat für Coburg, gibt gegenüber der SZ einfach mal so zu, dass er von seinem Abgeordnetenmandat überfordert ist.

Zitat von Suedeutsche.de
Der CSU-Politiker bestätigt, dass er die bei ihm als Abgeordneten anfallenden Arbeiten “komplett” von einer von ihm gegründeten Kanzlei in Neustadt erledigen lasse und dafür die gesamte Höhe der Pauschale überweise. “Ja, selbstverständlich”, sagte Heike. Er habe “es satt” gehabt, sich um die Verwaltung der Mitarbeiter selbst zu kümmern.


Quelle: http://www.sueddeutsche.de/bayern/kritik-des-rechnungshofes-schon-wieder-aerger-fuer-die-csu-1.1750706

Er hat also die eigens gegründete Kanzlei beauftragt. Wie einfach und plakativ. Die bekommt dann sogleich 87 000 € im Jahr, damit sie dann seine Verwaltung macht. Kostenabrechnung? Transparenz? Schnee von gestern. Gut, man könnte meinen, dass jemand, der seine Moral wegen Überforderung über Bord schmeißt, dann wenigstens freiwillig geht. Aber Pustekuchen: auch dieser spezielle Spezialfall tritt für die CSU wieder an.

Und liebe Leute, das ist noch steigerungsfähig! Otmar Bernhard bezahlt seiner eigenen Kanzlei ein Drittel einer Sekretärin. In der Kanzlei arbeitet er, seitdem er nicht mehr Minister ist. Das kommt den Steuerzahler billiger. Und wisst ihr was? Ich glaube ihm das sogar! Nur: Arbeitet die Sekretärin dann 2/3 für seinen anderen Job als Anwalt? Woher hat der gute Mann neben einem Vollzeitmandat eigentlich die Zeit?

Und ist ihm vielleicht in den Sinn gekommen, dass es schwierig sein könnte, wenn seine Sekretärin seinen Job UND seine Abgeordnetentätigkeit handelt? Hat er keine Bedenken gehabt, dass das eine mit dem anderen verschwimmen kann? Vor allem, da er Partner der Kanzlei ist? Ist diese Naivität als CSUler normal? Und wenn man so erfolgreich als Anwalt arbeitet, dass man dort offenkundig mehr Zeit reinsteckt als ins Mandat, warum zur Hölle kandidiert man dann nochmal?

Ich wette, was dann als nächstes von einem Politiker der CSU kommt, ist wieder mal ein Spruch á la “Das ist der Öffentlichkeit nicht zu vermitteln”. Ganz so, als wäre das alles normal und super, und der Sepp auf der Straße ist zu dumm, das zu verstehen.

Manch Abgeordneter glaubt wohl, dank dem bayerischen Respekt gegen kleine Cleverness könne man sich alles erlauben. Kameras für das 50-fache des angemessenen Preises zu kaufen. Seine eigene Kanzlei mit Aufträgen zu versorgen. Oder Porsche zu fahren auf Steuerzahlerkosten.

So frei nach dem Motto “A Hund bin ich scho!”. Aber ich bin mir sicher, auch der bayerische Michel hat irgendwann genug. A Hund kann ma sein, aber da haben einige offenkundig Lack gesoffen und gleiten in den Wahn ab. Und a Hund, der Lack säuft, der stirbt – mag er noch so a Hund san.